„Den Menschen etwas zurückgeben“

Interview mit Simon Schach, Geschäftsführer der nordwest Factoring & Service GmbH

Seit DKS 2002 von Thomas Ilg in Ulm gegründet wurde, ging es im Unternehmen steil bergauf. Von anfangs 35 Millionen EUR hat es das Unternehmen 2022 auf ein Factoring-Volumen von 100 Millionen EUR gebracht. Die Unternehmensnachfolge wurde Anfang dieses Jahres durch den Verkauf an die nordwest Factoring & Service GmbH geregelt.

Die nordwest-Gruppe mit Sitz in Hamburg brachte selbst ein Umsatzvolumen von 270 Millionen EUR in die neue Beziehung ein. Als Holding fungiert in der Gruppe die Genossenschaft SVG nordwest. Die Ziele der nun durch DKS verstärkten nordwest-Gruppe sind ehrgeizig, aber realistisch: „Für 2023 erwarten wir einen Umsatz von 400 Millionen EUR und bis 2030 von bis zu einer Milliarde“, sagt Simon Schach als Geschäftsführer beider Gesellschaften. In der aus drei Geschäftsführern bestehenden Geschäftsleitung ist der seit 2012 in der nordwest-Gruppe beschäftigte Manager für die Bereiche Wachstum, Vertrieb und strategische Zukäufe verantwortlich.

Liquidität und Sicherheit

Das Factoring bietet den mittelständischen Kunden mehrere Vorteile, macht Simon Schach deutlich: „Es gibt dem Unternehmen eine planbare Liquidität und bietet Sicherheit, denn die Zahlung kann nicht ausbleiben. Wir selbst agieren unternehmerisch und sind keine Bank. Wir verschaffen unseren Kunden den Freiraum, sich auf ihr Geschäft zu konzentrieren. Dabei arbeiten wir mit Spezialbanken zusammen.“

Zum starken Wachstum von nordwest Factoring & Service habe geführt, dass eine individuelle Betreuung erfolgreich mit Digitalisierung verknüpft wurde. Dazu kommt: „Wir sprechen von Unternehmer zu Unternehmer – und wir sprechen Mittelständisch. Mit anderen Worten: Wir sprechen dieselbe Sprache.“ Zu den Hauptsorgen des Mittelstands, so der Geschäftsführer, zähle neben der Liquidität geeignetes Personal zu finden. Er sagt: „Die Unternehmen müssen sich neu erfinden. Es muss eine Transformation stattfinden, zum Beispiel im Hinblick auf New Work. Gutes Factoring kann auf diesem Weg signifikant sein.“

Versorgung sichern

Den Fachkräftemangel spürt nordwest Factoring & Service selbst bisher nicht. Denn man verfolge einen anderen Ansatz als die meisten anderen Unternehmen: „Vorbildung und Schulzeugnisse interessieren uns überhaupt nicht. Wir suchen und finden Menschen, die Lust auf Veränderung haben. Ihnen kann man alles beibringen“, so die Erfahrung von Simon Schach. Seine Vision ist, die Renaissance der Genossenschaft wieder herbeizuführen. „Für unsere heutige Zeit bedeutet das, ein Konstrukt zu entwickeln, das den Menschen, die unseren Wohlstand mehren, etwas zurückgibt. Wir arbeiten daher an der Gründung einer Stiftung, in die wir jedes Jahr 10% des Unternehmensgewinns einzahlen. Sie soll sicherstellen, dass all unsere Beschäftigten 15 Jahre lang eine zusätzliche Betriebsrente von etwa 1.000 EUR erhalten können. Unser Anspruch ist: Wer in unserer Gruppe arbeitet, darf im Alter keine finanziellen Pro-bleme haben.“

Als dieser Plan den Mitarbeitern verkündet wurde, hat Simon Schach die eine oder andere Träne der Erleichterung gesehen. „Das war für mich nach zwölf Jahren in diesem Beruf der schönste Moment.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Finanzen

Investitionen, die die Zukunft gestalten

Interview mit Dr. Christian Koch, Head BB Biotech @ Bellevue Asset Management AG

Investitionen, die die Zukunft gestalten

Die Biotechnologiebranche zählt zu den innovationsstärksten und dynamischsten Sektoren der globalen Wirtschaft. Getrieben von wissenschaftlichem Fortschritt, dem wachsenden Bedarf an neuen Therapien und Medikamenten sowie gesellschaftlichen Megatrends wie dem demografischen…

Factoring geht nicht ohne Vertrauen

Interview mit Adelheid Wolf, Geschäftsführerin der adesion Factoring GmbH

Factoring geht nicht ohne Vertrauen

Adelheid Wolf hat ihre gesamte Karriere im Factoring verbracht. Als Geschäftsführerin und Mitunternehmerin bei adesion Factoring will sie ihre Kunden durch dieses wirkmächtige Finanzierungsinstrument systematisch bei deren weiterem Wachstum unterstützen.…

Wenn Rechnungen sich selbst ­bezahlen

Interview mit Axel Rebien, CEO der Serrala Group GmbH

Wenn Rechnungen sich selbst ­bezahlen

Während CFOs noch vor wenigen Jahren mühsam Excel-Tabellen für Liquiditätsplanung füllten, übernehmen heute KI-Agenten die Arbeit. Sie arbeiten autonom, in Echtzeit und, anders als jeder Mensch, fehlerfrei. Das Hamburger Unternehmen…

Spannendes aus der Region Hamburg

Vom Reststoff zur Ressource – eine Erfolgsgeschichte im Kreislauf

Interview mit Dirk Kopplow, Geschäftsführer und Benjamin Fiekens, Vertrieb der GVÖ Gebinde-Verwertungsgesellschaft der Mineralölwirtschaft mbH

Vom Reststoff zur Ressource – eine Erfolgsgeschichte im Kreislauf

Die Kreislaufwirtschaft ist längst mehr als ein ökologisches Ideal – sie ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Steigende Rohstoffpreise, strengere Umweltgesetze und das wachsende Bewusstsein für nachhaltiges Handeln verändern die Industrie grundlegend.…

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Interview mit Dr.-Ing. Ansgar Kaupp, CEO und Partner der EyeC GmbH

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Fehlerhafte Verpackungen können Millionen kosten – durch Rückrufe, Lieferengpässe oder regulatorische Folgen. Genau hier setzt die EyeC GmbH mit intelligenten Inspektionssystemen an, die Druckbilder, Barcodes und selbst Brailleschrift zuverlässig prüfen.…

Nachhaltigkeit im Fokus

Interview mit Bernd Loschelder, Business Unit Director Packaging der IGEPA group GmbH & Co. KG

Nachhaltigkeit im Fokus

Die Verpackungsindustrie steht vor einem Umbruch. Mit der PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) ist eine neue EU-Verordnung in Kraft getreten, die auf die Reduzierung von Verpackungsabfällen, die Stärkung der…

Das könnte Sie auch interessieren

„Service ist kein Nebenprodukt – er ist das Geschäft“

Interview mit Carsten Müller, CEO der SERVICE 1 GmbH

„Service ist kein Nebenprodukt – er ist das Geschäft“

Produkte lassen sich vergleichen, Preise auch. Doch wenn etwas nicht funktioniert, zählt nur eines: der Service. Carsten Müller beschreibt, wie Unternehmen diesen Bereich strategisch nutzen können – und warum darin…

Das einfache (und doch nicht triviale) Produktivitätstool

Interview mit PD Dr. Peter Kuhlang, Geschäftsführer der MTM SOLUTIONS GmbH

Das einfache (und doch nicht triviale) Produktivitätstool

Das MTM-Verfahren, das auf der zentralen Größe Leistung, also Arbeit pro Zeiteinheit basiert, findet in der Industrie weite Verbreitung. Seine Umsetzung ist im Detail jedoch nicht trivial. Die MTM SOLUTIONS…

Vom Service zum System:  Fluid Management neu definiert

Interview mit Erdem Ates, Geschäftsführer der Fluid Service Plus GmbH

Vom Service zum System: Fluid Management neu definiert

Kühlschmierstoffe und Prozessflüssigkeiten sind entscheidend für stabile Fertigungsprozesse – und doch oft unterschätzt. Im Interview spricht Erdem Ates, Geschäftsführer der Fluid Service Plus GmbH, über seinen Weg ins Familienunternehmen, die…

TOP