Der Partner für den Wandel

Interview mit Peter Fuchs, Geschäftsführer der EIM Executive Interim Management GmbH Deutschland und Managing Partner der internationalen EIM Gruppe

Wirtschaftsforum: Herr Fuchs, die vergangenen fünf Jahre waren herausfordernd; es gab eine Pandemie, den Ausbruch eines Krieges und damit wirtschaftliche Krisen unterschiedlichster Art. Wie haben sich diese Entwicklungen auf die Arbeit der EIM ausgewirkt?

Peter Fuchs: Unser Businessmodell hat sich tatsächlich sehr verändert. Digitale Medien haben eine neue Bedeutung bekommen; statt zu Meetings zu fliegen, finden diese heute meist online statt. Wir reisen also weniger, konnten aber gleichzeitig einen höheren Klientenzugang generieren, weil Klienten doch eher bereit sind, ein Teams-Meeting zu vereinbaren. Das heißt, wir haben mehr Klientenkontakt als früher, allerdings in einer anderen Art und Weise. Natürlich gibt es bei Onlinemeetings auch Probleme; die persönliche Note fehlt. Bei sensiblen Themen suchen wir deshalb immer den persönlichen Kontakt. Momentan versuchen wir wieder eine Balance zwischen Präsenz- und Onlinegesprächen mit unseren Klienten zu finden. Nachdem der Fokus nach Corona sehr stark auf der operativen Optimierung bei unseren Klienten lag, steigen jetzt die Transformations- und Restrukturierungsanfragen – eines unserer Fokusgebiete, bei denen wir für nahezu alle Industrien und He­rausforderungen die passenden Experten anbieten können.

Wirtschaftsforum: Hat sich in den letzten Jahren auch strukturell etwas für EIM verändert?

Peter Fuchs: EIM wurde vor über 35 Jahren als Spin-off der Personalberatung Egon Zehnder als eine Partnerschaft gegründet. Im Jahr 2023 hat sich die Partnerschaft dazu entschieden, eine Minderheit an eine Private Equity zu verkaufen, um die geplante Buy-and-Build Strategy intensiver voranzutreiben. Im Zuge dieser Strategie haben wir bereits drei Unternehmen übernommen und erfolgreich integriert, sodass wir heute weltweit mit über 30 Standorten einen Umsatz von mehr als 100 Millionen EUR generieren; auf den deutschen Markt entfällt dabei knapp die Hälfte. Die Entscheidung, eine Private Equity ins Unternehmen zu holen, hat sich als Wachstumsmotor erwiesen. Mit unserer Größe – wir haben mittlerweile 150 Mitarbeiter, davon knapp 50 in Deutschland – können wir anders am Markt auftreten, haben andere Investitionsmöglichkeiten, beschäftigen uns intensiv mit dem Thema KI sowohl für interne Prozesse als auch als Lösungen für unsere Klienten.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie EIM nach dieser dynamischen Entwicklung auf dem Markt?

Peter Fuchs: In Deutschland gibt es zwischenzeitlich viele Interimsanbieter. Vom Umsatz her zählen wir sicherlich zu den größten, allerdings unterscheiden wir uns von vielen Wettbewerbern in der Art und Weise der Abwicklung unserer Projekte. EIM ist ein global tätiges Unternehmen mit eigenen Standorten auf der ganzen Welt und kein Netzwerk aus verschiedenen Anbietern. Dadurch können wir auch die Vertraulichkeit aller Projektinformationen gewährleisten. Unsere Klienten bekommen auf jedem Kontinent den gleichen Service, basierend auf den gleichen Standards, Tools und Systemen. Das stellt unter anderem unsere internationale EIM Academy sicher. Dieses Setup ist in unserer Branche einmalig und daher sehen wir uns hier auch als internationaler Marktführer in unserer Branche.

Wirtschaftsforum: Werden Sie diese starken Marktpositionen in Zukunft halten können? Wie schauen Sie auf das kommende Jahr?

Peter Fuchs: Für diese Frage blicke ich noch einmal zurück. 2025 war ein anstrengendes Jahr. Bis dahin waren, nicht nur bei EIM, zweistellige Wachstumsraten Standard. Trotz aller Rahmenbedingen haben wir unser Wachstum auch im letzten Jahr fortgesetzt, was sicherlich auf unsere engen Klientenverbindungen, aber auch die Art und Weise unserer Unterstützung bei Projekten zurückzuführen ist. Hier sehen wir nach wie vor unsere größte Differenzierung zu vielen unserer Wettbewerber. Wir stellen nicht einfach Manager zur Verfügung, sondern wir beraten unsere Klienten sehr intensiv und erarbeiten unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen einen Lösungsvorschlag, der die notwendige Expertise enthält, um eine erfolgreiche Umsetzung zu gewährleisten. Diese Vorgehensweise ist auch in unserem internationalen Mission Statement beschrieben: „EIM delivers business breakthrough differently“. Im Rahmen unseres Assignment Governance-Prozesses begleiten wir dann die Einsätze konsequent, um eine erfolgreiche Umsetzung zu realisieren. Unsere Einsätze sind letztlich alles Projekte und keine Vermittlung von Personal. 

Aktuell sehen wir wieder eine positive Entwicklung am Markt, die sich auch an Zahlen ablesen lässt. Viele Unternehmen werden sich mit dem Thema Transformation und Umstrukturierung beschäftigen müssen; dabei denke ich zum Beispiel an Automobilzulieferer und Maschinen- und Anlagenbauer, unsere Schlüsselindustrien. Gleichzeitig richten wir einen starken Fokus auf Private Equity-Häuser, die aufgrund von Value-Verlusten in ihren Portfoliounternehmen bereits an entsprechenden Value Creation-Programmen arbeiten beziehungsweise diese initiieren müssen. Im zweiten Halbjahr 2026 rechne ich daher mit einer neuen Dynamik.  

Wirtschaftsforum: Um welche Themen wird es dann vornehmlich gehen?

Peter Fuchs: Das große Stichwort ist Transformation. Unternehmen fragen sich, mit welchen Produkten sie auf welchen Markt gehen, in welchen Ländern sie aktiv werden wollen und wie das ganze Setup aussehen soll, um künftig anders aufgestellt zu sein. Es wird um Optimierungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette gehen. Zudem gibt es mehr und mehr KI-orientierte Themen in Prozessen. Auch bei EIM spielt KI eine zentrale Rolle. Das gilt zum Beispiel für die Kandidatenidentifizierung für Projekte, aber auch für das Erstellen von Profilen für Klienten. KI vereinfacht und beschleunigt viele Prozesse, sodass wir uns schlanker und effizienter aufstellen können und mehr Zeit für unsere Klienten haben. Es bedeutet also nicht, dass wir Personal abbauen, sondern dass wir es anders einsetzen. Innovation und Digitalisierung werden auch künftig bei uns im Fokus stehen.

Wirtschaftsforum: Die EIM agiert auf einem wettbewerbsintensiven Markt. Warum sollten Klienten mit Ihnen zusammenarbeiten?

Peter Fuchs: Weil alle unsere EIM Partner über umfangreiche Indus­trieerfahrungen (in der Regel waren alle einmal als CEO oder im Consultingbereich tätig) und fundiertes Know-how in vielen Industrien und Unternehmensprozessen verfügen, um unsere Klienten professionell zu beraten, und die Umsetzung der Projekte kompetent begleiten können. Außerdem werden durch unseren intensiven Managerqualifizierungsprozess wirklich die besten Interimsmanager für den Einsatz bei unseren Klienten ausgewählt. Wir werden bei vielen unserer Klienten als Trusted Advisor wahrgenommen, also als diejenigen, mit denen man reden muss, um die Herausforderungen im Unternehmen professionell zu lösen.

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