Wie Gesundheitsdaten echten Mehrwert schaffen

Interview mit Andreas Kaysler, Geschäftsführer VISUS Health IT GmbH

Die Stärke der VISUS Health IT GmbH liegt darin, medizinische Bild- und Gesundheitsdaten praxisnah, sicher und interoperabel so zu vernetzen, dass sie den klinischen Alltag spürbar effizienter und die Patientenversorgung besser machen.

Vom Forschungs-Spin-off zum internationalen Anbieter

VISUS wurde Anfang der 2000er-Jahre als Spin-off aus einem Forschungsumfeld heraus gegründet und hat sich mit JiveX früh in einem hoch spezialisierten Markt positioniert. Ausgangspunkt war die digitale Bildbetrachtung, aus der sich Schritt für Schritt ein leistungsfähiges System für Picture Archiving and Communication Systems entwickelte. Heute reicht das Spektrum deutlich weiter: Neben der radiologischen Bildgebung spielen integrierte Diagnostik und Healthcare Content Management eine zentrale Rolle. Auch der Werdegang von Andreas Kaysler ist eng mit dieser Entwicklung verbunden. Er kennt die Anforderungen des Gesundheitswesens aus erster Hand, weil er selbst viele Jahre in Krankenhäusern tätig war. Genau daraus leitet VISUS bis heute einen zentralen Anspruch ab: Technologie muss im klinischen Alltag funktionieren. „Wir reden mit verschiedenen Personengruppen in den Kliniken und Praxen, und die wollen alle dort abgeholt werden, wo sie stehen“, sagt Andreas Kaysler. Diese Kommunikation auf Augenhöhe habe wesentlich dazu beigetragen, dass sich das Unternehmen in seinem Markt erfolgreich etablieren konnte.

Digitalisierung braucht mehr als digitale Akten

Für Andreas Kaysler ist die Digitalisierung im Gesundheitswesen längst über den Punkt hinaus, an dem es nur darum geht, Papier durch Bildschirmdarstellungen zu ersetzen. Vielmehr gehe es heute darum, Prozesse neu zu denken. „Wenn man jahrelang gewohnt ist, mit Bleistift und Papier zu malen, wird es nicht besser, dadurch dass ich jemandem ein iPad und einen Stift gebe, sondern ich muss die Prozesse letztlich neu designen“, betont Andreas Kaysler. Genau hier sieht VISUS einen entscheidenden Hebel. Krankenhäuser erzeugen heute in nahezu allen Bereichen digitale und multimediale Daten: Bilder, Videos, Dokumente und Befunde. Die Herausforderung besteht nicht mehr nur darin, diese Daten zu speichern, sondern sie sinnvoll verfügbar zu machen. Aus Sicht des Unternehmens rückt damit die Nutzbarkeit medizinischer Informationen in den Vordergrund. Ziel ist ein Gesamtblick auf den Patienten, der Bilddaten ebenso umfasst wie Dokumente und strukturierte Informationen aus der Behandlung.

Strukturierte Daten als Basis für KI

Mit wachsender Datenmenge steigt auch der Anspruch an Inter­operabilität. Für Andreas Kaysler liegt darin eine der zentralen Zukunftsaufgaben der Branche. Medizinische Informationen müssten so strukturiert und semantisch beschrieben werden, dass sie über Einrichtungen hinweg eindeutig verstanden und verarbeitet werden können. Erst dann könne digitale Entscheidungsunterstützung ihr Potenzial tatsächlich entfalten. Auch beim Thema künstliche Intelligenz verfolgt VISUS deshalb einen praxisnahen Ansatz. Im Fokus steht nicht die Idee einer einzigen universellen KI, sondern die intelligente Einbindung spezialisierter Algorithmen in bestehende Arbeitsabläufe. „Wie bekomme ich die richtigen Daten zur richtigen KI und am Ende auch die Ergebnisse so in meinen Arbeitsprozess integriert, dass der Radiologe medizinisch im Driving Seat bleibt?“, sagt Andreas Kaysler. Genau diese Orchestrierung unterschiedlicher Anwendungen sieht er als eine der großen Stärken von VISUS. KI soll unterstützen, nicht ersetzen – und sie muss dort eingebunden werden, wo medizinische Verantwortung tatsächlich getragen wird.

Wachstum, Internationalisierung und der Weg in die Cloud

Heute ist JiveX in mehr als 40 Ländern im Einsatz. Neben der DACH-Region gewinnen vor allem Märkte im Nahen Osten an Bedeutung, etwa die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien, wo derzeit stark in Gesundheitsinfrastruktur und Digitalisierung investiert wird. Gleichzeitig bleibt Bochum das Zentrum des Unternehmens. Entwicklung, Service und Support sind dort fest verankert, ergänzt durch Synergien im Netzwerk der CompuGroup Medical, zu der ­VISUS seit 2021 gehört. Die nächste strategische Etappe ist bereits klar umrissen: der Übergang in die Cloud. Für Andreas Kaysler ist das nicht nur eine technologische, sondern auch eine sicherheitsrelevante Entwicklung. „Der Anspruch der VISUS Health IT GmbH ist, dass die Daten am Ende des Tages sicher und verfügbar sind und nur von denen eingesehen werden können, die sie sehen sollen“, sagt Andreas Kaysler. Noch in diesem Jahr will das Unternehmen ein erstes cloudbasiertes Produkt auf den Markt bringen und damit eine Brücke zwischen bestehenden Systemen und der Cloud-Welt schlagen. Das Ziel bleibt dabei unverändert: medizinische Informationen so verfügbar zu machen, dass Versorgung besser, schneller und sicherer wird. Oder, wie Andreas Kaysler es formuliert: „Gesundheit betrifft letztlich alle – und genau deshalb ist es so motivierend, an besserer Patientenversorgung mitzuarbeiten.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Die Besten für den Nordwesten

Interview mit Ricardo Corominas, Geschäftsführer der PRIMUS Personaldienstleistungen GmbH

Die Besten für den Nordwesten

Unter dem Motto „Just Works“ will die Primus Personaldienstleistungen GmbH aus Oldenburg mit einem engen Niederlassungsnetz im Nordwesten Deutschlands als starker Karrierepartner für ihre Mitarbeiter auftreten, die sie wiederum bei…

Verlässlich durch jede Wetterlage

Interview mit Dirk Tombült, Geschäftsführer der Fedder und Zünkler Service GmbH & Co. KG

Verlässlich durch jede Wetterlage

Ob Schnee, Eis, Hitze oder Starkregen: Außenflächen von Immobilien müssen ganzjährig sicher, gepflegt und nutzbar bleiben. Für bundesweit aufgestellte Unternehmen ist das eine komplexe Aufgabe. Fedder und Zünkler koordiniert Winterdienst,…

Nachhaltigkeit mit Tradition

Interview mit Daniela Schlotz, Geschäftsführende Gesellschafterin der HAKAWERK W. Schlotz GmbH

Nachhaltigkeit mit Tradition

Die Anforderungen an Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegeprodukte steigen: Sie sollen zuverlässig wirken, ergiebig und hautverträglich sein und zugleich Umwelt und Ressourcen schonen. Die HAKAWERK W. Schlotz GmbH verfolgt diesen Ansatz…

Spannendes aus der Region Bochum

Vom Automatenhersteller zum Systemanbieter

Interview mit Heinz Sander, Geschäftsführer und Andreas Wehrmann, Geschäftsführer der ICA Traffic GmbH

Vom Automatenhersteller zum Systemanbieter

Vor 25 Jahren stellte die ICA Traffic GmbH aus Dortmund ihre ersten Fahrkartenautomaten her und konnte sich in diesem Segment inzwischen einen stattlichen Marktanteil von circa 60% erarbeiten. Mit der…

30 Jahre Erfolg durch Innovation und Kundennähe

Interview mit Martin Tump, Geschäftsführer der Ingenieurbüro UTEK GmbH

30 Jahre Erfolg durch Innovation und Kundennähe

Ingenieurbüros spielen eine entscheidende Rolle in der Entwicklung und Umsetzung technischer Projekte – von der Planung komplexer Anlagen bis zur Sicherstellung von Compliance und Nachhaltigkeit. Sie bieten Unternehmen unterschiedlichster Branchen…

Familiäre Werte und Professionalität

Interview mit Michael Stein, Geschäftsführer der Securess Versicherungsmakler GmbH

Familiäre Werte und Professionalität

Die Securess Versicherungsmakler GmbH setzt nicht nur auf Professionalität, sondern auch auf persönliche Beziehungen – das wird im Gespräch mit Michael Stein deutlich. Für den Geschäftsführer und sein Unternehmen stehen…

Das könnte Sie auch interessieren

Vom Werbemittelhändler zur ­Corporate-Fashion-Plattform

Interview mit Christof Kunze, Geschäftsführer der Gustav Daiber GmbH

Vom Werbemittelhändler zur ­Corporate-Fashion-Plattform

Mit kaum einem anderen Produkt können Mitarbeiter ihre Identifizierung mit ihrem Unternehmen so sichtbar und nachhaltig zeigen wie mit gebrandeten Workwear- und Corporate-Fashion-Outfits: Hierfür hält die Gustav Daiber GmbH seit…

Effizienz mit klaren Strukturen

Interview mit Tilla Schröder, Gesellschafterin und Geschäftsführerin der profiforms gmbh

Effizienz mit klaren Strukturen

Unternehmen stehen unter hohem Kostendruck und müssen ihre Prozesse schneller, effizienter und zugleich rechtssicher gestalten. Die profiforms gmbh aus Leonberg entwickelt Lösungen für das Customer Communication Management. Sie verbindet Input-…

KI-Tools einsetzen ist einfach. Sie in eine gewachsene Unternehmensstruktur zu integrieren ist eine andere Disziplin.

Interview mit Gregor Draute, Geschäftsführer, Krankikom GmbH

KI-Tools einsetzen ist einfach. Sie in eine gewachsene Unternehmensstruktur zu integrieren ist eine andere Disziplin.

Alle werden schneller. Aber wer in regulierten Märkten arbeitet, mit Betriebsrat und Lieferkettengesetzen, kann nicht einfach loslegen. Gregor Draute über die zweite Chance der Digitalisierung und warum Erfahrung gerade wichtiger…

TOP