KI am Steuer für die Mobilitätswende
Interview mit Christian Daniel, Geschäftsführer der MOTEON GmbH

Die 2019 gegründete MOTEON GmbH in Ilmenau hat sich in kurzer Zeit als Spezialist für Motorsteuerungssoftware und Prüfsysteme etabliert. Geschäftsführer Christian Daniel, zuvor viele Jahre im Halbleiterumfeld tätig, leitet das Unternehmen seit zwei Jahren. „Es war die Chance, etwas Neues aufzubauen und ein komplettes Systemangebot zu entwickeln“, sagt er rückblickend.
Von Infineon zu MOTEON
Ausgelagert aus Infineon, um Services im Softwarebereich effizienter anzubieten, arbeitet MOTEON heute unabhängig und entwickelt eigene Produkte. „Wir haben unsere eigenen Vertriebs- und Marketingaktivitäten“, betont Christian Daniel. Rund 40 Mitarbeiter – viele davon Softwareentwickler – treiben das Wachstum, unterstützt durch die enge Zusammenarbeit mit der Universität Ilmenau.
Effizienztreiber
MOTEON entwickelt Software und vollständige Systemlösungen für die Vielzahl von Elektromotoren im Fahrzeug – von Lüftern über Pumpen bis hin zu Kompressoren. Innovation entsteht dort, wo Effizienz zählt. „Je weniger Leistung ein Motor benötigt, desto länger reicht die Batterie. Darin steckt viel Innovationspotenzial“, erklärt Christian Daniel. Durch präzise Algorithmen steuert die Software Anlaufverhalten, Energieverbrauch und Regelgenauigkeit.
Vorsprung durch Tests
Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal sind automatisierte Testsysteme. Sie verkürzen Entwicklungszeiten drastisch, erhöhen die Reproduzierbarkeit und treffen den Nerv einer Branche, die unter massivem Time-to-Market-Druck steht. „Wir haben diese Systeme ursprünglich für uns selbst gebaut. Dann wollten die Kunden sie ebenfalls – so wurde ein neues Geschäftsmodell daraus“, freut sich Christian Daniel.
KI als Gamechanger
Künstliche Intelligenz verändert die Entwicklungsprozesse grundlegend. Neben Dokumentations- und Testautomatisierung setzt MOTEON auf Edge-AI direkt im Controller. Ein EU-gefördertes Projekt – ECOMAI – demonstrierte das Potenzial adaptiver Regelalgorithmen. „KI wird unsere Branche nachhaltig prägen“, ist Christian Daniel überzeugt.
Platz für weiteres Wachstum
Dass das Unternehmen weiter expandiert, zeigt der geplante Neubau im Ilmenauer Standort Fischerhütte, der 2027 bezugsfertig sein soll. Er schafft Platz für zusätzliche Teams und Labore. Der Fachkräftemangel bleibt dennoch ein Thema: „Wir fördern Nachwuchs früh über Werkstudenten und Masterarbeiten. Aber der Wettbewerb um gute Leute wird härter“, betont Christian Daniel.
Neue Märkte im Blick
Neben der Automobilbranche erkennt MOTEON großes Potenzial im Megatrend Robotik – von Industrierobotern bis zu humanoiden Systemen. Erste Projekte und Kundengespräche laufen bereits. „KI und Robotik zusammen werden vieles verändern. Das eröffnet uns neue Chancen“, schließt Christian Daniel.










