Mit Leichtigkeit in die Zukunft

Interview mit Hinrich Hampe, Head of Governmental Affairs der Teijin Carbon Europe GmbH

Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis in die 1980er-Jahre zurück. Damals stellte es in Heinsberg noch Kunstfasern wie Kunstseide für Bekleidung her. Heute gehören beide Standorte zum über 100 Jahre alten japanischen Teijin-Konzern, der das vorhandene Wissen nutzte, um hier Carbonfasern zu produzieren. In Heinsberg bietet das Werk eine Kapazität von jährlich 5.000 t Carbonfasern. Das Hightechmaterial wird für Flugzeuge, Sportgeräte oder industrielle Anwendungen genutzt. In der zivilen Luftfahrt ist Teijin Carbon ein fester Bestandteil der Lieferkette, berichtet Hinrich Hampe, Head of Governmental Affairs. Er betont: „Wir haben in 35 Jahren nicht einen Qualitätsvorfall gehabt, der auf unsere Materialien zurückzuführen war.“ Teijin Carbon ist der einzige Hersteller, der in Deutschland Carbonfasern produziert. 

Lösungen für unterschiedlichste Anwendungen

Ein wesentliches Merkmal von Carbonfasern ist das Zusammenwirken der Eigenschaften von Leichtgewicht und Festigkeit. „Wir unterscheiden je nach Anzahl der Filamente im Garn – von 1.000 bis 50.000 Einzelfasern“, erklärt Hinrich Hampe. Diese Vielfalt ermöglicht es, Carbonfasern je nach Anwendung dünner, dicker oder flexibler zu gestalten. Während in der Luftfahrt vor allem maximale Festigkeit bei minimalem Gewicht gefragt ist, zählen im Fahrradbau je nach Modell auch Komfort, Dämpfung oder optische Aspekte. „Carbon ist nicht gleich Carbon. Wir entwickeln Lösungen, die exakt zur jeweiligen Anforderung passen“, so der Prokurist.

Zunehmend spielt auch das Thema Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Auf der JEC-Messe in Paris präsentierte das Unternehmen die erste CO2-reduzierte Carbonfaser. „Der Weg zur vollständig nachhaltigen Faser ist lang, aber wir haben ihn beschritten“, erklärt Hinrich Hampe.

Die Produktion sei energieintensiv, aber man arbeite daran, alternative Energiequellen einzusetzen und Recyclingprozesse zu etablieren. Teijin Carbon entwickelt nicht nur Garn, sondern auch Prepregs, also vorimprägnierte Materialien. In der Sportindustrie, speziell bei Fahrradrahmen und -felgen, sucht Teijin Carbon den direkten Kontakt zu europäischen Marken, etwa über die Teilnahme an der Messe Eurobike. Technisch geht es dabei nicht nur um Leichtbau, sondern auch um gezielte Materialeigenschaften.

„Ein Downhill-Bike braucht andere Eigenschaften als ein Rennrad oder ein City-Bike“, macht der Prokurist deutlich. Der Markt für Carbonfasern wächst, insbesondere im Luftfahrt- und Verteidigungsbereich. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Recyclingfähigkeit und CO2-Bilanz. Für Teijin Carbon bedeutet das: „Wir begleiten unsere Kunden technisch und ökologisch auf dem Weg zur nächsten Generation.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Kunststoff, Metall, Holz & Co.

„Draht ist unser roter Faden“

„Draht ist unser roter Faden“

Drähte, egal in welcher Form oder in welcher Ausführung, begegnen uns in der Mikrowelle, im Gartenzaun oder beim Reisekoffer, den wir auf Rollen durch den Flughafen ziehen. Es ist diese…

Zukunft aus Holz bauen

Interview mit Georg Nef, Geschäftsführer der Vögeli Holzbau AG

Zukunft aus Holz bauen

Holz ist einer der ältesten Baustoffe – und aktueller denn je. Als nachwachsender Rohstoff verbindet er Nachhaltigkeit mit moderner Technik und präziser Vorfertigung. Ob historische Sanierung oder mehrgeschossiger Wohnungsbau: Holzbau…

Wege aus dem Wettbewerbsdruck: Automatisieren, diversifizieren, vorangehen

Interview mit Dr. Ronald Bernstein, Geschäftsführer der BERGI-PLAST GmbH

Wege aus dem Wettbewerbsdruck: Automatisieren, diversifizieren, vorangehen

Steigende Kosten, globaler Wettbewerbsdruck und der rasche technologische Wandel fordern die Kunststoffindustrie heraus. Die BERGI-PLAST GmbH aus Bad Gottleuba-Berggießhübel begegnet diesen Entwicklungen mit konsequenter Automatisierung, digitaler Weiterentwicklung und einem klaren…

Spannendes aus der Region Wuppertal

Digitale Impulse im Maschinenbau

Interview mit Jil Evertz, Mitgesellschafterin und Prokuristin der Egon Evertz GmbH & Co.KG

Digitale Impulse im Maschinenbau

Seit fast 70 Jahren steht der Name Evertz für Innovation, Qualität und Kontinuität im Maschinen- und Stahlanlagenbau. Was 1956 mit einer pfiffigen Idee zur Reparatur von Kokillen begann, ist heute…

„Camping muss komfortabel sein!“

Interview mit Michael Krämer, Geschäftsführer der CAMPWERK GmbH

„Camping muss komfortabel sein!“

Camping war schon immer eine große Leidenschaft von Michael Krämer, aber die Produkte, die es auf dem Markt gab, haben ihm nie gefallen. Das wollte der ausgebildete Informatiker mit seinem…

Frisch gezapft: Die Zukunft der Getränketechnologie auf Abruf

Interview mit Torsten Selbach, Geschäftsführer und Hannes Wanner, Leiter Vertrieb und Marketing der Friedhelm Selbach GmbH

Frisch gezapft: Die Zukunft der Getränketechnologie auf Abruf

Wenn es in Deutschland so etwas wie ein Nationalgericht gibt, dann könnte man dafür die Currywurst ins Feld führen, wobei sich die Gemüter darüber streiten, ob sie in Berlin oder…

Das könnte Sie auch interessieren

Profil, Partnerschaft und Perspektive

Interview mit Arjan Bosch, Key Account Manager der CF Kunststofprofielen Teil der CF Kunststoffen B.V.

Profil, Partnerschaft und Perspektive

Kunststoffprofile sind längst mehr als unscheinbare Bauteile – sie entscheiden über Effizienz, Komfort und Langlebigkeit moderner Gebäude und Technik. CF Kunststofprofielen aus Gramsbergen in den Niederlanden zeigt, wie ein familiengeführtes…

„Nachhaltigkeit ist kein Luxus,  sondern eine Notwendigkeit“

Interview mit Hartmut Schoon, CEO der Enneatech AG

„Nachhaltigkeit ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“

Die Recyclingbranche steht vor einer enormen Herausforderung: Wie lässt sich Kunststoff nachhaltig wiederverwerten, ohne auf Qualität zu verzichten? Die Enneatech AG aus Ostfriesland hat sich dieser Frage gestellt – und…

Kabelschutz mit nachhaltigem Ansatz

Interview mit Antonio Fortunati, Gechäftsführer der Tubifor Srl

Kabelschutz mit nachhaltigem Ansatz

Ob Wohnungsbau, Gewerbe oder Industrie – elektrische Installationen erfordern höchste Sicherheit und Qualität. Die Tubifor SRL aus Buonabitacolo, Italien, kombiniert modernste Technologie mit nachhaltigen Materialien, um zukunftsweisende Kabelschutzlösungen zu bieten.…

TOP