Kosmetik ist Vertrauens­sache

Interview mit Antonio Lucá, Hauptgesellschafter der MADISON COSMETICS GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Lucá, was ist für Sie der Kern von ­MADISON COSMETICS?

Antonio Lucá: Der Kern ist Vertrauen. Kosmetik ist ein Produkt, das Menschen sehr nah an sich heranlassen – im wahrsten Sinne des Wortes. Deshalb reicht es nicht, gut auszusehen oder einen Trend zu bedienen. Wir wollen verständliche Produkte anbieten, die zuverlässig funktionieren und deren Nutzen man erklären kann. Das gilt für Formulierungen, Qualität und genauso für die Art, wie wir über unsere Produkte sprechen: klar, ohne leere Versprechen.

Wirtschaftsforum: Der Wettbewerb ist enorm. Wodurch differenzieren Sie sich?

Antonio Lucá: Wir differenzieren uns über Konsequenz. Das klingt unspektakulär, ist aber im Alltag entscheidend: Wie stringent ist ein Sortiment aufgebaut? Wie sauber sind Produktversprechen abgesichert?

Wie stabil sind Prozesse in Entwicklung, Produktion und Logistik? Viele Marken sind im Marketing stark, verlieren aber in der Wiederholung – etwa wenn eine Charge anders ausfällt oder die Lieferkette hakt. Wir investieren bewusst in Verlässlichkeit, weil sie langfristig die stärkste Differenzierung ist.

Wirtschaftsforum: Welche Trends beobachten Sie – und welche werden bleiben?

Antonio Lucá: Trends kommen und gehen. Was bleibt, sind drei Erwartungen: Transparenz, Wirksamkeit und Orientierung. Menschen wollen wissen, was sie kaufen, warum es sinnvoll ist und wie sie es richtig anwenden. Dazu kommt der Wunsch nach Vereinfachung: weniger Überforderung, mehr Klarheit in Routinen. Und ja, auch Nachhaltigkeit bleibt – allerdings nicht als Label, sondern als Prüfung: Stimmen Verpackung, Lieferketten und Kommunikationsstil zusammen?

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist Digitalisierung für Ihre Strategie?

Antonio Lucá: Digitalisierung ist für uns ein Werkzeug, kein Selbstzweck. Sie hilft uns vor allem an zwei Stellen: Erstens im Kundenverständnis – also Feedback, Service, Informationsbedarf. Zweitens intern, bei Planung und Steuerung: bessere Forecasts, weniger Reibung in Abläufen, schnellere Entscheidungen. Gerade in einem Markt mit hoher Taktung ist das ein Wettbewerbsvorteil. Entscheidend ist, dass digital nicht komplizierter macht, sondern einfacher.

Wirtschaftsforum: Qualitätssicherung ist in der Kosmetikbranche ein sensibles Thema. Wie gehen Sie das an?

Antonio Lucá: Qualität ist bei uns ein System, kein Endkon­trollpunkt. Wir arbeiten mit klaren Spezifikationen, dokumentierten Prüfabläufen und einem Prozessverständnis, das Fehler möglichst früh verhindert. Dazu gehört auch, dass wir Produkte nicht ‘auf Kante’ entwickeln, sondern mit Stabilität im Blick – etwa bei Rohstoffverfügbarkeit, Rezepturrobustheit und konsistenter Performance. Am Ende merkt der Kunde genau das: ob ein Produkt jedes Mal gleich gut ist.

Wirtschaftsforum: Ist für Sie die Regulatorik eine Bremse oder ein Qualitätsfilter?

Antonio Lucá: Eher Qualitätsfilter. Natürlich ist das Thema anspruchsvoll – gerade bei Claims und Dokumentation. Aber es zwingt zu Präzision. Wir müssen sauber trennen zwischen dem, was wir belegen können, und dem, was nur gut klingt. Das ist manchmal unbequem, schützt aber die Marke. Und es schützt die Kunden. Wer langfristig denkt, kommt an dieser Professionalität sowieso nicht vorbei.

Wirtschaftsforum: Zum Thema Nachhaltigkeit: Viele Unternehmen fürchten den Greenwashing-Vorwurf. Wie kommunizieren Sie?

Antonio Lucá: So konkret wie möglich – und lieber zurückhaltend. Nachhaltigkeit wird schnell zur Marketingfläche, aber sie ist eigentlich ein Arbeitsprogramm. Für uns heißt das: messbare Schritte, die wir in Prozesse übersetzen. Zum Beispiel bei Verpackung, Materialeinsatz, Transportwegen oder der Auswahl von Partnern. Wir sagen nicht ‘perfekt’, sondern erklären, was wir tun, warum wir es tun und wo noch Grenzen sind. Glaubwürdigkeit entsteht durch Genauigkeit.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Markenführung in einem so schnellen Umfeld?

Antonio Lucá: Markenführung ist heute mehr denn je ein Konsistenztest. Menschen merken, wenn ein Markenbild nicht zu Produkt, Service oder Haltung passt. Deshalb legen wir Wert auf einen roten Faden: Was ist unser Nutzenversprechen? Welche Sprache verwenden wir? Welche Erwartungen wecken wir – und können wir sie halten? Wer in der Kommunikation zu groß verspricht, zahlt später mit Vertrauen. Und Vertrauen ist in unserer Branche die härteste Währung.

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