„Unsere Unabhängigkeit ist unser Kapital!“

Interview mit Thomas Wimmer, Geschäftsführer der TBP Engineering GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Wimmer, die TBP Engineering Group engagiert sich vornehmlich im Rahmen von Ingenieurdienstleistungen für die Papierindustrie. Worin genau liegt Ihre Expertise?

Thomas Wimmer: Wir verfügen über eine jahrzehntelange Erfahrung im Umbau sowie in der Neuerrichtung von Papierfabriken, wobei wir entsprechende Projekte von der ersten Idee bis hin zur Inbetriebnahme der Anlagen vor Ort begleiten. Oftmals nehmen wir unsere Tätigkeit im Rahmen einer Machbarkeitsstudie auf, bei der wir die technische Umsetzbarkeit und wirtschaftliche Nachhaltigkeit entsprechender Projektideen ausführlich analysieren. Fällt die Projektentscheidung unseres Auftraggebers schließlich positiv aus, können wir ihn bei sämtlichen Planungsaktivitäten von der Auslegung der technischen Anlagen bis zur Erlangung der behördlichen Bewilligungen begleiten und unterstützen ihn dabei sowohl beim Procurement entsprechender Maschinen als auch bei den einzelnen Gewerken. Dabei fungieren wir zudem als wichtige Schnittstelle zwischen den verschiedenen Stakeholdern und Spezialisten, die am jeweiligen Projekt mitwirken.

Wirtschaftsforum: Worin liegt der Mehrwert, mit dem die TBP Engineering GmbH ihre Auftraggeber unterstützen kann?

Thomas Wimmer: Unser Kapital ist unsere Unabhängigkeit: Wir sind allein den Interessen unserer Kunden verpflichtet und stehen in keinerlei Verpflichtungsverhältnis zu den Herstellern oder Händlern der Anlagen und Maschinen. So können wir unsere Auftraggeber völlig neutral zu den jeweiligen Vorteilen und Risiken beraten – und gerade an dieser Stelle spielt unsere Expertise auch aus wirtschaftlicher Sicht eine bedeutende Rolle: Denn eine Maschine, deren Anschaffungspreis im Vergleich zu anderen Angeboten attraktiv erscheint, kann sich durchaus als suboptimale Wahl entpuppen, wenn ihre Betriebskosten deutlich höher als bei der Alternative ausfallen würden. Natürlich liegt auch in der allgemeinen technischen Komplexität eine wichtige Grundlage unserer Existenzberechtigung: Im europäischen Raum werden in der Papierindustrie selten schlüsselfertige Anlagen von einem zentralen Generalunternehmer errichtet; stattdessen werden die entsprechenden Anlagenkonfigurationen individualisiert auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten. Das ist im Ergebnis wirtschaftlicher, schafft ein Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen und ermöglicht am Schluss auch eine Optimierung der Fertigungsprozesse, die vollends an die jeweiligen Rahmenbedingungen angepasst werden können.

Wirtschaftsforum: Dabei geht der Bedarf an Printmedien schon seit Jahren kontinuierlich zurück, während zudem viele Unternehmen komplett ‘papierlos’ werden möchten. Steht Ihre Branche damit nicht vor einer schwierigen Zukunft?

Thomas Wimmer: Natürlich hat die junge Zielgruppe lieber das Smartphone als eine gedruckte Zeitung in der Hand, und papierlose Unternehmen genießen dank stringenterer Prozesse viele Vorteile. Gleichzeitig erlebt aber der E-Commerce ein rapides Wachstum, und auch die globale Logistik auf Industrieebene benötigt viel Verpackungsmaterial in Papier- und Kartonagenform. Wir erleben in unserem Marktsegment also lediglich eine Verschiebung; die allgemeine Wachstumstendenz ist ungebrochen und wird es perspektivisch auch bleiben.

Wirtschaftsforum: Wie lässt sich diese Entwicklung mit dem Wirtschaftsziel der Ressourcenschonung in Einklang bringen?

Thomas Wimmer: Kaum ein Wirtschaftszweig ist so nachhaltig aufgestellt wie die Papier- und Zellstoffindustrie. Denn in unserer Branche haben die Marktteilnehmer schon immer in Gesamtkreisläufen gedacht, und in den vergangenen Jahrzehnten wurde kaum eine Innovationsmöglichkeit ausgelassen, um diese Zielsetzung konsequent zu verfolgen. Viele papiererzeugende Unternehmen betreiben mittlerweile eigene Reststoffkraftwerke, in denen die nicht mehr verwertbaren Reststoffe und Abfälle, die vor zehn Jahren noch einer Deponie zugeführt worden wären, in technischen Prozessen dergestalt aufbereitet werden, dass sie anschließend in Wirbelschichtkesseln energieeffizient verbrannt werden können. Dabei wird mit einem Wirkungsgrad von gut und gerne 85% saubere Energie erzeugt. Die eigentlichen Fertigungsanlagen selbst können derweil meist problemlos an die Marktverschiebungen angepasst werden: Eine Maschine, die bisher Papier für Printerzeugnisse produzierte, lässt sich auch für die Fertigung von Verpackungsmaterialien umrüsten.

Wirtschaftsforum: Welche Pläne verfolgt TBP Engineering für die Zukunft?

Thomas Wimmer: Schon vor einigen Jahren haben wir festgestellt, dass sich unser Know-how aus der Papierherstellung problemlos auf einschlägige Fragestellungen aus der lebensmittelverarbeitenden Industrie übertragen lässt: Hier konnten wir uns ein erfolgreiches zweites Standbein aufbauen. Ferner haben wir im November eine weitere Niederlassung in Dresden eröffnet, um den ostdeutschen Markt noch effizienter zu bespielen.

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