Wenn der Boden zum Star wird
Interview mit Christof Babinsky, CEO der ASB Systembau Horst Babinsky GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Babinsky, ASB wurde 1965 von Ihrem Vater gegründet, ursprünglich als Aluminiumstrukturbau. Wie ist daraus ein Glasbodenspezialist geworden?
Christof Babinsky: Das ging in mehreren Schritten. Mein Vater hat damals ein in der Schweiz entwickeltes Fertigbausystem eingeführt und damit über 100 Kindergärten, Goethe-Institute und Privathäuser in Europa und dem Mittleren Osten gebaut. In den 1970er-Jahren kam Squash als Sport auf und er fing an, Squashanlagen zu bauen, schnell auch international. Daraus entstand der ASB GlassCourt, eine vollständig verglaste Squashanlage aus 12 mm Sicherheitsglas ohne Metallstützen, die heute noch in 90% aller professionellen Turniere weltweit eingesetzt wird. Die Idee zum Glasboden entstand dann 2006:
Wenn alle Wände aus Glas sind, warum nicht auch der Boden? Den ersten Prototyp haben wir 2009 in einer Schule fünf Fahrminuten von unserem Standort eingebaut.
Wirtschaftsforum: Wie ist es dazu gekommen, dass Sie heute Geschäftsführer sind?
Christof Babinsky: 2012 fragte mich mein Vater, ob ich einsteigen wolle, weil er mehr Abstand vom Tagesgeschäft wollte. Das klassische Squashgeschäft interessierte mich nicht, der Glasboden aber schon. Also haben wir uns geeinigt: Er lagert die Squashcourt-Produktion aus, und ich kümmere mich um den Glasboden. Wir haben damit rund 80% des Umsatzes weggegeben, aber ungefähr 80% der Fixkosten behalten. Das war im Grunde eine Selbstmordmission. Von Juni bis Dezember 2012 haben wir das Produkt zur Marktreife gebracht, im Januar 2013 die Website online gestellt und über Blogs Aufmerksamkeit erzeugt. Das hat funktioniert: Discovery Channel, Wired Magazine und andere haben über uns geschrieben. So kamen die ersten Kunden.
Wirtschaftsforum: 2019 gab es dann den Durchbruch beim Volleyball-Supercup in Hannover. Wie verlief die Entwicklung danach?
Christof Babinsky: Der Volleyball-Supercup 2019 war ein großer Moment. Die FAZ schrieb: „Volleyball Supercup, der Star ist der Boden.“ Verträge standen kurz vor dem Abschluss, dann kam Corona. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, haben wir investiert: in ein schneller aufbaubares Videobodensystem und in Lobbyarbeit bei den Weltverbänden. 2022 hat die FIBA Glas als zugelassene Wettkampffläche anerkannt. Im Juni 2023 richteten wir gemeinsam mit der FIBA die U19-Damenbasketball-Weltmeisterschaft aus. Im Finale standen Spanien und die USA, und noch während des Spiels bekam ich eine SMS von Mark Cuban, damals Besitzer eines NBA-Teams. Danach hatten wir direkte Anfragen aus der gesamten Basketballwelt.
Wirtschaftsforum: Die NBA ist inzwischen Teilhaber Ihrer US-Tochtergesellschaft. Was bedeutet das für Ihr Geschäftsmodell?
Christof Babinsky: Wir haben den Boden nach dem Bayern-München-Basketball-Bundesliga-Opening 2023 in eine gecharterte Boeing 747 geladen, ihn in die USA geflogen und beim NBA All-Star Weekend eingesetzt. Danach wurde die NBA Teilhaber unserer amerikanischen Tochtergesellschaft. Parallel bauen wir für die Cleveland Cavaliers das erste voll automatisierte Shooting Lab, in dem alle Drills direkt am Boden einprogrammiert sind. Der Boden liefert messbare, objektive Daten, unabhängig davon, was ein Coach wahrnimmt. Er soll daher nicht nur Fläche sein, sondern auch Trainings- und Analyseplattform.
Wirtschaftsforum: Wie positionieren Sie sich in Sachen Nachhaltigkeit?
Christof Babinsky: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Ein Holzboden lässt sich, wenn man ehrlich ist, fast als CO2-neutral beschreiben. Trotzdem haben wir zwei Argumente. Erstens: unser Boden hat eine zertifizierte Lebensdauer von 70 Jahren. Die Sporthalle in der Nähe unseres Standorts, wo der erste Prototyp eingebaut wurde, existiert seit 2009 und sieht aus wie neu. Zweitens: Multifunktionalität. Eine Arena kann mit unserem Boden an sieben Tagen in der Woche bespielt werden, weil man nicht mehr 24 bis 48 Stunden für Auf- und Abbau eines anderen Bodens braucht. Man drückt einmal auf den Knopf, und der Boden zeigt die nächste Sportart. Verschiedene Böden einlagern entfällt.
Wirtschaftsforum: Was sind die wichtigsten Ziele für die nächsten Jahre?
Christof Babinsky: Wir wollen in den nächsten zwölf Monaten den ersten Liga-Deal abschließen, bei dem wir alle Spielorte einer Liga mit unserem Boden ausstatten. Der Wert liegt in der Zentralisierung von Werbeflächen: Ein Sponsor bucht nicht einen einzelnen Standort, sondern alle gleichzeitig, in jedem Spiel. Parallel wollen wir das Mietmodell weltweit ausrollen, bei dem wir die Böden nicht verkaufen, sondern selbst besitzen und betreiben. Bayern München Basketball hat im ersten Halbjahr dieses Jahres das Dreifache der Mietkosten wieder eingespielt, hauptsächlich über Drittveranstaltungen. Wir wachsen seit Jahren mit 50 bis 60% pro Jahr und sind zuversichtlich, dass es so weitergeht.
Wirtschaftsforum: Was zeichnet ASB als Unternehmen aus, wenn man über die Produkte hinausschaut?
Christof Babinsky: 2015 saß jemand von einem internationalen Sportverband bei uns im Büro und sagte mir, ich solle aufhören, da das nie offiziell zugelassen werden würde. Heute spielen die besten Basketballer der Welt auf unserem Boden. Was uns dahin gebracht hat, ist dieser Drang, das, was alle für unmöglich halten, trotzdem zu versuchen.Das nächste Ziel: ein Aufbau, der schneller geht als bei einem klassischen Holzboden. Auch das hält im Moment noch jeder für unrealistisch, aber ich bin davon überzeugt: Wir werden das schaffen!











