Proteine, Prozesse, Partnerschaft
Interview mit Georg Wienker, Geschäftsführer der Nöll & Co. GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Wienker, wofür steht die Nöll & Co. GmbH heute?
Georg Wienker: Für Verlässlichkeit und Pragmatismus in einem Markt, in dem sich Bedarfslagen schnell ändern. Unsere Kunden wollen planbar produzieren – und dafür brauchen sie Partner, die Qualität konstant liefern, Spezifikationen sauber dokumentieren und bei Terminen keine Überraschungen produzieren. Genau darauf richten wir unser tägliches Handeln aus: klare Prozesse, kurze Wege und ein Team, das Verantwortung übernimmt.
Wirtschaftsforum: Nöll ist ein Traditionsunternehmen. Welche Rolle spielt die Historie?
Georg Wienker: Nöll wurde 1948 gegründet. Diese Erfahrung prägt uns: Wir kennen die Anforderungen der Milchwirtschaft und der weiterverarbeitenden Industrie sehr genau. Gleichzeitig entwickeln wir uns konsequent weiter – vom Sortiment bis zur Organisation – weil Kundenanforderungen heute deutlich komplexer sind.
Wirtschaftsforum: Sie sind Teil einer internationalen Gruppe. Was verändert das?
Georg Wienker: Unsere DNA bleibt mittelständisch: nah am Kunden, pragmatisch, schnell. Durch die Einbindung in eine Gruppe gewinnen wir zusätzlich Reichweite und Stabilität. Das hilft, Versorgungssicherheit und Professionalität weiter auszubauen.
Wirtschaftsforum: Sie sprechen vom „One-Stop-Dairy-Shop“. Was bedeutet das konkret?
Georg Wienker: Viele Kunden möchten Einkaufsprozesse bündeln. Deshalb bieten wir ein breites Spektrum: von klassischen Milchpulvern über Molken- und Proteinprodukte bis zu Spezialitäten wie Käse- oder Joghurtpulver. Ergänzend kommen Rohstoffe wie Stärkeprodukte, Zucker(-derivate) oder Fettpulver hinzu – und je nach Bedarf auch Flüssigprodukte. Entscheidend ist: Der Kunde bekommt eine Ansprechstelle, die mitdenkt und die Verantwortung für die Lieferkette übernimmt.
Wirtschaftsforum: Welche Infrastruktur steht hinter diesem Serviceversprechen?
Georg Wienker: Wir haben in Büren eine leistungsfähige Misch- und Abfülllinie mit einer Kapazität von rund 10.000 t sowie ein Hochregallager mit etwa 3.300 Palettenstellplätzen. Das ist die Basis, um Verfügbarkeit zu schaffen und kurzfristige Anforderungen abzufedern. Schnelligkeit entsteht nicht durch ‘Express’-Etiketten, sondern durch vorbereitete Prozesse – vom Wareneingang über Qualitätsfreigaben bis zur Auslieferung.
Wirtschaftsforum: Wie sichern Sie Qualität und Lebensmittelsicherheit?
Georg Wienker: Über konsequente Standards und Zertifizierungen. Wir sind unter anderem nach ISO 22000 im Handel und FSSC 22000 in der Produktion aufgestellt. Zusätzlich erfüllen wir Anforderungen wie Halal, Kosher, Bio oder RSPO – je nachdem, was unsere Kunden und ihre Märkte verlangen.
Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit wird ebenfalls stärker eingefordert. Wie reagieren Sie darauf?
Georg Wienker: Wir sehen Nachhaltigkeit als Teil guter Unternehmensführung. Auf Gruppenebene sind wir EcoVadis-zertifiziert und arbeiten an Transparenz in den relevanten Kennzahlen. Am Standort setzen wir unter anderem auf Photovoltaik – in Büren sind 270 Solarpanels installiert. Außerdem beziehen wir Strom aus erneuerbaren Quellen. Uns geht es darum, Maßnahmen umzusetzen, die im Alltag wirken: Energieeffizienz, klare Zuständigkeiten und nachvollziehbare Kommunikation gegenüber Kunden.
Wirtschaftsforum: Was treibt den Markt aktuell besonders?
Georg Wienker: Proteinbasierte Anwendungen sind ein zentraler Treiber – über viele Kategorien hinweg. Gleichzeitig wächst die Vielfalt: unterschiedliche Funktionalitäten, unterschiedliche Preis- und Qualitätssegmente, unterschiedliche Deklarationsanforderungen. Unser Job ist es, die passenden Qualitäten verfügbar zu machen und Kunden so zu beraten, dass Rezepturen stabil laufen.
Wirtschaftsforum: Und wo liegt Ihr Wachstumsschwerpunkt?
Georg Wienker: Die Firma Nöll ist traditionell im deutschen Markt verankert und sieht daher die Wachstumschance in der Internationalisierung der Geschäfte. Viele internationale Kunden suchen genau die Kombination, die wir anbieten: Sortimentstiefe, schnelle Reaktionszeiten und saubere Prozesse. Deshalb bauen wir unsere Präsenz in ausgewählten Märkten konsequent aus – mit dem Anspruch, auch dort verlässlich und partnerschaftlich zu agieren.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Kooperationen?
Georg Wienker: Kooperationen sind ein wichtiger Hebel, wenn sie Kompetenzen bündeln. Ein Beispiel ist unsere Zusammenarbeit mit DP Supply für Spezialpulver und Fettpulver. Solche Partnerschaften erweitern unsere Optionen – und geben Kunden zusätzliche Sicherheit, wenn es um anspruchsvolle Anwendungen geht. Unser Anspruch bleibt dabei konstant: Wir wollen nicht der lauteste Anbieter sein, sondern der verlässlichste.








