Polypropylen-Lösungen mit Mehrwert

Interview

Das Werk in Gronau konzentriert sich traditionell auf drei Wertströme: Geotex, Industriegewebe und Composite-Produkte. Dabei arbeitet das Unternehmen mit vertikal integrierten Technologien.

Beispiellos breites Sortiment

Im Segment der Teppichträger- und Industriegewebe bedient Propex Fabrics vor allem Kunden aus der Teppichindustrie. Das Unternehmen bietet ein beispiellos breites Sortiment an, auch mit veredelten Produkten, und ist somit in der Lage, Lösungen mit Mehrwert anstelle von "Me Too"-Produkten anzubieten. Das neueste Highlight ist Isis®, ein Produkt aus recyceltem Polyester, das zu 85% aus eingesammelten Flaschen besteht.

"Isis® ist ein Bändchengewebe mit besonderen Eigenschaften", so Werksmanager William Dickhut. "Es ist sehr hitzebeständig und wird deshalb vor allem in Hotels, auf Kreuzfahrtschiffen und für Teppichfliesen benutzt. Es bietet sehr gute geometrische Stabilität im Design und ist sehr hochwertig. Allerdings ist Isis® im Gegensatz zum Standard-Teppichträger nicht für das Volumengeschäft geeignet."

Werksmanager William Dickhut
„Technisch komplexe Produkte kann man nicht mit Hightech-Maschinen realisieren, sondern mit Kompetenz und Know-how.“ William Dickhut

Weltweit einzigartiges Produkt

Im Bereich der Composite-Produkte hat Propex Fabrics mit Curv® ein weltweit einzigartiges Produkt aus fast 100% Polypropylen, das vollständig recycelbar ist. Das Unternehmen nutzt hier die Technologie des selektiven Verschmelzens, wodurch die Gewebelagen aneinander gebunden werden. Dies macht das Material unempfindlich gegen Kältebruch, bis zu minus 172 Grad.

Curv® ist sehr leicht und thermoformbar. Unter anderem wird es für Hartschalenkoffer eingesetzt. Einer der Kunden von Propex Fabrics ist der renommierte Kofferhersteller Samsonite. Aber auch für Schlittschuhe, hier vor allem für Eishockey- Profischlittschuhe, wird Curv® eingesetzt. Im Automotive-Bereich ist das Material für stark beanspruchte Teile geeignet, die auch in der Kälte funktionieren müssen. Das Unternehmen verkauft grundsätzlich weltweit. "Unsere Mitbewerber produzieren heute hauptsächlich im Mittleren Osten", beschreibt William Dickhut die aktuelle Marktsituation.

"Dort sind die Produktionspreise aufgrund der preiswerteren Arbeitskräfte niedriger, auch Energie- und Rohstoffkosten sind geringer. Da können wir nicht mithalten, und deshalb lassen wir uns gar nicht erst auf einen Preiskampf ein. Wir unterscheiden uns bewusst, in dem wir kundenorientierte Lösungen mit Mehrwert bieten. Dazu kooperieren wir mit unserem Schwesterwerk in Ungarn, über das wir auch Kostenvorteile realisieren können. Technisch komplexe Produkte kann man nicht mit Hightech-Maschinen realisieren, sondern mit Kompetenz und Know-how. Kontinuierliche Forschung und Entwicklung sind dabei wichtig. Wir verbessern zudem kontinuierlich unsere Arbeitsprozesse."

„Wir wollen auch in Zukunft unserer Konkurrenz immer einen
Schritt voraus sein.“ William Dickhut
Werksmanager William Dickhut

Sehr lange Geschichte

Die Unternehmensgruppe blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück. Ursprünglich 1890 als Weberei und Spinnerei gegründet, wurde 1950 erstmalig Polypropylen in Gewebe verarbeitet. 1960 wurde das Unternehmen von Amoco übernommen und nach und nach wurden weltweit Niederlassungen eröffnet.

Das Werk in Gronau entstand 1970 und wurde ständig ausgebaut. 1974 wurde der Name in Amoco Fabrics and Fiber geändert. 1996 entstand das Werk in Ungarn. 1998 fusionierten BP und Amoco. 2004 wurde das Unternehmen an Investmentfirmen verkauft. Heute ist der Hauptsitz in Tennessee, USA. Neben Gronau gibt es noch Produktionseinheiten in Tennessee und in Georgia, USA, in Ungarn, Mexiko und Brasilien und ein Vertriebsbüro in England.

Personalmanagement

Am Werk in Gronau sind aktuell rund 300 Mitarbeiter beschäftigt. "Personalpolitik macht einen großen Unterschied" erklärt William Dickhut. "Dies gilt auch für den Umgang mit Leiharbeitern. Diese müssen korrekt vergütet und, wenn möglich oder notwendig, in das Unternehmen fest integriert werden. Wir haben gemeinsam mit dem Betriebsrat ein modernes Vergütungssystem entwickelt.

Dabei ist die Funktion des Mitarbeiters entscheidend und nicht die Dauer der Betriebszugehörigkeit. Selbstverständlich bilden wir auch aus.

"Anpassungen an veränderte Marktbedingungen werden auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie von Propex Fabrics sein. "Wir wollen auch in Zukunft unserer Konkurrenz immer einen Schritt voraus sein und uns konsequent an den Marktveränderungen orientieren und diese antizipieren", so William Dickhut. "Wir werden diese Dynamik mitnehmen und uns dementsprechend immer wieder wandeln. Bei uns machen nicht die produzierten Quadratmeter den Unterschied, sondern die Leistungen und Lösungen für den Kunden."

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Industrielle Zulieferer

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Interview mit Jörg Herre, Leiter Vertrieb und Marketing der Friedemann Wagner GmbH

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Die deutsche Industrie steht unter Druck. Investitionen werden verschoben, Projekte gestoppt. Und doch gibt es Unternehmen, die Kurs halten – mit Bodenhaftung, technischer Klarheit und einem langen Atem. Jörg Herre…

Tradition trifft Innovation im Kiesgeschäft

Interview mit Caroline Held, Geschäftsführerin und Otto-Wilhelm Held, Geschäftsführer der Kändler-Held GmbH

Tradition trifft Innovation im Kiesgeschäft

Die Kändler-Held GmbH, ein traditionsreiches Unternehmen aus Petershagen, wird heute in 3. und 4. Generation von Otto-Wilhelm Held und seiner Tochter Caroline Held geleitet. Das Unternehmen hat sich als führender…

Lieferfähigkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit in der Fernwärme

Interview mit Patrick Hollstein, Product Application Manager der LOGSTOR Deutschland GmbH

Lieferfähigkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit in der Fernwärme

Fernwärme spielt eine Schlüsselrolle für die Wärmewende, steht jedoch vor wachsenden Herausforderungen. Die LOG­STOR Deutschland GmbH entwickelt und vertreibt vorgedämmte Rohrsysteme, die eine effiziente, verlustarme Verteilung von Wärme in Fernwärmenetzen…

Spannendes aus der Region Kreis Borken

Nähe wird zum wichtigsten Rohstoff

Interview mit Stefan Jacobs, Geschäftsführer und Anja Mätzing, Prokuristin der CEDA Chemicals GmbH

Nähe wird zum wichtigsten Rohstoff

Die Chemiedistribution gehört zu den stillen, aber essenziellen Motoren der Industrie. Sie verbindet Produzenten weltweit mit verarbeitenden Unternehmen, sorgt für Versorgungssicherheit und reagiert täglich auf geopolitische, logistische und regulatorische Veränderungen.…

„Möbel muss man anfassen, fühlen, ausprobieren“

Interview mit Michael Kösters, Geschäftsführer über Möbel Ewald Kösters GmbH

„Möbel muss man anfassen, fühlen, ausprobieren“

Michael Kösters ist in einem Möbelhaus groß geworden – wortwörtlich. Heute führt er die Möbel Ewald Kösters GmbH in dritter Generation. Im Gespräch erzählt er, warum er trotz starker Konkurrenz…

Mehr als eine Auszeit

Interview mit Bernd Niemeyer, Geschäftsführer der Müller-Touristik GmbH & Co. KG

Mehr als eine Auszeit

Reisen ist mehr als Ortswechsel – es ist ein Gefühl von Freiheit, ein Ausbruch aus dem Alltag und eine bewusste Entscheidung für das Leben. Besonders Party- und Gruppenreisen bündeln diese…

Das könnte Sie auch interessieren

Logistik, die begeistert

Interview mit Alexander Hewel, Geschäftsführer der KELLERGROUP

Logistik, die begeistert

Hidden Champion, Logistik-Versteher, Familienunternehmen: Für die ­KELLERGROUP aus Ditzingen gibt es viele Umschreibungen. Das Unternehmen selbst sieht sich vor allem als inhabergeführtes, mittelständisches Familienunternehmen aus Baden-Württemberg, das nah am Kunden…

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Interview mit Dr.-Ing. Ansgar Kaupp, CEO und Partner der EyeC GmbH

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Fehlerhafte Verpackungen können Millionen kosten – durch Rückrufe, Lieferengpässe oder regulatorische Folgen. Genau hier setzt die EyeC GmbH mit intelligenten Inspektionssystemen an, die Druckbilder, Barcodes und selbst Brailleschrift zuverlässig prüfen.…

Im (Material-)Fluss bleiben

Interview mit Patrick Schlotter, Geschäftsführer der Flexco Europe GmbH

Im (Material-)Fluss bleiben

In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, volatiler Lieferketten und steigender Anforderungen an Effizienz und Anlagenverfügbarkeit rückt die Zuverlässigkeit industrieller Prozesse zunehmend in den Fokus. Gerade in automatisierten Materialflüssen sind stabile, wartungsarme Lösungen…

TOP