Tee für und mit Freunden

Interview mit Kai Lembke, Geschäftsführer der stick & lembke GmbH

Kai Lembke gibt zu, dass er gerne einen Spritzer frischen Zitronensaft in Matcha-Tee gibt: „Wer das in Japan hört, würde bei dem Gedanken erschaudern“, lacht er. „Es zeigt aber, dass es keine festen Regeln gibt, wie man Tee genießt. Und wir würden uns nie anmaßen, darauf zu bestehen, dass unsere Art, Tee zu trinken, die richtige Art ist. Dennoch haben wir bei der Gründung des Unternehmens bestimmte Grundsätze herausgearbeitet, die in der Tat nicht verhandelbar sind, und den Slogan ‘diemitohne’ entwickelt, um unseren Ansatz zu beschreiben.“

‘Diemitohne’

Der erste dieser Grundsätze betrifft die ausschließliche Verwendung von Zutaten aus biologischem Anbau zur Herstellung außergewöhnlicher Teesorten, die ganz ohne Aromen oder andere Zusätze auskommen. Mit der Vorgabe, dass stick & lembke Tees im strengen Sinne naturbelassen sein müssen, stellten sich die Gründer der Herausforderung, köstliche Tees ohne die sonst geschmacksverstärkenden Aromen zu kreieren.

„Ich habe nichts gegen mit Aromen oder Ölen aromatisierte Tees, wir haben nur beschlossen, dass sich in unseren Tees die natürlichen Aromen von Früchten, Kräutern und Tee von selbst entfalten sollen“, erklärt Kai Lembke. „Der Verzicht auf Aromen bedeutet auch, dass Sie den Earl Grey Tee nicht in unserem Sortiment finden, obwohl er einer der meistverkauften Teesorte in Deutschland ist. Denn sein Aroma stammt aus einer Aroma-Essenz, die aus der Schale von Bergamotte-Orangen gewonnen wird, die in getrockneter Form keinen Geschmack haben.“ Das heißt nicht, dass es nie einen Earl Grey Tee im Sortiment geben wird, sondern nur, dass er derzeit nicht zu den Grundsätzen des Unternehmens passt.

Echter Genuss dauert

Wie bei den naturbelassenen Tees, die etwas länger ziehen müssen, um ihr volles Aroma zu entfalten, brauchten die Firmengründer Geduld, bis ihr Konzept aufging. Mittlerweile bietet stick & lembke Teeliebhabern ein Sortiment von 39 verschiedenen Kräuter-, Früchte-, Gewürz- und Grüntees sowie japanischem Matcha-Pulver. „Angefangen haben wir mit einem Sortiment von zunächst 17 Teesorten“, erinnert sich Kai Lembke, der wie sein Geschäftspartner und Mitgeschäftsführer Thorsten Stick langjährige Erfahrung in der Teebranche in das gemeinsame Unternehmen einbringt.

Dennoch dauerte es eine Weile, bis sich ihre Arbeit finanziell auszahlte. „Wir brauchten eine beträchtliche Vorabinvestition, um unseren ersten Container voll Bio-Tee zu erhalten, und es dauerte weitere neun Monate, bis wir die erste Rechnung schreiben konnten“, sagt Kai Lembke. „Unsere Bankerin sagte uns, sie könne nicht entscheiden, ob wir verrückt seien oder wüssten, was wir tun.“

Transparente Lieferketten

Rückblickend wird deutlich, dass die beiden Gründer tatsächlich den Finger am Puls der Zeit hatten. Ihr zweiter Grundsatz bestand in der vollständigen Transparenz der Lieferkette. So konnten sie den Tee nicht nur bis zu einem Gebiet, sondern bis zu einem bestimmten Garten zurückverfolgen und den Tee als solchen vermarkten. Sie freuten sich auch darüber, dass die meisten ihrer Lieferanten zu Freunden wurden.

„Wir machen Tee für und mit Freunden“, bestätigt Kai Lembke. „Wir verwenden zum Beispiel Baumwollteebeutel, die u. a. von Freunden in Marrakesch für uns vernäht werden. Diese haben früher auch Kräuterbeutel für die Kosmetikmarke Yves Rocher vernäht. Die Näherinnen durchlaufen eine zweijährige Ausbildung, bevor sie die Beutel nach den hohen Qualitätsstandards nähen können.“

Grünes Superfood

Einer der größten Erfolge des Unternehmens ist sein Matcha-Teepulver. Gerade als der Markt für Matcha zu boomen begann, gingen die Firmengründer mit der für sie typischen Strenge an das Thema heran. „Für uns musste das Produkt bestimmte Kriterien erfüllen, sonst war es eben kein Matcha“, sagt Kai Lembke. „Wir beziehen unseren Bio-Matcha ausschließlich aus Japan, von Teebauern, die sich streng an die traditionellen Methoden halten.“

Die Teepflanzen werden vier Wochen vor der Ernte beschattet. Der Mangel an Sonnenlicht bewirkt, dass sie mehr Chlorophyll produzieren, das für die intensive grüne Farbe und den herben Geschmack verantwortlich ist. „Unser handverlesener Bio Matcha wird nur aus dem Fruchtfleisch hochwertiger Tencha Grünteeblättern hergestellt“, so Kai Lembke weiter. „Der stick lembke Bio Matcha sstammt aus ausgewählten Präfekturen. Unter anderem aus Shizuoka.“

Mit Private Label erfolgreich

Eine weitere frühe Entscheidung der Firmengründer hat sich in den vergangenen Jahren bewährt. „Wir wollten zunächst eine Marke schaffen, standen aber schnell vor der Frage, ob wir auch unter Private Label produzieren sollten“, erklärt Kai Lembke. „Ich war nicht überzeugt, aber mein Partner hat mich umgestimmt. Heute verteilen sich unsere Umsätze auf unsere eigenen Markentees, die in führenden Supermarktketten verkauft werden, und auf Eigenmarkenprodukte.“

Doch nicht jede Entscheidung hat sich im Nachhinein als richtig erwiesen. „Vor zehn Jahren war ich davon überzeugt, dass auch Gemüsetees bei unseren Kunden gut ankommen würden“, erinnert sich Kai Lembke schmunzelnd. „Ich war sicherlich nicht der Einzige, der dachte, sie wären eine leckere Ergänzung des Portfolios, aber die Idee hat sich bei den Verbrauchern nicht durchgesetzt.“

Trendwahrendes Wachstum

Möglicherweise waren sie damit ihrer Zeit zu weit voraus. Andere saisonale Produkte wie kalt aufgebrühte Tees für den Sommer oder Gewürztees für den Winter waren erfolgreicher. „Wir wachsen gegen den Trend. Das lässt uns sehr positiv in die Zukunft blicken“, so Kai Lembke abschließend.

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