Lean Construction als Erfolgsgarant beim Ausbau

Interview mit Dipl.-Ing. Guido Dreymüller und Dipl.-Ing. Markus Elett, Geschäftsführer der STORCK Ausbaugesellschaft mbH

„Wir versuchen immer, Elemente des Lean Construction in die Bauabläufe zu integrieren“, erläutert Dipl.-Ing. Guido Dreymüller, der die STORCK Ausbaugesellschaft gemeinsam mit Dipl.-Ing. Markus Elett leitet. „Neubauten werden von uns, wenn der Kunde mitspielt, grundsätzlich nach diesen Prinzipien organisiert und durchgeführt. Das System des Lean Managements stammt aus der Fahrzeugherstellung. Dabei wird durch genaue Berechnungen und perfekte Organisation dafür gesorgt, dass sich Material und Personal am Fließband genau am richtigen Ort und in der richtigen Anzahl befinden. Leider können wir natürlich unsere Baustellen nicht bei uns im Lager auf ein Fließband legen. Also sind es wir, die sich mitsamt dem erforderlichen Material in einem Gewerkezug mit exakter Taktung und berechneten Personalstärken für jedes Gewerk über die Baustelle bewegen. So werden Wartezeiten zwischen den Gewerken komplett vermieden und das Personal kann schon vor Baustart exakt für die ganze Bauzeit eingeplant werden. Fehler werden minimiert, die Qualität nimmt zu und wir werden durch die höhere Effizienz schlichtweg schneller fertig – ein Argument, das gerade im Einzelhandel, wo jeder eingesparte Bautag bares Geld bedeutet, besonders wichtig ist.“

Ein durchdachtes System

Die Projekte, die STORCK übernimmt, sind anspruchsvoll. „Wir haben leider oft nicht den Fall, dass wir an einem schicken Neubau auf der grünen Wiese arbeiten“, meint Guido Dreymüller. „Stattdessen haben wir es oftmals mit alten und zum Teil auch denkmalgeschützten Gebäuden in der Innenstadt zu tun. Sehr häufig trifft man da auf unangenehme Überraschungen – fast immer gibt es Brandschutzmängel, nicht tragfähige Untergründe für die Bodenverlegung und ähnliches. Da ein exakt getakteter Gewerkezug solche Überraschungen nicht verkraftet, haben wir bisher Lean Construction bei Umbauten von Stores im laufenden Betrieb nur in Ansätzen betrieben.“

Das soll sich nun durch ein Pilotprojekt Anfang 2017 ändern. Möglich wird dies durch eine äußerst penible Bestandsaufnahme im Vorfeld sowie durch eine angepasste Taktung der Gewerke.

„Der Aufwand in der Vorbereitung wird sich wohl, nicht zuletzt für den Einzelhändler, lohnen“, konstatiert Guido Dreymüller. „Nach derzeitigen Berechnungen werden wir die Filiale mit einer Verkaufsfläche von 2.000 m² bei laufendem Betrieb und einer maximalen Verkaufsflächenblockierung von 35% - durch saubere weiße Staubwände vom weiterlaufenden Verkauf abgetrennt – innerhalb von nur 25 bis 30 Arbeitstagen komplett renovieren – und das fast ohne Nachtschichten. Inklusive neuem Fliesenboden, neuer abgehängter Decken, Leuchten, Lüftungsanpassungen, Möblierungen et cetera. Ein meines Wissens zumindest in Deutschland so bisher noch von keinem Unternehmen durchgeführtes Vorhaben.“

 Markus Elett
„Unser oberstes Credo ist, zum Termin muss alles fertig sein. Das haben wir immer hingekriegt.“ Markus ElettGeschäftsführer

Mit Herzblut dabei 

Die STORCK Ausbaugesellschaft mbH wurde unter ihrer heutigen Firmierung im Jahre 2001 von Ferdinand Winkhoff, der bis 2014 Geschäftsführer des Unternehmens war, gegründet. Markus Elett blickt zurück: „Anfangs wurden vorwiegend Malerarbeiten mit geringem Anteil Trockenbau- und Bodenbelagsarbeiten angeboten. Nach unserem Einstieg in das Unternehmen im Jahre 2002 war es für uns als Bauingenieure naturgemäß ein Anliegen, dem Kunden am Bau mehr zu bieten“.

Schon bald wurden im größeren Maße Trockenbauarbeiten, Bodenverlegung und Brandschutzarbeiten angeboten, mittlerweile führt das Unternehmen Projekte größtenteils als Generalunternehmer durch und steht oft auch schon in der Planungsphase eines Projektes dem Kunden bei der Ausführungsplanung zur Seite.

„Den Wechsel der Geschäftsführung hatte Herr Winkhoff gut vorbereitet, er hatte uns schon zwei Jahre zuvor zu Prokuristen ernannt und sich ab diesem Zeitpunkt bereits aus vielen Angelegenheiten immer mehr zurückgenommen, so dass der Wechsel recht geräuschlos vonstattenging. Hierdurch ergab sich für uns eine gute Ausgangssituation“, meint Herr Elett. „Wir haben das genutzt, indem wir unsere Kunden weiter gut betreut und Neue akquiriert haben. Da ist immer viel Herzblut hineingeflossen.“

Ein verlässlicher Partner 

Der Umsatz des Unternehmens hat sich von 2002 an immerhin verdreifacht. Inzwischen führt das Unternehmen Bauvorhaben bis zu einer Größe von acht Millionen EUR durch.

„Trotzdem sind wir noch ‘klein’ genug, um sehr wendig auf den Markt reagieren zu können und freuen uns auch über Kleinaufträge von einigen Tausend Euro. Viel wichtiger als das Bauvolumen ist es uns, für wen wir arbeiten“, konstatiert Herr Elett. „Wir interessieren uns nur für Kunden, die langfristig einen festen Partner auf dem Bau suchen. Wir wollen ehrlich mit dem Kunden umgehen und erwarten das auch von diesem. Erst billig anbieten und dann im Nachhinein über teure Nachträge und Behinderungsanzeigen das Geld wieder reinholen ist einfach nicht unser Stil.“

Namhafte Kunden 

Diese Transparenz gepaart mit Flexibilität und Termintreue bei der Umsetzung der Baumaßnahmen sichern der STORCK Ausbaugesellschaft mbH Aufträge von namhaften Kunden aus dem Einzelhandel.

Derzeitiges Prestigeprojekt ist beispielsweise der Umbau mit Erweiterung eines 7.400 m² großen Flagship-Stores einer skandinavischen Textilhandelskette in Hamburg bei laufendem Betrieb. Guido Dreymüller hält fest: „Wir sind mit unseren jetzigen Aufträgen gut ausgelastet, sind aber natürlich auch offen für Kunden, die einen langfristigen Partner für ihre Projekte suchen. Das impliziert auch, dass wir uns bei Bedarf weiter vergrößern.“

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