Leidenschaft, die in ­jedem Teil steckt

Interview mit Mathias Körber, Geschäftsführer der OKP Parts and Engineering GmbH

OKP kennt nicht nur jedes Detail klassischer italienischer Fahrzeuge, sondern auch die Lücken, die der Markt hinterlassen hat – und schließt sie mit eigenen Nachfertigungen, großer Lagerkompetenz und einem über Jahrzehnte gewachsenen Gespür für den tatsächlichen Bedarf. Diese Verbindung aus Praxiswissen, unternehmerischem Mut und internationaler Reichweite macht das Münchner Unternehmen zu einer festen Größe in der Szene.

Vom Hobby zum Unternehmen 
Die Geschichte von OKP begann lange vor der eigentlichen Unternehmensgründung. Bereits als junge Männer teilten Mathias Körber und sein Geschäftspartner Christian Ondrak ihre Begeisterung für italienische Sportwagen – auch wenn diese damals finanziell noch außer Reichweite lagen. Mit 18 Jahren kaufte Mathias Körber seinen ersten Alfa Romeo: stark verrostet, aber der Beginn einer Leidenschaft, die sein weiteres Leben prägen sollte. Gemeinsam mit Gleichgesinnten mieteten die beiden eine Werkstatt, restaurierten nachts ihre Fahrzeuge und sammelten dabei umfassendes technisches Wissen. Schon bald sprach sich in München herum, dass es dort einige junge Enthusiasten gab, die nahezu jedes Problem rund um Alfa Romeo lösen konnten. 1986 eröffneten Mathias Körber und Christian Ondrak schließlich ein kleines Ladengeschäft in der Münchner Schellingstraße. „Wir haben mit sehr wenig angefangen und Tag und Nacht gearbeitet“, sagt Geschäftsführer Mathias Körber. „Trotzdem hatten wir nie das Gefühl, wirklich zu arbeiten, weil wir unser Hobby zum Beruf gemacht hatten.“

Lieferfähigkeit als entscheidender Erfolgsfaktor
Aus dem kleinen Ladengeschäft entwickelte sich über vier Jahrzehnte ein international tätiger Ersatzteilspezialist mit heute 21 Mitarbeitenden. Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf klassischen Alfa Romeo-Modellen. Ergänzt wurde das Angebot in den vergangenen Jahren um Ersatzteile für Ferrari sowie ausgewählte Komponenten für Maserati und Lamborghini. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die hohe Warenverfügbarkeit. Rund 90% der angebotenen Artikel können direkt ab Lager geliefert werden. Viele Komponenten sind beim ursprünglichen Fahrzeughersteller längst nicht mehr erhältlich. Deshalb lässt OKP zahlreiche Ersatzteile nach eigenen Vorgaben neu produzieren. „Wir verfügen inzwischen über mehr als 1.000 eigene Produktionen, für die wir Exklusivrechte besitzen. Dabei arbeiten wir möglichst mit namhaften Herstellern aus aller Welt zusammen“, erläutert Mathias Körber. Von den eigenen Produktionen profitieren nicht nur Endkunden und Werkstätten, sondern auch Wettbewerber, die von OKP beliefert werden. Seriosität, Verlässlichkeit und eine professionelle Logistik bilden dabei seit jeher die Grundlage des Geschäfts.

Tradition trifft digitale Dynamik
Mit dem Wandel der Automobilkultur verändert sich auch die Kundschaft. Viele Menschen erfüllten sich früher mit einem Oldtimer den automobilen Traum ihrer Jugend. Jüngere Generationen interessieren sich heute häufig eher für Fahrzeuge aus den 1990er- oder 2000er-Jahren – oder messen dem eigenen Auto insgesamt weniger Bedeutung bei. Gleichzeitig eröffnen digitale Vertriebskanäle neue Möglichkeiten. Der OKP-Webshop umfasst inzwischen rund 11.000 unterschiedliche Artikel. Auch Social Media gewinnt zunehmend an Bedeutung, um bestehende Kunden zu binden und neue Zielgruppen zu erreichen. Künstliche Intelligenz betrachtet das Unternehmen dabei als wertvolle Unterstützung, etwa bei Recherchen, Texten oder künftig auch bei der automatisierten Rechnungsprüfung. Dennoch bleibt menschliche Kontrolle unverzichtbar. „Künstliche Intelligenz ist eine enorme Hilfe, aber die Ergebnisse müssen geprüft und an das Unternehmen angepasst werden. Entscheidend ist, dass die eigene Identität erhalten bleibt“, sagt Mathias Körber. International ist OKP bereits stark positioniert. Im vergangenen Jahr lieferte das Unternehmen in 66 Länder; auch der Exportanteil lag bei rund 66%. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten sieht Mathias Körber weiterhin gute Perspektiven – insbesondere für Anbieter, die über umfassendes Wissen, große Lagerbestände und eine gewachsene Kundenbasis verfügen.

Vom Ersatzteilgeschäft zur Lifestyle-Marke
Für Mathias Körber verkörpern klassische italienische Automobile bis heute Freiheit, Individualität und Lebensfreude. Alfa Romeo stehe für Dolce Vita, außergewöhnliches Design, charakteristische Motoren und einen unverwechselbaren Klang. „Ein klassisches Fahrzeug ist mehr als ein Auto. Es erzählt eine Geschichte, vermittelt Emotionen und hebt sich von der Gleichförmigkeit vieler moderner Fahrzeuge ab“, erklärt Mathias Körber. Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle: Viele der Fahrzeuge wurden vor 50, 60 oder sogar 70 Jahren gebaut und werden bis heute erhalten, restauriert und weiter genutzt. Die langfristige Nutzung bestehender Technik sei ein Aspekt, der in der öffentlichen Diskussion häufig unterschätzt werde. Künftig möchte sich OKP noch stärker als Marke positionieren und das Thema Lifestyle ausbauen. Denkbar sind unter anderem Accessoires, Mode und neue Angebote rund um die Faszination klassischer Automobile. Unterstützung erhält das Unternehmen dabei aus der nächsten Generation: Der Sohn von Mathias Körber soll künftig insbesondere im Marketing neue Impulse setzen. „Wir möchten das Unternehmen weiterentwickeln und noch stärker in Richtung Lifestyle denken. Aus unserer Leidenschaft und unserer Geschichte kann eine Marke entstehen, die weit über Ersatzteile hinausgeht“, sagt Mathias Körber. Nach 40 Jahren ist die Begeisterung für klassische Automobile bei OKP ungebrochen. Technisches Know-how, internationale Lieferfähigkeit und die Bereitschaft, sich immer wieder neuen Entwicklungen anzupassen, schaffen die Basis für die Zukunft. Oder, wie Mathias Körber es formuliert: „Man darf nicht nur darüber sprechen, was schwierig ist. Man muss die Dinge einfach machen.“

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