Präzision unter Druck: Wie Wartung zum Wettbewerbsvorteil wird

Interview mit Mirko Ruhwedel, Geschäftsführer und Lothar Sommer, Geschäftsführer der RUN-TEC GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Ruhwedel, RUN-TEC ist noch ein vergleichsweise junges Unternehmen. Wie hat alles begonnen?

Mirko Ruhwedel: Mein beruflicher Hintergrund liegt klar in der Technik. Ich habe viele Jahre in der Instandhaltung und speziell im Bereich Werkzeugspindeln gearbeitet. Ende 2017 habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt – ganz klassisch aus der Garage heraus, mit wenig Kapital, aber viel Erfahrung. Dass daraus einmal ein Unternehmen mit rund 70 Mitarbeitern werden würde, war so nicht geplant.

Wirtschaftsforum: Was war der entscheidende Wachstumstreiber in den ersten Jahren?

Mirko Ruhwedel: Einerseits der Markt. Spindeln fallen aus – unabhängig von Konjunkturzyklen. Gerade in wirtschaftlich schwächeren Phasen werden Maschinen länger genutzt statt neu angeschafft. Reparatur und Aftersales gewinnen dann massiv an Bedeutung. Andererseits war 2021 der Einstieg von DMG MORI, dem Weltmarktführer im Bereich CNC-Maschinenbau, ein entscheidender Meilenstein. In diesem Zuge kam auch Geschäftsführer Lothar Sommer zum Unternehmen. Corona hat uns nicht gebremst, im Gegenteil: Wir sind in dieser Zeit stark gewachsen, insbesondere im industriellen Aftersales-Instandhaltungsumfeld, heute auch weltweit.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen von der Spindel als dem ‘Herzstück der Maschine’. Warum ist gerade die Spindel so wichtig?

Mirko Ruhwedel: Ohne Spindel produziert keine Werkzeugmaschine. Man kann sich das wie den Motor eines Autos vorstellen. Technisch ist die Spindel eines der anspruchsvollsten Bauteile im Maschinenbau – hohe Drehzahlen, extreme Präzision, thermische Belastung, mechanische Kräfte. Die Reparatur ist echte Königsklasse und erfordert enormes Know-how sowie langjährige praktische Erfahrung.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet RUN-TEC von anderen Reparaturbetrieben?

Mirko Ruhwedel: Unser Anspruch war von Anfang an: Der Kunde soll seine reparierte Spindel zurückbekommen und das Gefühl haben, eine neue zu erhalten. Technische Qualität allein reicht nicht – Prozesse, Dokumentation, Logistik und Kommunikation müssen genauso stimmen, auf konstant hohem Niveau.

Wirtschaftsforum: Ein wichtiger Schritt war der Einstieg eines strategischen Partners.

Mirko Ruhwedel: Richtig. Seit 2021 ist DMG MORI als Gesellschafter an Bord. Das hat uns technologisch wie organisatorisch enorm vo­rangebracht. Wir reparieren heute sowohl für eigene Kunden als auch große Teile des Spindelreparaturvolumens von DMG MORI. 

Wirtschaftsforum: RUN-TEC ist stark gewachsen. Wie verändert das Ihre eigene Rolle als Geschäftsführer?

Mirko Ruhwedel: Der Schritt von der Werkbank an den Schreibtisch war für mich persönlich nicht einfach. Ich habe mein Leben lang technisch gearbeitet. Heute bin ich stärker strategisch unterwegs, im Kundenkontakt und in der Unternehmensentwicklung. Loslassen zu lernen und Verantwortung zu delegieren, war ein Prozess – aber ein notwendiger.

Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie mit dem Fachkräftemangel um?

Mirko Ruhwedel: Es gibt keinen Ausbildungsberuf ‘Spindelbauer’. Alle sind Quereinsteiger. Bis jemand wirklich selbstständig arbeiten kann, vergehen mindestens zwei Jahre, oft deutlich mehr. Deshalb investieren wir stark in Ausbildung, Bindung und digitale Unterstützung.

Wirtschaftsforum: Digitalisierung in einem handwerklich geprägten Umfeld – passt das zusammen?

Mirko Ruhwedel: Absolut. Wir haben mehrere tausend Stunden in die Digitalisierung unserer Prozesse investiert. Jeder Mitarbeiter arbeitet mit digitalen Arbeitsanweisungen auf Tablets. Das spart Zeit, reduziert Fehler und hilft neuen Kollegen enorm. Aber: Digitalisierung soll unterstützen, nicht Menschen ersetzen. 

Wirtschaftsforum: Ihre Kunden erwarten extrem kurze Durchlaufzeiten. Wie realistisch ist das?

Mirko Ruhwedel: Der Wunsch ist oft ‘heute raus, morgen rein’. Das geht nicht immer. Unsere Standarddurchlaufzeit liegt bei zwei bis drei Wochen, Expressreparaturen bei etwa einer Woche. Möglich wird das durch eine sehr hohe Fertigungstiefe von rund 98% im eigenen Haus. 

Wirtschaftsforum: RUN-TEC ist international aktiv. Wie wichtig ist das Auslandsgeschäft?

Mirko Ruhwedel: Rund 30% unseres Umsatzes kommen aus dem Export, vor allem aus Europa und den USA. Wir haben eigene Fahrer in Europa und eingespielte Door-to-Door-Logistik für Übersee. Das ist für unsere Kunden entscheidend. 

Wirtschaftsforum: Wie sehen Ihre nächsten strategischen Schritte aus?

Mirko Ruhwedel: Wir investieren weiter gegen den Strom – in neue Maschinen, neue Technologien und erstmals auch in eigene Produktentwicklungen für die Antriebstechnik. Damit schaffen wir eine dritte Säule neben Reparatur und Service und machen uns langfristig noch robuster.

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