(Durchs) Lager in allen Dimensionen

Interview mit Michael Tessun, Geschäftsführer der stow Deutschland GmbH

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Wirtschaftsforum: Herr Tessun, welche Meilensteine sind in der Geschichte von stow besonders hervorzuheben?

Michael Tessun: Unsere Muttergesellschaft stow International mit Sitz in Belgien wurde vor 45 Jahren gegründet, die deutsche GmbH vor 25 Jahren. Schon 1996 hat stow eine vollautomatische Fertigung implementiert. Damit hatten wir über viele Jahre die modernste Fertigung in der Branche. Das war der Kerntreiber für unser weiteres Wachstum. Bis 2001 war stow International ein Familienunternehmen und wurde dann von der börsennotierten Schweizer Kardex Gruppe übernommen. 2013 ging das Unternehmen an die Private Equity Gesellschaft Avery‘s. Diese wurde 2018 von der amerikanischen Blackstone Gruppe, eine der größten Private Equity Gesellschaften weltweit, übernommen. 2019 wurden alle Schwesterunternehmen unter dem Motto ‘one brand one company’ zusammengeführt. So entstand die heutige stow Gruppe. 2021 haben wir die stow Robotics für innovative Automatisierungsprodukte gegründet.

Wirtschaftsforum: Wie ist die stow Gruppe strukturiert?

Michael Tessun: Meine Zuständigkeit erstreckt sich auf Zentraleuropa. Dazu zählen die deutschsprachigen Länder, die Slowakei, Tschechien und Polen. In Deutschland und Österreich bin ich eingetragener Geschäftsführer. Daneben unterscheiden wir die Regionen Benelux mit Großbritannien, Frankreich sowie die Süd-Region mit Spanien, Portugal, Italien und der Türkei. Im Zuge des Wachstums haben wir außerdem Niederlassungen in Skandinavien gegründet und im vergangenen Jahr auch in den USA. In Europa – in Deutschland, Belgien, Tschechien, Frankreich und der Türkei – betreiben wir neun Fabriken mit identischer Produktionstechnik. Als Stahlverarbeiter spielen kurze Transportwege für uns eine wichtige Rolle. CEO der Gruppe und Treiber des Unternehmens ist seit vielen Jahren Jos De Vuyst.

Wirtschaftsforum: Für welche Branchen fertigen Sie?

Michael Tessun: Wir liefern Lagertechniklösungen an Industrie, Handel und Logistikdienstleister. Zu unseren Kunden gehören die großen E-Commerce-Anbieter und alle DAX und MDAX Unternehmen von der Automobilindustrie über den Logistikkonzern bis zum Lebensmittelhändler. In Europa sind wir Marktführer, weltweit sehen wir uns an Platz 2. Über geografisches Wachstum wollen wir auch hier die Nummer 1 werden.

Wirtschaftsforum: Können Sie uns Ihre Produkte genauer beschreiben?

Michael Tessun: Wir fertigen alles, was für die Paletten-, Kleinteile- und Langgut-Lagerung notwendig ist, auch fahrbare Regale und Pick Towers für das E-Commerce-Business, In unseren Werken verarbeiten wir 330.000 t Stahl pro Jahr. Wir bauen Inhouse-Regale, aber auch Regale in Silobauweise, bei der das Regal quasi das Gebäude darstellt. Die Lager haben eine Höhe von bis zu 50 m. Mit unseren Produkten können wir sowohl im Tiefkühl- als auch im Normaltemperaturbereich alle Anforderungen auf dem Gebiet der Logistik abdecken. Zu 90% sind wir im Neubau tätig, manchmal geht es aber auch um Erweiterungen oder Umzüge.

Wirtschaftsforum: Was macht denn stow so erfolgreich?

Michael Tessun: Ein Grund ist nach wie vor unsere vollautomatische Fertigung, die uns eine relativ günstige Produktion ermöglicht. Der Markt ist gewachsen, und wir haben durch unsere breite Aufstellung eine bessere Position als viele Marktbegleiter. Wir haben auch Kompetenzen in Bereichen wie Planung, Sicherheit, Brandschutz und Statik. Auf der anderen Seite müssen wir als Unternehmen mit einer Private Equity Mutter profitabel sein. Deshalb übernehmen wir Projekte nicht um jeden Preis.

Wirtschaftsforum: Wie sehr leidet Ihr Unternehmen unter den derzeitigen Krisen?

Michael Tessun: 70 bis 75% unserer Wertschöpfung beziehen wir aus dem Stahl. Durch Corona waren die Stahlpreise sehr volatil. Trotzdem haben wir das letzte Jahr mit einem Wachstum abgeschlossen. Dank unserer Schutzmaßnahmen musste kein Werk die Produktion stoppen oder unterbrechen. Da wir unseren Stahl ausschließlich aus Westeuropa beziehen, glauben wir, dass unsere Lieferketten auch durch die Ukraine-Krise nicht stark gefährdet sind. Der Mangel an Lkw-Fahrern führt aber zu einer deutlichen Verknappung und Preissteigerung am Transportmarkt.

Wirtschaftsforum: Welche Themen werden Sie zukünftig beschäftigen?

Michael Tessun: Unsere Roadmap für 2025 sieht die Einführung eines neuen CRM-Systems vor, das eine direkte Verbindung mit Social Media, dem Medium der Zukunft, darstellt. Dieses ist für uns auch sehr wichtig für das Recruiting. Denn auch wir haben mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. In der Gruppe suchen wir Mitarbeiter für 300 Stellen. Wir wachsen schneller als wir mit unseren Ressourcen hinterherkommen.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele hat sich das Unternehmen konkret gesetzt?

Michael Tessun: Unser Ziel ist ein Umsatzwachstum auf 1,5 Milliarden EUR. Das wird organisch geschehen, insbesondere durch den E-Commerce, geografisch sowie durch Akquisitionen. Mit unserer neuen Tochter stow Robotics vertreiben wir auch 2-D- und 3-D-Shuttle-Systeme, mit denen semi- oder vollautomatisch im Lager gearbeitet werden kann. Das ist eines der großen Wachstumsfelder für die nächsten Jahre und wichtiger Bestandteil unserer Wachstumsstrategie.

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