Für die Kunden die Extrameile

Interview mit Dr. Silke Huster, Geschäftsführerin der Rottendorf Pharma GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Dr. Huster, immer mehr Pharmaunternehmen entscheiden sich für eine Contract Development und Manufacturing Organisation, um Produktions- und Logistikkosten zu sparen. Was bietet Rottendorf Pharma diesen Kunden?

Dr. Silke Huster: Die Technologien zur Herstellung sind in unserer Industrie letztendlich generisch und damit austauschbar, was es schwierig macht, sich mit der Produktion abzusetzen. Deshalb spielt der Service für uns eine zentrale Rolle. Wir fokussieren uns ganz klar auf das Total Process Ownership TPO und damit auf alle Prozesse von der Entwicklung über die Produktion bis zur Verpackung. Bei jeder Aufgabe nehmen wir die Perspektive des Kunden ein; allein das Erfüllen einer Aufgabe reicht nicht, wir denken mit und voraus, gehen für die Kunden die so genannte Extrameile. Kunden schätzen diesen Fullservice. Hinzu kommen unsere fachliche Kompetenz und Erfahrung in Sachen Herstellung und Entwicklung. Diese Kombination aus Service und Kompetenz ist unser großer Wettbewerbsvorteil.

Wirtschaftsforum: Rottendorf wurde 1928 von Andreas Rottendorf gegründet und ist seit 1949 in Ennigerloh ansässig. Wie ist das Unternehmen heute aufgestellt?

Dr. Silke Huster: Nach dem Tod des Firmengründers wurde Rottendorf neu strukturiert. Die Anteile wurden in eine Stiftung gegeben. Durch diesen Stiftungshintergrund und damit verbunden der Erfüllung des Stifterwillens steht die Existenz und Weiterentwicklung des Unternehmens klar im Vordergrund, persönliche Interessen rücken in den Hintergrund. Rottendorf profitiert so von einer Stabilität, die in einer von Merger & Aquisistions geprägten Branche sehr wichtig ist.

Wirtschaftsforum: Hat sich damit auch das Portfolio verändert?

Dr. Silke Huster: Rottendorf war lange Zeit ein lokaler Hersteller von Generika. Heute machen patentgeschützte Produkte neben Generika und OTC-Produkten den größten Teil aus. Unsere Kunden kommen zu 60% aus Deutschland und Europa, zu 40% aus den USA. In den letzten zehn Jahren hat sich vieles verändert. Mit dem Eintritt auf den US-Markt, wo wir eine Vertriebstochter haben, sind wir ein global agierendes Unternehmen geworden.

Wirtschaftsforum: Ein globales Unternehmen mit lokalen Wurzeln?

Dr. Silke Huster: Auf jeden Fall. In Ennigerloh sind 1.200 Mitarbeiter tätig; das ist eine ganz bewusste Entscheidung für den Standort. Wir wollen kurze Wege, wollen, dass Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen in Kontakt sind und sich austauschen. Weil wir in den vergangenen Jahren stark gewachsen sind und erwarten, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird, haben wir ein Grundstück im benachbarten Oelde gekauft, um expandieren zu können.

Wirtschaftsforum: Der enge Austausch ist ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur. Gibt es weitere Charakteristika?

Dr. Silke Huster: Wir verstehen uns aufgrund der besonderen Struktur als eine große Familie. Gewinne werden zum Wohl der Mitarbeiter konsequent reinvestiert. Ein respektvoller Umgang, Loyalität, das Teilen von Informationen und ein altruistischer Ansatz sind elementare Eckpfeiler unserer Kultur. Zudem legen wir großen Wert auf die eigene Entwicklung der Mitarbeiter. Um bei Rottendorf eine bestimmte Position zu besetzen, ist nicht zwangsläufig der Schulabschluss entscheidend. Wichtiger ist, was die Person kann und was sie mitbringt. Dann stehen alle Türen offen.

Wirtschaftsforum: Sie selbst sind Chemikerin. Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit und wo sehen Sie Rottendorf in Zukunft?

Dr. Silke Huster: Ich kann gestalten und mitwirken und habe ein Team, das eine echte Traumkonstellation ist. Gemeinsam arbeiten wir an dem Ziel, aus der Straße, auf der wir vor zehn Jahren abgebogen sind, eine Prachtallee zu machen.

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