Weniger Mitteleinsatz, mehr Ertrag

Interview mit Markus Heberger, Geschäftsführer der TIMAC AGRO Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Heberger, TIMAC AGRO Deutschland ist Teil einer internationalen Gruppe. Wie ist das Unternehmen aufgestellt?

Markus Heberger: Die TIMAC AGRO Deutschland GmbH ist Teil der Groupe Roullier, die vor fast 70 Jahren in Frankreich gegründet wurde. TIMAC AGRO Deutschland ist innerhalb der Gruppe die zentrale Sparte für landwirtschaftliche Pflanzen- und Tierprodukte. Was uns auszeichnet, ist die dezentrale Struktur. Natürlich gibt es in Frankreich zentrale Funktionen, Forschung und Entwicklung, aber jedes Land agiert sehr eigenständig – mit eigenem Produktkatalog, eigener Mitarbeiterstruktur und eigenen Schwerpunkten. Das ist wichtig, weil die Märkte sehr unterschiedlich sind. Brasilien, Spanien oder Deutschland haben ganz andere landwirtschaftliche Voraussetzungen und damit auch andere Anforderungen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Deutschland für TIMAC AGRO?

Markus Heberger: TIMAC AGRO Deutschland ist seit über 40 Jahren im deutschen Markt vertreten. Unsere Kunden sind die Landwirte – und genau dort wollen wir auch präsent sein: direkt auf dem Feld, im persönlichen Gespräch. Dafür haben wir über 70 Verkaufsberater im Einsatz, die deutschlandweit mehr als 450 Besuche pro Tag bei Landwirten absolvieren. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit dem Handel und Vertriebspartnern zusammen. Das ist für uns ein wichtiger Teil der Wertschöpfungskette, um unsere Produkte und Leistungen letztlich auf den Betrieb zu bringen.

Wirtschaftsforum: Sie selbst sind seit 2025 Geschäftsführer. Mit welchen Zielen sind Sie angetreten?

Markus Heberger: Ich war zuvor über 15 Jahre in der Chemiebranche bei BASF tätig und bin im vergangenen Jahr mit einem Wachstumsauftrag zu TIMAC AGRO Deutschland gekommen. Das Geschäft war solide, aber gemessen am Potenzial des deutschen Marktes ist es aus unserer Sicht unterrepräsentiert. Wenn man auf den Düngemittel­einsatz, die Tierbestände und die Bedeutung Deutschlands für den europäischen Markt und die Versorgungssicherheit schaut, dann sehen wir hier deutliche Chancen. Deshalb verfolgen wir eine klare Wachstumsstrategie. Das bedeutet für uns aber kein kurzfristiges Hochfahren, sondern einen nachhaltigen Ausbau unserer Gebietsstrukturen, Schritt für Schritt.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet TIMAC AGRO Deutschland von klassischen Anbietern im Düngemittelmarkt?

Markus Heberger: Wir verstehen uns nicht als Standard-Commodity-Lieferant. Wir verkaufen keinen Standarddünger, sondern stellen Effizienz in den Vordergrund. Unser Portfolio umfasst Düngemittel, Effizienzdüngemittel, Bodenverbesserer, Biostimulanzien und zusätzlich Tierprodukte. Bei unseren Düngemitteln geht es nicht nur um Stickstoff, Kali oder Phosphor. Entscheidend ist die Spezifität in der Wirkweise. Die Pflanze soll Nährstoffe besser aufnehmen und verwerten können. Wir wollen zur richtigen Zeit im Vegetationszyklus die richtige Nährstoffgabe ermöglichen. Dadurch kann der Landwirt im besten Fall mit weniger Mitteleinsatz mehr Ertrag und eine bessere Qualität erzielen. Das ist gut für den Betrieb, aber auch für Boden, Umwelt und Nachhaltigkeit.

Wirtschaftsforum: Welche Märkte sind für die Gruppe besonders relevant?

Markus Heberger: Global betrachtet sind Brasilien und die USA sehr große Märkte, allein aufgrund der Flächen und des Potenzials im Düngemitteleinsatz. In Europa sind Deutschland, Frankreich und Spanien wichtige Märkte, allerdings mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. In Spanien spielt zum Beispiel Obstbau eine große Rolle, in Deutschland haben wir eine breite Mischung aus Ackerbau, Futterbau, Sonderkulturen, Wein, Kartoffeln und Zuckerrüben. Das zeigt, warum die dezentrale Struktur so sinnvoll ist. Man braucht das Verständnis für Land, Kultur, Boden und Betrieb.

Wirtschaftsforum: Welche Themen prägen die Zukunft der Landwirtschaft – und welche Strategie verfolgt TIMAC AGRO Deutschland vor diesem Hintergrund?

Markus Heberger: Ein zentrales Thema bleibt der Strukturwandel. Viele familiär geführte Betriebe werden in dieser Form nicht weitergeführt werden, weil Betriebsgrößen, Nachfolge oder Wirtschaftlichkeit nicht mehr passen. Dadurch wird sich die Landwirtschaft weiter professionalisieren. Hinzu kommen Nachhaltigkeit, regulatorische Vorgaben und der Klimawandel, der Kulturen und regionale Schwerpunkte verändern wird. Für uns heißt das: Wir müssen unsere Eigenständigkeit und unseren Lösungsansatz weiterentwickeln. Deshalb haben wir für Deutschland eine robuste Fünfjahresstrategie definiert – mit klaren Zielkulturen, einer Launch-Pipeline für Produkte und gezielten Investitionen in unsere Mannschaft. Wir gehen bewusst den Weg des Investierens, um die bestmögliche Lösung an den Landwirt zu bringen und nachhaltig Marktanteile auszubauen. Am Ende geht es darum, Landwirtschaft produktiver und zugleich widerstandsfähiger zu machen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Chemie

Chemische Präzision in der Hygiene

Interview mit Dr. Georg Stapf, Geschäftsführer der ASiRAL GmbH & Co. KG

Chemische Präzision in der Hygiene

Hygiene ist in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie zentrale Voraussetzung für Produktsicherheit, Qualität und Verbrauchervertrauen. Die ASiRAL GmbH & Co. KG entwickelt seit über 35 Jahren spezialisierte Reinigungs- und Desinfektionslösungen für…

Dynamisch im Markt, stabil im Fundament

Interview mit Luca Niero, Sales SOP/Export Sulphuric Acid SOP der Marchi Industriale S.p.A.

Dynamisch im Markt, stabil im Fundament

Die Chemieindustrie steht unter permanentem Kosten- und Innovationsdruck. Rohstoffmärkte sind global vernetzt, Lieferketten sensibel, Energieeffizienz ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Die Marchi Industriale S.p.A. mit Sitz in Marano Veneziano, Italien, begegnet diesem…

Ideen, die kleben bleiben

Interview mit Bernhard Sürth, Managing Director Dymax Europe und Virginia Hogan, Global Business Development Senior Manager der Dymax Corporation

Ideen, die kleben bleiben

Die Lösungen von Dymax stehen bei ihren Anwendern selten im Fokus – und doch könnte ohne sie kaum ein Flugzeug gewartet, kaum eine Spritze hergestellt und kaum ein Automobilsensor montiert…

Spannendes aus der Region Rhein-Sieg-Kreis

Das Sägewerk der Zukunft gestalten

Interview mit Alexander Gebele, Geschäftsführer der HOLTEC GmbH & Co. KG

Das Sägewerk der Zukunft gestalten

Steigende Energiepreise, Rohstoffknappheit und Digitalisierung setzen die Sägeindustrie massiv unter Druck. Gefragt sind effiziente, nachhaltige Komplettlösungen. Die HOLTEC GmbH & Co. KG aus Hellenthal zählt im Rundholzhandling zu den europäischen…

Die Brücke zwischen Asien und Europa stärken

Interview mit Jörg Gutsche, Geschäftsführer der TaiGer Deutschland GmbH

Die Brücke zwischen Asien und Europa stärken

Globale Lieferketten neu denken, Kundenbeziehungen beleben und Wachstum mit Augenmaß gestalten: Die TaiGer Deutschland GmbH positioniert sich als verlässlicher Partner für Unternehmen, die Kunststoffspritzguss, Druckguss, ­Silikonlösungen, elektronische Komponenten und ganze…

Auf der Seite des Kunden

Interview mit Carmen Philippi, Geschäftsführung, Vorstand der Versteegen Assekuranz – Versicherungsmakler AG

Auf der Seite des Kunden

Versicherungen gelten als komplex, unpersönlich und oft schwer verständlich. Gerade Unternehmen benötigen jedoch Lösungen, die exakt zu ihren Risiken passen und im Schadenfall zuverlässig greifen. Die Versteegen Assekuranz – Versicherungsmakler…

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr Effizienz durch offene Agrarsysteme

Interview mit Robert Fraune, Geschäftsleiter der PTx Trimble GmbH und Associate VP der PTx OEM Solutions

Mehr Effizienz durch offene Agrarsysteme

Während viele Agrartechnologien Landwirte fest an einzelne Hersteller binden, setzt die PTx Trimble GmbH mit Sitz in Salzkotten bewusst auf Offenheit. Das Unternehmen entwickelt digitale Lösungen für den gesamten landwirtschaftlichen…

„Wir müssen uns die mittelständische Landwirtschaft  bewahren!“

Interview mit Christian Gaisböck, Geschäftsführer der MFG Deutsche Saatgut GmbH

„Wir müssen uns die mittelständische Landwirtschaft bewahren!“

Die MFG Deutsche Saatgut GmbH unterstützt Landwirte mit widerstandsfähigem und ertragreichem Mais- und Sojasaatgut sowie vielfältigen Zwischenfrüchten und Gräser­mischungen. Warum die Innovationen dabei in Nuancen vorangehen und trotzdem starke Nutzengewinne…

Wenn Kühe den Takt angeben

Interview mit Martin Huber, Geschäftsführer der DeLaval GesmbH

Wenn Kühe den Takt angeben

Wenn Kühe selbst zum Melken gehen und KI ihre Gesundheit überwacht, steckt oft DeLaval dahinter. Das schwedische Unternehmen mit weltweit über 4.800 Mitarbeitern prägt seit Jahrzehnten die moderne Milchviehhaltung und…

TOP