Digitale Souveränität statt Abhängigkeit

Interview mit Julian Fischer, Gründer und CEO der anynines GmbH

Julian Fischer beschäftigte sich bereits als Jugendlicher intensiv mit Computern und gründete mit 19 sein erstes Gewerbe. Nach dem Informatikstudium entstand 2008 die heutige anynines GmbH. Zunächst entwickelte und betrieb das Unternehmen individuelle Webanwendungen. Ab 2012 verlagerte sich der Schwerpunkt auf Cloud-Plattformen, Datenbank­automatisierung und moderne Softwareumgebungen.

Offene Technologie für große ­Unternehmen

anynines richtet sich vor allem an große Mittelständler und Konzerne, die eigene Softwareplattformen aufbauen und dabei unabhängig bleiben wollen. Das Unternehmen verbindet Open Source-Technologien mit Automatisierung, Release Management, Compliance sowie Back-up- und Wiederherstellungskonzepten. So entstehen produktionsreife Lösungen für eigene Rechenzentren, Public Clouds und hybride Umgebungen.

Ein Schwerpunkt liegt auf der automatisierten Bereitstellung und Verwaltung von Datenbanken. „Die eigentliche Gravitation liegt in den Daten“, sagt Julian Fischer. Proprietäre Technologien können Unternehmen langfristig an einzelne Anbieter binden und einen späteren Wechsel technisch wie wirtschaftlich erschweren. Die Lösungen von anynines sollen diese Abhängigkeit reduzieren. Entwickler erhalten unabhängig von der Infrastruktur einheitliche Prozesse und können Datenbanken schneller, sicherer und standardisiert nutzen.

KI mit realistischem Blick

Künstliche Intelligenz setzt anynines dort ein, wo sie einen messbaren Nutzen schafft. So wird Wissen aus rund 10.000 Supportfällen ausgewertet, um wiederkehrende Probleme schneller zu erkennen und Abläufe zu verbessern. Julian Fischer warnt jedoch vor überzogenen Erwartungen. Sprachmodelle könnten qualifizierte Mitarbeitende unterstützen und die Produktivität erhöhen, sie aber nicht zuverlässig ersetzen. Entscheidend sei, sensible Unternehmensdaten kontrolliert zu verarbeiten und Ergebnisse fachlich zu prüfen. Das Unternehmen beschäftigt rund 55 Mitarbeitende und betreut Kunden in Europa und Nordamerika. Nach dem Verkauf eines Teils der früheren Softwareentwicklung konzentriert sich anynines auf Cloud-Automatisierung und Data Services. Wachstum soll dort entstehen, wo Unternehmen ihre Infrastruktur modernisieren, Kosten kontrollieren und technologische Abhängigkeiten vermeiden wollen.
„Unser Ziel ist es, eine wirtschaftliche Alternative zu teuren Enterprise-Produkten und geschlossenen Cloud-Ökosystemen zu bieten“, beschreibt Julian Fischer den Anspruch. anynines will Unternehmen die Freiheit geben, ihre Plattformen selbstbestimmt weiterzuentwickeln und ihre Daten dauerhaft unter eigener Kontrolle zu behalten.

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