Begeisterung in der Nische

Interview mit Thomas Schwingshandl, Geschäftsführer der Schwingshandl – automation technology gmbh

Wirtschaftsforum: Herr Schwingshandl, die Schwingshandl – automation technology ist ein international gefragter Spezialist für die Intralogistik. Wie kam es dazu?

Thomas Schwingshandl: Ich habe das Unternehmen 2003 als Engineeringbüro für die Planung von Maschinen gegründet. 2004 kam mein Geschäftspartner Enrico Lacher dazu. Relativ früh äußerten Kunden den Wunsch nach einer Fertigung, sodass wir im Sommer 2003 eine erste Halle mieteten. Seitdem sind wir stetig gewachsen. Die nächste Erweiterung unseres Firmensitzes steht bevor; momentan stocken wir das Büro auf, zudem ist die Verdopplung der Produktion geplant. Heute haben wir 75 feste Mitarbeiter:innen sowie 25 Zeitarbeitskräfte.

Wirtschaftsforum: Da Schwingshandl in der Intralogistik agiert, haben Sie in der Coronazeit vom Online-Boom profitiert. Wie sieht die Situation heute aus?

Thomas Schwingshandl: Problematisch ist die Supply Chain. Lieferzeiten verlängern sich, Kosten steigen exorbitant. Margen sind gesunken, Logistikkosten gleichzeitig explodiert. Aktuell haben wir drei Hallen für halbfertige Produkte zur Zwischenlagerung angemietet.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Schwingshandl am Markt?

Thomas Schwingshandl: Wir sind weltweit tätig, branchenunabhängig, dienstleistungsorientiert und einer der führenden Anbieter auf dem Nischenmarkt der Intralogistik.

Wirtschaftsforum: Mit welchen Produkten überzeugt Schwingshandl auf diesem Nischenmarkt?

Thomas Schwingshandl: Wir unterscheiden zwischen zwei Geschäftsprozessen. Bei Projekten sind wir sehr früh involviert, bereits bei Machbarkeitsstudien. Der Kunde hat die Idee, etwas zu automatisieren, was es bislang noch nicht gab. Wir planen früh mit, erstellen einen Prototypen, auf dessen Basis oft mehrere Maschinen produziert werden. Für uns ist es dann gut, wenn ein kundenspezifisches Nischenprodukt in hoher Stückzahl gefertigt wird. Dann haben wir Kunden, die fertige, bereits existierende Module oder Maschinen bestellen. Wir kon-struieren die Maschinen, gefertigt wird von Partnern im Umkreis von 60 km. Die Teile kommen zu uns in die Vormontage, werden zusammengebaut, getestet, gehen dann auf die Baustelle, wo sie von unseren Monteuren montiert und mechanisch in Betrieb genommen werden.

Wirtschaftsforum: Gibt es bestimmte Flaggschiffprodukte, die die Unternehmenskompetenz unterstreichen?

Thomas Schwingshandl: Für einen Generalunternehmer haben wir einen Frühgebäckspeicher entwickelt, den wir weltweit liefern. 48 Maschinen sind zum Beispiel am Flughafen von Doha. Die Herausforderung lag darin, ein spezielles Lastaufnahmemittel für Trays zu entwickeln. Beispielhaft ist auch eine Anlage für die Sterilisierung von Medizinprodukten, bei der es um die Palettierung, Depalettierung und Fördertechnik in einer speziellen Bestrahlungskammer geht. Letztlich kommen Kunden aber wegen unserer Dienstleistungen, die von der frühen Beratung bis zum After Sales reichen. Wir lassen Kunden nicht im Stich.

Wirtschaftsforum: Liegt darin das Erfolgsgeheimnis?

Thomas Schwingshandl: Uns reicht es nicht, Kunden zufriedenzustellen, wir wollen sie begeistern. Das ist die Voraussetzung dafür, langfristig Nischenweltmeister zu werden.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

Vier Säulen, ein Fundament

Interview mit Boris Wehner, Geschäftsführer der Wehner Metalltechnik GmbH & Co. KG

Vier Säulen, ein Fundament

Wenn auf Straßen Öl ausläuft, rücken Spezialmaschinen aus. Sie kommen nicht selten aus dem Hause Wehner Metalltechnik. Was als Kfz-Betrieb begann, hat sich über Jahrzehnte zu einem vielseitigen Metallverarbeitungsunternehmen entwickelt,…

Im (Material-)Fluss bleiben

Interview mit Patrick Schlotter, Geschäftsführer der Flexco Europe GmbH

Im (Material-)Fluss bleiben

In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, volatiler Lieferketten und steigender Anforderungen an Effizienz und Anlagenverfügbarkeit rückt die Zuverlässigkeit industrieller Prozesse zunehmend in den Fokus. Gerade in automatisierten Materialflüssen sind stabile, wartungsarme Lösungen…

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Interview mit Dr.-Ing. Ansgar Kaupp, CEO und Partner der EyeC GmbH

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Fehlerhafte Verpackungen können Millionen kosten – durch Rückrufe, Lieferengpässe oder regulatorische Folgen. Genau hier setzt die EyeC GmbH mit intelligenten Inspektionssystemen an, die Druckbilder, Barcodes und selbst Brailleschrift zuverlässig prüfen.…

Spannendes aus der Region Holzhausen

„Habe nie nein gesagt“

Interview mit Walter Bostelmann, Vorstandsvorsitzender der Kellner & Kunz AG

„Habe nie nein gesagt“

Nicht bewahren, sondern bewegen ist das Motto der Kellner & Kunz AG mit Sitz im österreichischen Wels. Vor 100 Jahren verkaufte sie Werkzeuge und Schrauben – heute sind es zusätzlich…

Individuelle Konzepte für moderne Bürolandschaften

Interview mit Karl Leitner, Geschäftsführer der FLW Handels Ges.m.b.H

Individuelle Konzepte für moderne Bürolandschaften

Flexible Arbeitswelten, hybride Bürokonzepte und nachhaltige Einrichtungslösungen – die Anforderungen an moderne Arbeitsumgebungen sind vielfältiger denn je. Die FLW Handels Ges.m.b.H hat sich mit umfassender Expertise auf die Planung und…

Smarte Systeme statt Suchzeiten

Interview mit Walter Bostelmann, Vorstandsvorsitzender der Kellner & Kunz AG, EVP RECA Group

Smarte Systeme statt Suchzeiten

Ob Industrie, Handwerk oder Bau: Besonders bei C-Teilen wie Schrauben, Werkzeugen oder Verbrauchsmaterial zählt vor allem eines – dass alles verfügbar ist, wenn es gebraucht wird. Dabei setzen viele Betriebe…

Das könnte Sie auch interessieren

Intelligente Fördertechnik für die Industrie von morgen

Interview mit Appal Chintapalli, Geschäftsführer und Sarah Glatz, Senior Director Conveyor Business sowie Sven Worm, Vice President New Markets der montratec GmbH

Intelligente Fördertechnik für die Industrie von morgen

Die montratec GmbH aus Dauchingen entwickelt smarte Intralogistiklösungen für anspruchsvolle Branchen wie Halb­leiter-, Batterie- oder Medizintechnik. Mit dem Transfersystem montrac® und der strategischen Unterstützung des Mutterkonzerns Columbus Mc Kinnon, nachstehend…

„Uns liegt der Mehrwert unserer Kunden am Herzen!“

Interview mit Christian Kreutzer, Vertriebsleiter der Gawronski GmbH

„Uns liegt der Mehrwert unserer Kunden am Herzen!“

Mit ihrer sogenannten Goodyear-Palette, die im Reifensegment inzwischen zum Branchenstandard avanciert ist, hat sich die Gawronski GmbH längst einen Namen gemacht. Inzwischen engagiert sich das Unternehmen auch mit Förderbändern und…

Im (Material-)Fluss bleiben

Interview mit Patrick Schlotter, Geschäftsführer der Flexco Europe GmbH

Im (Material-)Fluss bleiben

In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, volatiler Lieferketten und steigender Anforderungen an Effizienz und Anlagenverfügbarkeit rückt die Zuverlässigkeit industrieller Prozesse zunehmend in den Fokus. Gerade in automatisierten Materialflüssen sind stabile, wartungsarme Lösungen…

TOP