„Inzwischen sind wir nicht nur eine Marke, sondern ein Qualitätssiegel!“

Interview mit Roman Kowalew, Senior Brand Manager der DOVGAN GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kowalew, osteuropäische Wochen sind bei den Kunden deutscher Supermärkte und Discounter inzwischen sehr beliebt – worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Roman Kowalew: Neben Asien und der Türkei gehört Osteuropa heute zu den drei stärksten Ethnomärkten. Das hängt bisweilen schlicht mit den demografischen Veränderungen in Deutschland zusammen: Denn auch viele Menschen ohne Migrationshintergrund haben mittlerweile Freunde, Bekannte oder Lebenspartner mit osteuropäischen Wurzeln und damit auch deren Kulinarik ein Stück weit kennengelernt. Gleichzeitig gehen wir Osteuropäer traditionell wenig in Restaurants – das würde bei unseren oftmals größeren Familien und den vielen festlichen Anlässen schnell zu teuer. Wir essen und trinken also gern zu Hause mit Freunden – und dafür decken wir uns im Lebensmitteleinzelhandel ein. Das hat gleichzeitig den Nebeneffekt,

dass osteuropäische Produkte für Menschen ohne Migrationshintergrund ein bisschen exotisch bleiben, schlicht weil es keine vergleichbare Schlagzahl an Res­taurants wie für die italienische, griechische oder orientalische Küche gibt.

Wirtschaftsforum: Ihr Vater hat DOVGAN 1998 gegründet – lange bevor Ethnofood in Deutschland im Trend lag. Wie kam es dazu?

Roman Kowalew: Meine Familie kam 1995 aus Sankt Petersburg nach Deutschland. Meinem Vater fiel dann recht schnell auf, dass es osteuropäische Produkte damals nur in dezidiert osteuropäischen Supermärkten zu kaufen gab. Doch der Kunde möchte eben nicht zweimal einkaufen gehen – einmal in den Discounter für den täglichen Bedarf, und dann noch einmal in einem anderen Geschäft, um sich die Spezialitäten aus seiner Heimatregion zu besorgen. So reifte bei ihm die Idee, osteuropäische Produkte in den regulären Einzelhandel zu bringen. Andere Ethnoprodukte hatten es ja bereits vorgemacht: Zaziki, eigentlich eine griechische Spezialität, gab es damals schon regulär, von deutschen Marken hergestellt, neben Ketchup und Mayonnaise zu kaufen.

Wirtschaftsforum: Nun ist Osteuropa ein großer Kulturraum mit gleichermaßen vielen verschiedenen kulinarischen Traditionen – wie regional muss DOVGAN vor diesem Hintergrund agieren?

Roman Kowalew: Diese starke Regionalität hat für uns weitreichende Konsequenzen, die sich nicht nur in unserem Produktspektrum, sondern auch in einer sehr kleinteiligen Logistik niederschlagen: Das Rhein-Ruhr-Gebiet ist beispielsweise sehr polnisch geprägt, während in Süddeutschland eher ein rumänisch-adriatisches Sortiment dominiert. Typisch russische und ukrainische Produkte sind weitgehend überall in Deutschland gefragt, wobei wir seit vier Jahren überhaupt nichts mehr aus Russland importieren, während in den neuen Bundesländern vor allem Nostalgieprodukte wie Borschtsch oder Soljanka beliebt sind. Diese Erkenntnis war für unser Unternehmen ein zentraler Wachstumstreiber: Denn so können wir den regionalen Einzelhandel punktgenau mit Produkten bespielen, die so vor Ort auch eine hohe Nachfrage erfahren.

Wirtschaftsforum: Dazu müssen Sie zwangsläufig auf eine komplexe Logistik setzen.

Roman Kowalew: Wir beschäftigen knapp 50 Mitarbeiter im Außendienst, die unsere Einzelhandelspartner über das klassische Streckengeschäft direkt vor Ort betreuen, sodass wir eben nicht allein auf eine Belieferung über das Zentrallager setzen. Auch Nachhaltigkeit ist schon länger ein wichtiges Ziel von uns: Derzeit arbeiten wir daran, unser Tiefkühllager in Rostock CO2-neutral zu machen – unser neues Lager in Harburg konnte diesem Anspruch von Anfang an gerecht werden.

Wirtschaftsforum: Wofür möchte DOVGAN heute und in der Zukunft stehen?

Roman Kowalew: Wir werden weiterhin unsere Partner im Lebensmitteleinzelhandel dabei unterstützen, authentische osteuropäische Lebensmittel und Topmarken anzubieten, für die die Endverbraucher auch bereit sind, den einen oder anderen Cent mehr zu bezahlen, einfach weil die Qualität stimmt: ein Ansatz, der uns natürlich auch vor besonders harten Preiskämpfen schützt. DOVGAN ist damit gewissermaßen zu einem Qualitätssiegel in unserer Nische avanciert – und Produkte, die wir selbst herstellen, wie unsere Teigtaschen oder unsere Eiscrememarke Plombir, erfreuen sich mittlerweile besonderer Beliebtheit, was uns sehr freut. Gleichzeitig verschieben sich unsere Zielgruppensegmente natürlich weiter: Die 2. und 3. Einwanderergeneration hat vielleicht schon zwei Bundeskanzler gewählt, wünscht sich aber trotzdem das Nostalgiegefühl, das sie mit osteuropäischen Produkten ihrer Kindheit verbindet. Darauf wollen wir aufbauen. Gerade die allerjüngste Zielgruppe binden wir über unser Kids-for-Kids-Projekt weitreichend in unsere Innovationen ein und lassen sie selbst Produkte für DOVGAN Junior entwickeln. Daraus entstand ein tolles Sortiment von Bubblegum bis Zuckerwatte, das es bereits in die Regale geschafft hat. Auch außerhalb Deutschlands können wir uns weiteres Wachstum vorstellen, denn andere Länder haben ähnliche demografische Strukturen, für die unser Konzept sehr attraktiv sein dürfte.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Vom Familienbetrieb zur  Industriegruppe: Schornsteintechnik im strategischen Aufbruch

Interview mit Antonio ­Cervino, Geschäftsführer der Steegmüller Kaminoflex GmbH

Vom Familienbetrieb zur Industriegruppe: Schornsteintechnik im strategischen Aufbruch

Volatile Energiemärkte, politische Unsicherheiten und steigende Qualitätsanforderungen prägen die Schornsteinbranche. Die Steegmüller Kaminoflex GmbH steht für Systemkompetenz und Fertigungstiefe. Mit der Integration in die italienische EXPO Inox Gruppe beginnt ein…

„Wer nach EtherCAT sucht, findet uns“

Interview mit Thomas Waggershauser, Geschäftsführer der acontis technologies GmbH

„Wer nach EtherCAT sucht, findet uns“

Ihre Lösungen kommen beim Start der Ariane 6 genauso zur Anwendung wie im Automotive-Segment oder in der Halbleiterindustrie. Trotzdem dürften nur Brancheninsider jemals von acontis technologies gehört haben. Dem Erfolg…

Auf dem Weg zur Nummer 1 auf dem Eis

Interview mit Markus Profanter, CEO der engo GmbH

Auf dem Weg zur Nummer 1 auf dem Eis

Eisarenen sind längst hochkomplexe Infrastrukturen, in denen Betriebssicherheit, Energieeffizienz und Nutzererlebnis eng zusammenhängen. Wer hier bestehen will, muss weit mehr liefern als robuste Maschinen. Die engo GmbH mit Sitz in…

Spannendes aus der Region Hamburg

Natürlich stark: Nahrungsergänzung für echte Power

Interview mit Dr. Annette Horváth, Geschäftsführerin der WELL PLUS TRADE GmbH

Natürlich stark: Nahrungsergänzung für echte Power

Proteinriegel sind aus der Fitness- und Ernährungswelt nicht mehr wegzudenken. Was einst als Nischenprodukt für Bodybuilder galt, hat sich mittlerweile zu einem beliebten Snack für Fitness-Enthusiasten aller Art entwickelt. Diese…

Café-Kultur trifft Backstube

Interview mit Gürol Gür, Geschäftsführer der Schanzenbäckerei GmbH

Café-Kultur trifft Backstube

Das Bäckerhandwerk steht unter hohem Veränderungsdruck: Hohe Energie- und Rohstoffkosten, steigende Löhne, Ansprüche an Sortiment und Service sowie der Fachkräftemangel zwingen Betriebe dazu, ihre Strukturen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig bleibt der…

Das einfache (und doch nicht triviale) Produktivitätstool

Interview mit PD Dr. Peter Kuhlang, Geschäftsführer der MTM SOLUTIONS GmbH

Das einfache (und doch nicht triviale) Produktivitätstool

Das MTM-Verfahren, das auf der zentralen Größe Leistung, also Arbeit pro Zeiteinheit basiert, findet in der Industrie weite Verbreitung. Seine Umsetzung ist im Detail jedoch nicht trivial. Die MTM SOLUTIONS…

Das könnte Sie auch interessieren

Die Formel für flüssigen Erfolg

Interview mit Guido Kühne, Geschäftsführer der Refresco Deutschland GmbH

Die Formel für flüssigen Erfolg

Der deutsche Getränkemarkt gilt als anspruchsvoll: hoher Kostendruck, steigende Anforderungen an Effizienz und Nachhaltigkeit, zugleich ein intensiver Wettbewerb. Dass sich in diesem Umfeld dennoch Wachstum erzielen lässt, zeigt die Refresco…

Handwerk trifft auf ­Geschmack

Interview mit Markus Ponholzer, Geschäftsführer der MAPO TOPMEAT GmbH

Handwerk trifft auf ­Geschmack

In den letzten Jahren haben sich die Ansprüche der Verbraucher an gutes Fleisch deutlich verändert. Während früher vor allem der Preis im Vordergrund stand, rücken heute Aspekte wie Herkunft, Tierwohl,…

Die Windschutzscheibe als Schlüssel moderner Fahrzeugtechnologie

Interview mit Christian Baum, Geschäftsführer der Saint-Gobain Sekurit Service Deutschland GmbH

Die Windschutzscheibe als Schlüssel moderner Fahrzeugtechnologie

Steinschläge gehören zu den häufigsten Fahrzeugschäden, doch moderne Assistenzsysteme machen den Austausch von Autoglas zunehmend komplex. Die Saint-Gobain Sekurit Service Deutschland GmbH unterstützt Werkstätten im Ersatzteilmarkt mit Produkten, digitalen Lösungen…

TOP