Interview mit Erik Podzuweit, Gründer und Geschäftsführer von Scalable Capital

Robo Advisor werden provisionsgetriebene Bankberatung ablösen

In Zeiten von niedrigen Zinsen und hohen Bankgebühren sind viele Anleger verunsichert. Wie lege ich am besten mein Geld an und wo? Antworten auf diese Fragen liefert Erik Podzuweit mit seinem Münchner Fintech Scalable Capital. Der Anspruch? Deutschlands bester Online-Vermögensverwalter zu sein! Mit einer eigens entwickelten Risikomanagement-Technologie gibt das Fintech Privatanlegern erstmals Zugang zu einer risikobasierten Anlagestrategie. Wie Scalable Capital dadurch die Geldanlage revolutionieren und zugleich das Ende der provisionsgetriebenen Bankberatung einläuten will, verrät der CEO im Gespräch mit Wirtschaftsforum.

Wirtschaftsforum: Herr Podzuweit, warum sollte ich mein Geld dem Robo Advisor von Scalable anvertrauen?

Erik Podzuweit: Wir bieten Ihnen ein Rundum-Sorglos-Paket für Ihre Geldanlage. Für Sie bedeutet das: weniger Stress, mehr Transparenz und langfristiger Vermögensaufbau. Als BaFin-regulierter Finanzdienstleister dürfen wir sämtliche Investmententscheidungen in Ihrem Sinne treffen:

Erstens stellen wir sicher, dass Sie stets die besten ETFs in ihrem Portfolio halten. Dafür analysieren wir permanent das gesamte, für Privatanleger zugängliche ETF-Universum. Finden wir einen ETF, der preiswerter, liquider oder steuerlich günstiger ist als der ETF in Ihrem Portfolio, tauschen wir ihn aus.

Zweitens sorgen wir dafür, dass Sie zu jedem Zeitpunkt wissen, was für Sie auf dem Spiel steht. Wir bieten keine standardisierten Portfoliovarianten mit schwammigen Risiko-Begriffen wie „chancenorientiert“ oder „konservativ“. Bei uns ist jedem Portfolio ein Risiko in Form einer konkreten Zahl zugeordnet. Mit unserer eigens entwickelten Risikomanagement-Technologie halten wir das Risiko in Ihrem Portfolio konstant und optimieren auf diese Weise auch ihre risikoadjustierte Rendite.

Drittens bieten wir Ihnen volle Transparenz zu jeder Zeit und von überall. Die Kontoeröffnung, die Performance, die aktuelle Portfoliozusammensetzung oder eine Auflistung aller Gebühren – bei Scalable Capital ist alles online und per App durchführ- beziehungsweise einsehbar.

Und zu guter Letzt sind wir wesentlich günstiger als aktiv gemanagte Fonds: Da wir ausschließlich in kosteneffiziente ETFs investieren und alle Prozesse konsequent automatisiert haben, können wir unseren Service für nur 0,75% per annum anbieten – ohne versteckte Kosten oder Provisionen.

„Die meisten Anleger haben eine Schmerzgrenze nach unten, aber kein Renditelimit nach oben.“

Erik Podzuweit
Gründer und Geschäftsführer von Scalable Capital

Wirtschaftsforum: Geldanlage beschäftigt Privatpersonen und Unternehmer zugleich, an wen richtet sich Ihr Produkt?

Erik Podzuweit: Unser Fokus lag bisher auf dem B2C-Bereich. Es war uns wichtig, zunächst eine werthaltige Kundenbasis an Privatanlegern aufzubauen. Das ist uns gelungen. Nur 18 Monate nach unserem Marktstart verwalten wir 300 Millionen EUR von über 7.000 Privatanlegern. Im zweiten Schritt expandieren wir nun verstärkt in den B2B-Bereich. Siemens Private Finance empfiehlt uns bereits für den privaten Vermögensaufbau an alle Siemens-Mitarbeiter und ihre Angehörigen. Mit BlackRock haben wir zudem seit unserer jüngsten Finanzierungsrunde in Höhe von 30 Millionen Euro einen Partner an Bord, der uns im B2B-Bereich viele Türen öffnen kann. Denn immer mehr Finanzinstitute und Unternehmen suchen nach technologiebasierten Investmentlösungen für ihre Geschäfts- und Privatkunden oder für ihre Angestellten.

„Ich bin davon überzeugt, dass Robo Advisor die provisionsgetriebene Bankberatung mittelfristig größtenteils ablösen werden.“

Erik Podzuweit
Gründer und Geschäftsführer von Scalable Capital

Wirtschaftsforum: Eine gute Rendite ist eine Sache. Vorbehalte gibt es bei vielen Menschen in Sachen Sicherheit. Wie begegnen Sie diesen?

Erik Podzuweit: Damit haben Sie absolut Recht. Die meisten Anleger haben eine Schmerzgrenze nach unten, aber kein Renditelimit nach oben. Deshalb verfolgen wir eine risikobasierte Anlagestrategie. Heftige Kursturbulenzen sollen so abgemildert und der Kunde damit vor emotionalen Fehlentscheidungen wie Panikverkäufen geschützt werden.

Wirtschaftsforum: Blicken wir in die Zukunft. Wo sehen Sie den Fintech-Markt in zehn Jahren?

Erik Podzuweit: Fintechs sind bereits heute nicht mehr aus der Finanzwelt wegzudenken. Viele Services, die früher ausschließlich von großen Finanzhäusern angeboten werden konnten, werden durch digitale Anbieter transparenter, günstiger und professioneller. Das gilt auch für die Geldanlage. Ich bin davon überzeugt, dass Robo Advisor die provisionsgetriebene Bankberatung mittelfristig größtenteils ablösen werden. Zum einen erhöht das Niedrigzinsumfeld die Sensibilität für Kosten. Zum anderen wächst das generelle Verständnis für die Vorteile von Technologie, gerade, was die effiziente Auswertung großer Datenmengen angeht, was ja gerade bei Kapitalmarktanlagen von großer Bedeutung ist.

„Man darf auf keinen Fall den Fehler machen, jedem gefallen zu wollen.“

Erik Podzuweit
Gründer und Geschäftsführer von Scalable Capital

Wirtschaftsforum: Was ist für Sie die wichtigste Tugend für die Gründung eines Start-ups?

Erik Podzuweit: Eine Mischung aus Kritikfähigkeit und Durchsetzungskraft. Als Gründer sollte man Kritik ernst nehmen und sich in vielen Dingen beraten lassen. Gleichzeitig darf man sich in wichtigen Punkten niemals von der eigenen Spur abbringen lassen. Man darf auf keinen Fall den Fehler machen, jedem gefallen zu wollen. Jedes gute Produkt muss erst einmal messerscharf für eine ganz bestimmte Zielgruppe entwickelt werden. Wenn man die Early Adopter erreicht und überzeugt hat, kann man es in die Breite tragen. Die sind nämlich stets die besten Botschafter für ein innovatives Angebot.

Interview: Sarah Urquhart


Scalable Capital Vermögensverwaltung GmbH
Prinzregentenstr. 48
80538 München

T: +49 89 380 380 67
https://de.scalable.capital

3 Fragen? 3 Antworten.

Erik Podzuweit, Gründer und Geschäftsführer von Scalable Capital, äußerte sich im Rahmen der Panel Diskussion „Die Digitale Revolution“ auf der 23. Handelsblatt Jahrestagung „Banken im Umbruch“ in Frankfurt am Main.

Wirtschaftsforum war vor Ort und hat drei zentrale Fragen samt den Antworten von Erik Podzuweit zusammengefasst.

Handelsblatt: Herr Podzuweit, braucht man in der Banken- beziehungsweise in der Finanzbranche, wo viel über Algorithmen geschieht, überhaupt noch so viele Personen?

Erik Podzuweit: Ich glaube, dass der Anteil der Bevölkerung, der jetzt in der Finanzdienstleistung arbeitet, zurückgehen wird. Man kann jetzt Beispiele nehmen. Ich glaube weniger als 1% der Deutschen arbeitet in der Landwirtschaft heutzutage und vor hundert Jahren waren es deutlich mehr. Ob es solche krassen Auswirkungen haben wird, das weiß ich noch nicht. Aber es wird zurückgehen und das meine ich jetzt gar nicht hämisch. Der Mensch wird trotzdem in den Finanzinstituten gebraucht werden. Aber sehr viele Abläufe, die werden heutzutage manuell gemacht und alles was manuell gemacht werden muss ist, ist überflüssig. Alles was ich automatisieren kann, was ich algorithmisieren kann, das wird automatisiert. Deswegen wird das [die Beschäftigung] schon zurückgehen. Ob das jetzt 50, 60 oder 70% Rückgang ist, das weiß ich nicht, aber 50% werden es schon sein in den nächsten fünf bis zehn Jahren.

Handelsblatt: Werden Fintechs wie Ihres in Zukunft mit sehr vielen Banken zusammenarbeiten oder wird es irgendwann auch Fusionen geben? In welche Richtung wird das gehen?

Erik Podzuweit: Wir fahren eine Strategie mit der wir zum einen selber Endkunden ansprechen in unserem eigenen B2C-Geschäft. Aber wir kooperieren schon mit Banken und mit anderen Finanzinstituten. Wir bieten da auch White-Label-Lösungen an, […] um da im B2B-Bereich voranzuschreiten.

Handelsblatt: In Deutschland verwaltet die Branche der Robo-Advisor insgesamt 800 Millionen USD. In den USA hat allein Betterment 10 Milliarden USD „under managment“. Haben die deutschen Robo-Advisor nicht die richtigen Produkte am Markt?

Erik Podzuweit: Der Markt hier ist sehr viel jünger. Betterment ist sechs, sieben Jahre alt. Als wir vor drei Jahren angefangen haben, Fundraising zu machen, kannte kein Mensch in Deutschland Robo-Advise. Die Banken kannten es nicht, mit denen wir gesprochen haben. Das ist also ein etwas neueres Thema. Und der zweite Grund ist einfach, dass der der US-Markt größer ist. Die Leute sind kapitalmarktaffiner. Ich glaube aber das Deutschland in Europa, das sehen wir zumindest an unserem eigenen Wachstum, deutlich stärker zunimmt. Unser Deutschlandgeschäft ist größer als das in Großbritannien, obwohl in Großbritannien eigentlich Kapitalanlage für Privatinvestoren einen sehr viel höheren Stellenwert einnimmt. Das wird sich in den nächsten Jahren stark drehen. Aber die USA wird man in diesem Bereich nie überholen. Ich meine, die Kapitalanlage in den USA ist doppelt so groß wie der gesamte europäische Markt. Die sind einfach ein größeres Schiff dort drüben.

Foto: Euroforum

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