Mehr Effizienz durch offene Agrarsysteme

Interview mit Robert Fraune, Geschäftsleiter der PTx Trimble GmbH und Associate VP der PTx OEM Solutions

Wirtschaftsforum: Herr Fraune, Sie sind seit Anfang 2023 Geschäftsleiter der PTx Trimble GmbH und haben zuvor viele Jahre in operativen Funktionen gearbeitet. Das Unternehmen setzt bewusst auf offene digitale Systeme – was steckt hinter dieser strategischen Ausrichtung?

Robert Fraune: Wenn man den landwirtschaftlichen Alltag kennt, wird schnell deutlich, dass Betriebe selten vollständig auf einen Hersteller setzen und gerade in Europa gemischte Flotten die Regel sind. So stoßen geschlossene Systeme in der Praxis häufig an Grenzen. Meine langjährige Tätigkeit im Support, im Produktmanagement und im Vertrieb hat mir gezeigt, wo Technologie in der Praxis echten Mehrwert liefert und wo sie eher zusätzliche Komplexität erzeugt. Aus dieser Erfahrung heraus setzen wir gezielt auf offene Lösungen, die Maschinen verschiedener Hersteller sinnvoll miteinander verbinden und dem Landwirt Investitionssicherheit, Zukunftsfähigkeit und Entscheidungsfreiheit bieten. Diese Offenheit ermöglicht es zudem, Innovationen schneller umzusetzen und flexibel auf unterschiedliche betriebliche Anforderungen zu reagieren. 

Wirtschaftsforum: Die PTx Trimble GmbH ist Teil einer internationalen Unternehmensgruppe. Wie hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren entwickelt, und welche Rolle spielt die heutige Konzernstruktur für Ihre strategische Ausrichtung?

Robert Fraune: Ursprünglich sind wir als deutsches Unternehmen gewachsen und wurden 2017 Teil des US-Technologiekonzerns Trimble. Seit 2024 sind wir in ein Joint Venture der AGCO Corporation integriert, das uns noch stärker im Landtechnik-Umfeld verankert. Diese Entwicklung verbindet technologische Kompetenz mit Marktnähe. Gleichzeitig agieren wir als eigenständige Einheit mit klarer Verantwortung für Entwicklung, Produktion und Vertrieb. Die Konzernstruktur gibt uns Stabilität und globale Reichweite, ohne dass wir unsere mittelständische DNA aufgeben müssen.

Wirtschaftsforum: Ihr Unternehmen deckt den gesamten landwirtschaftlichen Produktionsprozess ab und setzt dabei stark auf bei OEMs (Original Equipment Manufacturers) integrierte und Retrofit-Lösungen. Wie gelingt es, diese Vielzahl an Technologien sinnvoll zu verbinden und in die Praxis zu bringen?

Robert Fraune: Entscheidend ist das Zusammenspiel von Hardware, Software und Daten. Wir entwickeln Lenksysteme, Displays und Steuerungen, die sowohl den Traktor als auch das Anbaugerät einbeziehen, ergänzt durch cloud-basierte Anwendungen. So lassen sich Arbeitstiefe, Aussaatstärke oder Düngermengen standortgenau anpassen. Retrofit spielt dabei eine zentrale Rolle: Viele Maschinen sind mechanisch noch lange nutzbar und können technologisch aufgerüstet werden. Neue Funktionen kommen häufig zuerst über den Aftermarket in den Markt – das schafft Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten. 

Wirtschaftsforum: Sie betonen die Bedeutung des Standorts Salzkotten. Welche Rolle spielt dieser Hintergrund für Ihre Arbeit?

Robert Fraune: Ich habe hier als Auszubildender angefangen und den Standort über viele Jahre wachsen sehen. Für mich ist Salzkotten kein abstrakter Punkt auf der Landkarte, sondern der Ort, an dem Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Support zusammenkommen. Diese Nähe zum Produkt und zu den Menschen prägt meine Entscheidungen bis heute. Sie sorgt dafür, dass wir trotz Konzernzugehörigkeit bodenständig bleiben und schnell, praxisnah und verantwortungsvoll handeln.

Wirtschaftsforum: Der Markt für Landtechnik gilt derzeit als eher seitwärtsgerichtet. Wie gehen Sie als Geschäftsleiter mit dieser Situation um?

Robert Fraune: Natürlich spüren auch wir die Zurückhaltung bei Investitionen. Umso wichtiger ist es, klare Prioritäten zu setzen. Wir konzentrieren uns stark auf Innovationen, die unseren Kunden unmittelbar Nutzen bringen – etwa Effizienzgewinne, Kosteneinsparungen oder Entlastung bei Arbeitskräften. Gleichzeitig hilft uns unsere internationale Aufstellung, Marktschwankungen besser auszugleichen. Entscheidend ist, auch in ruhigeren Phasen konsequent an Zukunftsthemen zu arbeiten. 

Wirtschaftsforum: Autonomie, künstliche Intelligenz und neue Kamerasysteme gelten als zentrale Zukunftsthemen der Landwirtschaft. Welche Entwicklungen halten Sie für besonders relevant – und was braucht es, damit diese Technologien in der Praxis erfolgreich eingesetzt werden können?

Robert Fraune: Autonomie und KI werden eine immer größere Rolle spielen. Erste Anwendungen, etwa beim automatisierten Überladen während der Ernte, zeigen bereits heute deutliche Produktivitätsgewinne. Kamerasysteme ermöglichen zudem eine sehr gezielte Unkrauterkennung im mechanischen wie im chemischen Pflanzenschutz. Entscheidend ist, diese Technik so einfach und intuitiv zu gestalten, dass sie im Alltag zuverlässig genutzt werden kann. Dafür braucht es vor allem Planungssicherheit, denn Investitionen in neue Technologien sind hoch und erfordern verlässliche Rahmenbedingungen.

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