Klarer Kurs und Transformation in der Sportmode

Interview mit Marco Hoffmeyer, Geschäftsführer der Scoretex GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hoffmeyer­, wie blicken Sie auf Scoretex seit Ihrem Start im März?

Marco Hoffmeyer: Scoretex mit Sitz in Ottensoos bei Nürnberg wurde durch die Melchers Gruppe aus zwei Unternehmen – Joy und Venice Beach – zu einer gemeinsamen Plattform unter dem Namen Home of Brands verschmolzen. Die Marken sind stark, der Markt glaubt an unsere Produkte, doch die Strukturen konnten dieses Potenzial wirtschaftlich nicht heben: Dass die Umsätze stiegen, die Profitabilität aber zurückging, zeigte deutlich, dass die internen Strukturen dem Markterfolg nicht folgten. Genau hier setzte meine Neuausrichtung des Unternehmens an.

Wirtschaftsforum: Welche Hebel waren für die Neuausrichtung entscheidend?

Marco Hoffmeyer: Wir mussten die Wertschöpfungskette neu ordnen, Rollen klar trennen und Verantwortlichkeiten schärfen. Einzelne Bereiche liefen gut, aber nicht im Zusammenspiel. Gleichzeitig wollten wir Strukturkosten vermeiden und Leistungen dorthin geben, wo sie spezialisierter und effizienter erbracht werden. Die Melchers Gruppe bietet uns dafür die nötige finanzielle Stabilität und kurze Entscheidungswege.

Wirtschaftsforum: Die Supply Chain war ein Schwerpunkt. Wie haben Sie sie umgebaut?

Marco Hoffmeyer: Über 60% der Lieferungen kamen verspätet an – mit Penalties, Abschriften und unzufriedenen Händlern. Mit SupplyX, der früheren Otto Group Logistics, haben wir garantierte Lieferzeiten und langfristig fixe Frachtraten etabliert und sparen rund 30% Kosten. Der eigentliche Quantensprung ist aber die KI-gestützte Plattform, die jeden Schritt der Lieferkette in Echtzeit transparent macht. Das hat unsere gesamte Logistik auf ein neues Niveau gehoben.

Wirtschaftsforum: Was wurde organisatorisch verändert?

Marco Hoffmeyer: Einkauf und Produktentwicklung wurden erstmals getrennt – vorher lag beides in einer Hand. Gleichzeitig haben wir operative Einkaufsprozesse ausgelagert. Heute steuern nur wenige Einkäufer das gesamte Volumen, ohne neue Fixkosten aufzubauen. Das erhöht die Geschwindigkeit und schafft eine klare Trennung zwischen kreativen und wirtschaftlichen Entscheidungen.

Wirtschaftsforum: Wie haben Sie das Team durch die Veränderung geführt?

Marco Hoffmeyer: Wir sind 57 Mitarbeitende, die ein zu hohes Maß an Komplexität bewegen. Zu Beginn habe ich alle gefragt, wo sie die Pain Points sehen – viele Lösungen kamen aus dem Team selbst. Wir arbeiten weniger hierarchisch, stärker rollenbasiert, und das schafft Akzeptanz und Motivation. Die Veränderungsbereitschaft war von Anfang an da, was den Umbau enorm erleichtert hat.

Wirtschaftsforum: Was hat sich im Vertrieb geändert?

Marco Hoffmeyer: Wir haben unsere Konditionenlogik auf strategische Weiterentwicklung ausgerichtet: Sichtbarkeit, Flächenpräsenz und partnerschaftliches Wachstum stehen im Mittelpunkt. Parallel haben wir unser Onlinemarketing modularisiert – statt fester Vergütungen ohne Zielbezug beauftragen wir modularisiert nur die Leistungen, die wir tatsächlich benötigen. Das hält uns flexibel und verhindert Kosten, die in einem volatilen Markt schnell ins Leere laufen.

Wirtschaftsforum: Wie ist Scoretex heute mit seinen Marken aufgestellt?

Marco Hoffmeyer: Joy, Venice Beach, Hot und Canyon decken funktionale und dekorative Sportsegmente über mehrere Altersgruppen ab. Venice Beach ist zudem eine deutsche Heritage-Marke mit spürbarem Auslandspotenzial. Ergänzt wird das Portfolio durch die Stryve GmbH mit Fitnessprodukten. Wir bewegen uns damit bewusst in einem Marktsegment, in dem es vergleichsweise weniger Wettbewerb gibt – das erklärt auch unsere stabile Nachfrage und unser Wachstum. Die zugrunde liegende Plattform ‘Home of Brands’ ermöglicht uns, alle Marken effizient zu führen.

Wirtschaftsforum: Wie entwickelt sich Scoretex – und wohin führt der Weg?

Marco Hoffmeyer: Trotz eines rückläufigen Marktumfelds halten wir unsere zweistelligen Wachstumsraten. Heute liegt unser Schwerpunkt klar in Deutschland, ergänzt durch Österreich, die Schweiz und Belgien. Parallel wollen wir international stärker werden. Gleichzeitig müssen wir den Onlinebereich deutlich professioneller aufbauen, hier liegt großes Potenzial. Langfristig streben wir eine marktübliche operative Gewinnmarge an.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?

Marco Hoffmeyer: Mich reizt es, Potenziale sichtbar zu machen und Unternehmen strukturell neu auszurichten. Das begleitet mich seit meinem ersten Restrukturierungsprojekt. Scoretex bietet dafür perfekte Voraussetzungen: starke Marken, ein motiviertes Team und die Chance, auf einer soliden Basis ein profitables, international relevantes Unternehmen zu formen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Verantwortung übernehmen, Zukunft gestalten

Interview mit Ina Klassen, Geschäftsführerin der FRIWO Gerätebau GmbH

Verantwortung übernehmen, Zukunft gestalten

Die FRIWO Gerätebau GmbH aus Ostbevern bei Münster stellt seit vielen Jahrzehnten Stromversorgungs- und Ladelösungen für verschiedenste Industriezweige her – von Medical bis E-Mobility. Wie sich das Unternehmen auch in…

Eine Sprache für die vernetzte Welt

Interview mit Sebastian Hilscher, CEO der Hilscher Gesellschaft für Systemautomation mbH

Eine Sprache für die vernetzte Welt

Maschinen reden nicht, sie kommunizieren. Und zwar rund um die Uhr, in Sekunden und über unterschiedliche Netzwerke hinweg. Damit das zuverlässig funktioniert, setzt die Industrie auf leistungsfähige Kommunikationstechnologien. Markführer auf…

60 Jahre Engineering – und der Blick nach vorn

Interview mit Attila Krenn, Betriebsleiter Deutschland und Stephan Völk, Personalleiter der HLS SACHA GmbH

60 Jahre Engineering – und der Blick nach vorn

Seit sechs Jahrzehnten begleitet HLS SACHA die industrielle Automatisierung – von den ersten Konstruktionen am Reißbrett bis zur digital geplanten Roboteranlage. Heute befindet sich das Unternehmen selbst mitten in einer…

Spannendes aus der Region Landkreis Nürnberger Land

Mit Lichtgeschwindigkeit durch den Wandel

Interview mit Benjamin Penderock, Geschäftsführer der DOTLUX GmbH

Mit Lichtgeschwindigkeit durch den Wandel

Die großen Effizienzsprünge im LED-Markt werden kleiner. Gefragt sind heute vor allem Lichtlösungen, die sich vernetzen, intelligent steuern und flexibel in bestehende Gebäude integrieren lassen. Gleichzeitig setzt die schwache Baukonjunktur…

Mit KI auf dem Prüfstand

Interview mit Dr. Christian Artmann, CEO der ibg Prüfcomputer GmbH

Mit KI auf dem Prüfstand

Die ibg Prüfcomputer GmbH zählt zu den Technologieführern in der Wirbelstromprüfung. Das Unternehmen entwickelt Systeme zur zerstörungsfreien Materialprüfung und ist weltweit in einer hoch spezialisierten Nische aktiv. Im Gespräch erläutert…

Das könnte Sie auch interessieren

Exzellenz statt Masse

Interview mit Piero Giachi, Präsident der Jackytex – Industria Tessile Della Maglia S.p.A

Exzellenz statt Masse

Mode lebt von Ideen, doch es beginnt lange vor dem fertigen Kleidungsstück – beim Material. In der Textilindustrie wird es dabei immer wichtiger, Qualität und Handwerk mit verantwortungsvoller Produktion zu…

Chemie, die mehr können muss

Interview mit Roberto Camera Magni, Gesellschafter und CEO der Nearchimica S.r.l.

Chemie, die mehr können muss

Seit 1979 entwickelt die Nearchimica S.r.l. chemische Lösungen für die Textilindustrie. Das Unternehmen aus Legnano begleitet seine Kunden nicht nur mit Produkten, sondern auch mit anwendungstechnischem Know-how. Roberto Camera Magni,…

Maßangefertigte Premium-Teppiche für die ganze Welt

Interview mit Thomas Paulig, Geschäftsführer und Theresa Paulig, Geschäftsführerin der Paulig Teppichweberei GmbH

Maßangefertigte Premium-Teppiche für die ganze Welt

Wer an individuell angefertigte Premium-Teppiche denkt, dem soll zuerst der Name Paulig einfallen. Dank einer fast 300 Jahre währenden Unternehmenstradition ist das im deutschsprachigen Raum schon vielfach der Fall: Nun…

TOP