Traditionsbetrieb prägt ganze Stadt

Interview

Es ist schon etwas Besonderes, wenn die Petit & Gebr. Edelbrock manchmal mehr als 300 Jahre alte Glocken wartet, Glocken, die fast genauso alt sind wie das Unternehmen selbst.

Service rund um die Glocke

Glocken und alle damit verbundenen Serviceleistungen bestimmen das Kerngeschäft des Traditionsbetriebes aus Gescher. Da ist zunächst einmal der Glockenguss zu nennen, den nur ganz wenige Unternehmen beherrschen. Bei bestehenden Geläuten kümmern sich die Fachleute um deren Wartung, Reparaturen oder Sanierung.

Geht es um Glockenstühle und Aufstiege, übernimmt Petit & Gebr. Edelbrock auch Zimmermanns- und Metallarbeiten mit eigenen Werkstätten. Und auch die Schallamellen an den Kirchtürmen sind bei den Spezialisten in besten Händen.

Bei den Glocken und dem damit verbundenen Service bilden vor allem Kirchengemeinden die wichtigste Zielgruppe. Doch auch Privatleute geben hin und wieder eine Glocke in Auftrag.

Bronze- und Stahlglocken

Oft werden Glocken auch nach der Profanisierung einer Kirchengemeinde bearbeitet und dann vor dem ehemaligen Kirchengebäude aufgestellt oder an Partnergemeinden im Ausland verschenkt.

Während Bronzeglocken ihr Klangbild auch über Jahrzehnte hinweg nicht verändern, sieht es bei den vor allem nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beliebten Stahlglocken anders aus. Hier müssen oft Rostschäden beseitigt oder die Glocke komplett ersetzt werden.

Hersteller von Glockenspielen

Außerdem ist die Firma als einer der besten Hersteller von Glockenspielen in Deutschland bekannt.

Betriebsführungen

Jährlich besuchen fast 2.500 Menschen in geführten Gruppen die Manufaktur, um sich den Werdegang der Glocke erklären zu lassen. Das für nur 3,00 EUR pro Person.

Skulpturen und Plastiken

Das zweite Tätigkeitsfeld ist der Kunstguss. Petit & Gebr. Edelbrock produziert Skulpturen und Plastiken aus Bronze und Messing sowie Reliefs für Künstler nach deren Vorgaben. Wahlweise sind das Wachsausschmelz- oder das Sandgussverfahren möglich - allesamt in Handarbeit.

Für den Kunstguss unterhält Petit & Gebr. Edelbrock langjährige Kontakte zu Künstlern, Galerien, Kunstakademien, Hochschulen und sonstigen Schulen. "Wir wollen die Akquisition im Kunstguss verstärken", erklärt Rainer Esser. "Dieser Umsatzanteil soll deutlich vergrößert werden."

"Auf dem Kunstgussmarkt werden wir noch aktiver werden", verspricht der Geschäftsführer. "Inzwischen haben wir auch Kontakte in die Niederlande. Es lässt sich gut an."

Mit intensiven Marketingaktivitäten online und in der Presse werden die Ziele unterstützt, auch wenn Petit & Gebr. Edelbrock als eine von fünf Glockengießereien in Deutschland vor allem sehr von Empfehlungen profitiert

Altersschnitt senken

Die Geschichte der 1690 gegründeten Glocken-Manufaktur ist wechselvoll. Ein tragischer Einschnitt war die Insolvenz 2010. Doch dank des Engagements des Teams um Rainer Esser, der das Unternehmen seit 2012 als Geschäftsführer leitet, schreibt der Familienbetrieb wieder schwarze Zahlen.

Davon profitieren auch die 21 Beschäftigten, darunter drei Auszubildende: ein Kaufmann, ein Metallbauer sowie ein Glocken- und Kunstgießer. So soll auf Dauer auch der Altersdurchschnitt von aktuell über 50 Jahren gesenkt werden.

Positive Stimmung

Die Menschen beschreibt der Geschäftsführer uneingeschränkt als den wichtigsten Erfolgsfaktor: "Langjährige Mitarbeiter haben wieder Mut geschöpft: Es herrscht eine sehr positive, zuversichtliche Stimmung, die sich auch auf die ganze Stadt überträgt. Auch wenn wir klein sind, so sind wir ein in Gescher verwurzeltes Unternehmen, das den Ort prägt. Schließlich trägt Gescher auch den Beinamen ‚Glockenstadt‘. Zusammen mit der Gemeinde haben wir Ideen entwickelt und ein gemeinsames Konzept erarbeitet."

Kontakte über die Grenze

"Mit Demut wollen wir auf die Vergangenheit zurückblicken und mit Zuversicht in die Zukunft", erklärt Rainer Esser seine Philosophie. Um den Bestand des Unternehmens dauerhaft zu sichern wurde die Organisation grundlegend verändert. Sämtliche Prozesse werden heute optimiert und dokumentiert.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Zwischen Golf, Gastlichkeit und Zukunftssicherung

Interview mit Bernd Eulitz, Geschäftsführer der Hotel Semlin GmbH

Zwischen Golf, Gastlichkeit und Zukunftssicherung

Golf, Hotel, Gastronomie und Naturerlebnis greifen in Semlin seit Jahrzehnten ineinander. Aus dem ersten Golfplatz Brandenburgs entwickelte sich eine weitläufige Anlage mit Hotel, mehreren Golfplätzen und rund 1.400 Mitgliedern. Geschäftsführer…

Lernen, das zum Leben passt

Interview mit Robin Marsch, Chief Commercial Officer der velpTech GmbH

Lernen, das zum Leben passt

Weiterbildung nach dem Gleichschrittprinzip? Für velpTEC greift das zu kurz. Der Bildungsanbieter setzt auf individuelle Lernwege, Praxisnähe und persönliche Begleitung. Chief Commercial Officer Robin Marsch sieht darin mehr als ein…

Raum für Veränderung

Interview mit Benjamin von Schretter, Geschäftsführer, und Gabriele Tertilt, Head of Marketing der Adapteo GmbH

Raum für Veränderung

Schulen, Kitas, Industrieunternehmen und große Infrastrukturprojekte brauchen Räume, die schnell verfügbar sind und sich veränderten Anforderungen anpassen können. Genau hier setzt die Adapteo GmbH mit modularen Gebäudelösungen an. Geschäftsführer Benjamin…

Spannendes aus der Region Kreis Borken

„Geschwindigkeit entscheidet – wir liefern, wenn andere noch diskutieren.“

Interview mit Süleyman Ceyran, Geschäftsführer der RACEPLAST GmbH

„Geschwindigkeit entscheidet – wir liefern, wenn andere noch diskutieren.“

Ein Kunststoffteil ist selten sichtbar – aber oft entscheidend. Die RACEPLAST GmbH entwickelt und fertigt technische Kunststoffkomponenten für industrielle Anwendungen, die im Hintergrund zuverlässig funktionieren müssen. Geschäftsführer Süleyman Ceyran hat…

„Für uns ist die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes das Maß der Dinge“

Interview mit Hermann Stegink, geschäftsführender Gesellschafter der Solid.Modulbau GmbH

„Für uns ist die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes das Maß der Dinge“

Bezahlbarer Wohnraum, kurze Bau- und Sanierungszeiten sowie niedrige Betriebskosten zählen heute zu den zentralen Anforderungen der Bauwirtschaft. Genau hier setzt die Solid.Modulbau GmbH aus Ahaus an: Das 2016…

Das könnte Sie auch interessieren

„Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Interview mit Alessio Nicoletti, Geschäftsführer der Torneria Nicoletti S.r.l. und Luigi Nicoletti, CEO und Sales Manager der Torneria Nicoletti S.r.l.

„Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Seit Jahrzehnten ist die metallverarbeitende Industrie im Wandel – technologische Fortschritte, neue Anforderungen in puncto Nachhaltigkeit und ein sich ständig veränderndes geopolitisches Umfeld fordern Unternehmen heraus. Doch es gibt Familienbetriebe,…

Der Antrieb zur Veränderung

Interview mit Michael Fahrenbach, Geschäftsführer der Wöhrle GmbH & Co. KG

Der Antrieb zur Veränderung

Nichts verändert die Automobilindustrie derzeit mehr als die Transformation zur E-Mobilität. Als etablierter Zulieferer in dieser Branche unterstützt die Wöhrle GmbH & Co. KG weltweit ihre Kunden bei der Entwicklung…

Küchenkompetenz auf die Schiene gebracht

Interview mit Gerd Betz, Geschäftsführer und CEO der KUGEL Edelstahlverarbeitung GmbH

Küchenkompetenz auf die Schiene gebracht

Der Schiene gehört die Zukunft. Der 2020 vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vorgelegte Masterplan unterstreicht dies deutlich. Bis 2030 sollen demnach doppelt so viele Bahnkunden im Schienenpersonenverkehr gewonnen…

TOP