Mobilität einmal anders denken

Interview mit Johann Goldenstein, Commercial Director der Maske Fleet GmbH

Wirtschaftsforum: Autovermietung oder Auto-Leasing, was beschreibt das Mobilitätskonzept von Maske Fleet am besten?

Johann Goldenstein: Wir sind weder das eine noch das andere, sondern liegen irgendwo dazwischen. Wir sind angetreten, Mobilität neu zu denken.

Wirtschaftsforum: Sie sind schon länger am Markt. Welche Schritte waren rückblickend prägend?

Johann Goldenstein: Der entscheidende Einschnitt kam vor zwei Jahren, als wir vom Familienunternehmen zu einem Konzern wechselten. Der Firmengründer Andreas Maske verkaufte das Unternehmen an Hitachi Capital aus Japan. Mit Blick auf die Prozesse war das eine ganz neue Welt, aber wir haben vor allem viele positive Dinge mitgenommen.

Wirtschaftsforum: Was sind aktuell Einschnitte für Sie?

Johann Goldenstein: Natürlich beeinflusst uns und unsere Kunden die Situation rund um Corona. Wir profitieren hier aber von unseren flexiblen Produkten wie der Langzeitmiete und bieten Vertragsmodelle, die an die Bedürfnisse angepasst sind. Heute wollen sich viele nicht an Leasingverträge binden, sondern fragen sich, was als Nächstes passiert. In diesem Bereich haben wir gute Ergebnisse erzielt und können unseren Bestand halten. Für 2021 erwarten wir wieder ein stärkeres Wachstum.

Wirtschaftsforum: Was steht noch im Fokus?

Johann Goldenstein: Mit Business Direkt im Bereich E-Fahrzeuge wollen wir die E-Mobilität stark einbinden und sind mit 200 Nutzfahrzeugen Vorreiter in dieser Branche. Wir haben hierfür einen eigenen Bereich mit einer Mannschaft aufgebaut, die das Thema Nachhaltigkeit aktiv begleitet.

Wirtschaftsforum: Das ist eine vielversprechende Entwicklung.

Johann Goldenstein: Auch der Konzern begleitet das Thema E-Mobilität stark. Meist hapert es eher an der fehlenden Verfügbarkeit der Fahrzeuge von Seiten der Hersteller. Wenn ich ein paar Zahlen nennen darf: Wir haben aktuell 10.000 Autos im Bestand, davon 3% voll elektrisch, und in drei Jahren sollen es 20% sein. Das ist durchaus erreichbar und passt in die Zeit. Apropos Zahlen: Wir beschäftigen 240 Mitarbeiter und konnten 2019 einen Umsatz von 83,4 Millionen EUR generieren. Aktuell betreiben wir Maske MietCenter an zehn Standorten, an denen wir auch einen exzellenten Service anbieten, mit eigenen Werkstätten und Logistikkette.

Wirtschaftsforum: Welche Impulse möchten Sie geben?

Johann Goldenstein: Wir wollen in diesem Jahr das Privatkundengeschäft weiterentwickeln und das Thema Elektro forcieren.

Wirtschaftsforum: Und darüber hinaus?

Johann Goldenstein: Das Erreichen der Wachstumsziele, Nachhaltigkeit und Arbeitsplatzgarantie – das sind wichtige Punkte. Ganz vorn steht die optimale Mobilitätsdienstleistung für den Kunden. Im Kern geht es darum, wie ich eine 100-prozentige Mobilität erreichen kann. Das ist ein komplexes Themenfeld. Da wir weder Autovermieter noch Leasing-Anbieter sind, geht es vorrangig um den Servicegedanken rund um die Mobilität. Auto-Abos, von anderen gerade als etwas Neues verkauft, haben wir schon seit Jahren.

Wirtschaftsforum: Was ist im Privatkundenbereich geplant?

Johann Goldenstein: Wir wollen Fahrzeuge für kurz- und langfristige Anmietungen vorhalten, beispielsweise beim Arbeitsplatzwechsel. Dazu wird es einen Webshop geben, in dem Fahrzeuge angeboten werden. Damit können wir im zweiten Quartal starten.

Wirtschaftsforum: Wie sieht das heutige Portfolio aus?

Johann Goldenstein: 50% sind leichte Nutzfahrzeuge, Elektro sowie Verbrenner, da sind wir etwas Besonderes, das hat kein Wettbewerber im Fuhrpark. Im Prinzip gibt es zwei Produkte: die klassische Langzeitvermietung, für mindestens einen Monat, Ende offen. Beim Produkt Select kann der Kunde sein Auto selbst konfigurieren und wir bestellen es dann für ihn. Daran ist allerdings eine Mindestlaufzeit von 24 Monaten geknüpft. Viele Kunden machen einen Mix wie 80% Select und 20% klassische Langzeitvermietung. So sind sie sehr flexibel und können, falls nötig, kurzfristig auch ihre Kosten senken.

Wirtschaftsforum: Welche Kunden sprechen Sie an?

Johann Goldenstein: Kunden kommen aus den Bereichen Bau, Maschinenbau; denken Sie hier an Kastenwagen mit Werkstatteinrichtungen, oder aus Pflegedienst und Personaldienstleistung.

Wirtschaftsforum: Was sind die Gründe für den Erfolg?

Johann Goldenstein: Maske Fleet ist schnell, flexibel und kundenorientiert. Autos kriegen Sie an jeder Straßenecke, doch was hebt uns ab? Unsere Stärken sind Flexibilität und Mobilität.

Wirtschaftsforum: Wohin geht die Branchenentwicklung?

Johann Goldenstein: Auto-Abos sind ein Trend, Mobilität und Digitalisierung sowieso, und wir setzen darauf, dass die Kommunikation mit dem Kunden durch einheitliche Apps wie Schaden-Apps oder Reporting bei Nutzfahrzeugen vereinheitlicht und somit mehr und mehr optimiert wird.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie das Unternehmen in Zukunft?

Johann Goldenstein: Zuerst wollen wir die unsicheren Zeiten gut überstehen. Das ist vorrangiges Ziel. Dann werden wir unsere Dienstleistungspalette ausbauen, den Bestand erhöhen und in gewissen Bereichen punkten. Wir wollen in der E-Mobilität Marktführer werden, sowohl von der Stückzahl her, aber auch in Sachen Dienstleistung, und vernünftig weiterwachsen. Das Thema Auto und Mobilität hat so viele spannende Facetten, die es noch zu entdecken und zu entwickeln gilt.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Dienstleistungen & Consulting

Verbindungen mit Weitblick

Interview mit Markus Menzi, Geschäftsführer der Bartholet Ropeways AG

Verbindungen mit Weitblick

Seilbahnen gewinnen als innovative Lösung für den urbanen Transport weltweit an Bedeutung. Sie entlasten bestehende Verkehrsnetze, überwinden geografische Hindernisse effizient und bieten eine nachhaltige Alternative im öffentlichen Nahverkehr. Besonders in…

„Wir wollen mit dem Kunden  verdienen, nicht an ihm!“

Interview mit Jörg Wiechmann, Vorstandsvorsitzender der TOP Vermögensverwaltung AG

„Wir wollen mit dem Kunden verdienen, nicht an ihm!“

Seit über 30 Jahren steht die TOP Vermögensverwaltung mit ihren drei Aktien- und Anleihefonds für ein nachhaltiges, aktives Asset Management. Ziel: den Anlegern insbesondere in Krisenzeiten ein sicheres Gefühl geben.…

Logistik, die begeistert

Interview mit Alexander Hewel, Geschäftsführer der KELLERGROUP

Logistik, die begeistert

Hidden Champion, Logistik-Versteher, Familienunternehmen: Für die ­KELLERGROUP aus Ditzingen gibt es viele Umschreibungen. Das Unternehmen selbst sieht sich vor allem als inhabergeführtes, mittelständisches Familienunternehmen aus Baden-Württemberg, das nah am Kunden…

Spannendes aus der Region Landkreis Rotenburg (Wümme)

Farmer First – mit über 50.000 Produkten

Interview mit Thomas Schlieben, Geschäftsführer der Sparex Handels- und Vertriebs GmbH

Farmer First – mit über 50.000 Produkten

Als drittgrößter Markt nimmt Deutschland für Sparex, einen britischen Hersteller und Großhändler von Ersatzteilen und Zubehör für landwirtschaftliche Anwendungsfelder, eine zentrale Rolle ein. Mit welchen Innovationen das Unternehmen seinen Einzelhandelskunden…

Wo jeder Tropfen zählt

Interview mit Dipl.-Ing. Mirko Ebeling, Geschäftsführer und Gründer der Ebetech GmbH

Wo jeder Tropfen zählt

Die globale Pharmaindustrie wächst rasant: Neue Therapieformen, eine alternde Weltbevölkerung und der verbesserte Zugang zu Medikamenten in Schwellenländern sorgen für anhaltend hohe Nachfrage. Wer in diesem anspruchsvollen Umfeld liefern will,…

Innovative Radlader: Zukunftsorientierte Lösungen für alle Branchen

Interview mit Marc Bockelmann, Geschäftsführer der Atlas Weyhausen GmbH

Innovative Radlader: Zukunftsorientierte Lösungen für alle Branchen

„Wir stehen für Langlebigkeit, Robustheit und herausragende Leistung“, sagt Marc Bockelmann, Geschäftsführer der Atlas Weyhausen GmbH. Das Unternehmen hat sich seit über 55 Jahren der Entwicklung und Produktion hochwertiger Radlader…

Das könnte Sie auch interessieren

Küstenwinde in Klimavorteile verwandeln

Interview mit Jean Huby, CEO der Ocean Breeze Energy GmbH & Co. KG

Küstenwinde in Klimavorteile verwandeln

Der Betrieb des ersten kommerziellen Offshore-Windparks Deutschlands erforderte weit mehr als nur technisches Know-how: Gefragt waren und sind Einfallsreichtum, Widerstandsfähigkeit und die Bereitschaft, traditionelle Rollen in der Branche neu zu…

Die Stärke der Nische

Interview mit Christoph Dorscheid, Geschäftsführer der cds Polymere GmbH & Co. KG

Die Stärke der Nische

Wer auf einem Flughafen landet, denkt nicht an Kunstharz. Wer eine Tiefgarage betritt, denkt nicht an Reaktionsharzmörtel. Und wer einen frisch beschichteten Industrieboden betritt, fragt selten, wer das Material geliefert…

Die Zukunft des Wohnens ist vernetzt

Interview mit Interview mit Marco Gasparini, Operations Director der VEMER S.p.A.

Die Zukunft des Wohnens ist vernetzt

Steigende Energiekosten, Nachhaltigkeitsziele und die zunehmende Digitalisierung verändern die Gebäudetechnik grundlegend. Gefragt sind intelligente Systeme, die Energie effizienter nutzen und Prozesse automatisieren. In diesem Umfeld bewegt sich die italienische VEMER…

TOP