Heizprofi und Kundenkümmerer

Interview mit Sascha Stecken Geschäftsführer der Locher Haustechnik GmbH

Die Auftragsbücher von Handwerksbetrieben wie Locher sind voll. Seit Jahren boomt es am Bau; auch Corona hat diesen Trend nicht gestoppt. Mit dem akuten Fachkräftemangel und Materialengpässen stehen viele Betriebe dennoch vor großen Herausforderungen. „Wir blicken jedem Tag mit Spannung entgegen“, sagt Geschäftsführer Sascha Stecken. „Der Krieg in der Ukraine und die Energiekrise bringen täglich neue Herausforderungen mit sich. Kunden sind verunsichert und wenden sich an uns; für sie sind wir der erste Ansprechpartner, nicht die Politiker in Berlin, die die weitreichenden Entscheidungen treffen.“

Die Mischung macht‘s

Locher baut auf lange Erfahrung und fundiertes Know-how, um sich diesen Aufgaben zu stellen. Der Betrieb für Heizung, Sanitär und Lüftung wurde 1990 von Harald Locher gegründet, der ihn Schritt für Schritt erweiterte. Vor zehn Jahren stieg Sascha Stecken als Geschäftsführender Gesellschafter ein. „Harald Locher und ich bilden ein gutes Geschäftsführer-Team, da wir uns perfekt ergänzen“, sagt er. „Wir gehören zwei unterschiedlichen Generationen an, haben in bestimmten Themenbereichen verschiedene Auffassungen, bremsen uns gegenseitig aus und inspirieren uns. Diese gute Mischung kommt dem Unternehmen zugute.“

Locher startete mit drei Mitarbeitern, heute sind es 45, der Umsatz liegt bei sieben Millionen EUR. „Von der Größe her sind wir in der Region führend“, so Sascha Stecken. „Das gilt auch für Innovationen. Wir haben vor zwei Jahren neu gebaut, um die Zukunft einzuläuten und uns modern aufzustellen.“

Nah am Kunden, schnell beim Kunden

Locher ist tief mit der Region verwurzelt und arbeitet im Umkreis von 20 km rund um Erbach. „Wir sind in einer sehr ländlichen Gegend ansässig, in der Einfamilienhäuser mit mehr als 70% das Bild bestimmen“, erklärt Sascha Stecken. „Damit haben die meisten Häuser einen Gasbrenner oder Ölkessel im Keller; Infrastrukturen mit Fern- oder Nahwärmenetzen, wie sie in Großstädten Standard sind, gibt es hier nicht. Damit hat das Thema Energie hier eine noch größere Komplexität.“ Locher steht Kunden für Produkte und Lösungen rund um die Bereiche Heizung, Sanitär und Lüftung zur Seite. 60% sind Privatkunden, etwa 30% Hausverwaltungen; zudem arbeitet man eng mit Architekten zusammen.

Sanierungen im Mittelpunkt

Heiz- und Sanitärlösungen bilden heute die Schwerpunkte des Portfolios, während die Lüftungstechnik eher ein Randbereich ist. Im Segment Heizen geht es vor allem darum, mit möglichst wenig Energieaufwand eine möglichst große Behaglichkeit zu schaffen. Dafür bietet Locher individuelle Heizsysteme, traditionelle wie Gas- oder Ölheizungen, aber auch regenerative Lösungen. Momentan gefragt sind Wärmepumpen und Solarsysteme; geliefert werden können sie erst in einigen Monaten.

„Selbst wenn wir entsprechende Produkte parat hätten, könnten wir sie nicht einbauen“, sagt Sascha Stecken „Dafür fehlt einfach das Personal, vor allem Monteure und Nachwuchskräfte.“ Neben den alternativen Energien sind Sanierungen ein großes Thema. „Der Sanierungsmarkt hat schon lange eine dominierende Rolle“, so Sascha Stecken. „Jetzt hat sich die Anfrage vervielfacht. Zum einen, weil es staatliche Förderungen gibt, zum anderen, weil immer mehr Verbraucher sich mit der Idee beschäftigen, heizungstechnisch autark werden zu wollen. Momentan gehen wir davon aus, dass der Sanierungsmarkt auch bis in das Jahr 2024 hinein für uns der wichtigste Markt sein wird.“

Im Bereich Sanitär sieht es ähnlich aus. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Verbraucher vermehrt in ihr Eigenheim investieren und zum Beispiel Bäder sanieren lassen. Ein großes Thema ist die Barrierefreiheit; wir bieten hier Lösungen aus einer Hand, Badsanierungen von A bis Z mit allen Gewerken. Für die Kunden wird ein Sanierungsprojekt so deutlich vereinfacht.“ Auch bei Lüftungssystemen überzeugt Locher mit ganzheitlichen Lösungen. Zentraler Bestandteil ist immer eine offene und ehrliche Beratung. „Wir verkaufen nicht, wir erarbeiten Lösungen“, unterstreicht Sascha Stecken. „Genau deshalb werden wir weiterempfohlen.“

Handwerk hat goldenen Boden

Der Krieg in der Ukraine und die damit verbunden Schwierigkeiten lassen Locher vorsichtig optimistisch in die nahe Zukunft blicken. Kunden zufriedenzustellen und ihnen erklären, dass man auch 2023 für sie da ist, Fachkräfte finden und gesund in das neue Jahr starten, sind erklärte Ziele. „Wir hoffen, mit vollen Auftragsbüchern ins Jahr 2023 zu starten“, so Sascha Stecken. „Auch künftig werden wir an unseren Werten festhalten, bodenständig bleiben, nicht jeden Trend mitmachen und die Nähe zu den Kunden sicherstellen. Zudem hoffen wir, dass das Handwerk für Nachwuchskräfte wieder an Attraktivität gewinnen wird.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

„Service ist kein Nebenprodukt – er ist das Geschäft“

Interview mit Carsten Müller, CEO der SERVICE 1 GmbH

„Service ist kein Nebenprodukt – er ist das Geschäft“

Produkte lassen sich vergleichen, Preise auch. Doch wenn etwas nicht funktioniert, zählt nur eines: der Service. Carsten Müller beschreibt, wie Unternehmen diesen Bereich strategisch nutzen können – und warum darin…

Sitzmöbel mit Liebe zum Detail

Interview mit Ramon Werner, Verwaltungsratspräsident der de Sede AG

Sitzmöbel mit Liebe zum Detail

Manche Möbel füllen einen Raum, andere prägen ihn. Genau für diesen Anspruch steht die de Sede AG aus Klingnau in der Schweiz. Das Unternehmen fertigt exklusive Ledermöbel, die weit über…

„Keep it simple“ - Einfachheit als Geschäftsmodell

Interview mit Stephan Riese, CEO der reputatio systems GmbH & Co. KG

„Keep it simple“ - Einfachheit als Geschäftsmodell

Was braucht ein Unternehmen wirklich, um zu funktionieren? Für Stephan Riese ist die Antwort klarer, als viele denken. Mit reputatio systems entwickelt er Lösungen, die Komplexität reduzieren. Ein Gespräch über…

Spannendes aus der Region Alb-Donau-Kreis

Erfassen, verstehen und umsetzen

Interview mit Wolfgang Volz, Geschäftsführender Gesellschafter der digital ZEIT GmbH

Erfassen, verstehen und umsetzen

Seit 40 Jahren gehört die digital ZEIT GmbH zu den Vorreitern im sich schnell wandelnden Markt für Zeiterfassungslösungen und Zutrittskontrollsysteme. In all dieser Zeit hat sich eines jedoch nie geändert…

„Innovationskraft und Nachhaltigkeit seit 50 Jahren“

Interview mit Ludwig Kränzle, Geschäftsführer der Josef Kränzle GmbH & Co. KG

„Innovationskraft und Nachhaltigkeit seit 50 Jahren“

Die Josef Kränzle GmbH & Co. KG steht seit 50 Jahren für Qualität, Innovation und nachhaltige Hochdruckreinigungstechnik. Als führender Hersteller setzt das Unternehmen auf modernste Lösungen für Industrie, Handwerk und…

„Wir sprechen IT“ – und leben es.

Interview mit Volker Lehnert, Geschäftsführer der c-entron Software GmbH

„Wir sprechen IT“ – und leben es.

ERP-Software für Systemhäuser – spezialisiert und ganz nah am Kunden: Die c-entron Software GmbH aus Ulm zählt seit Jahren zu den führenden Anbietern in ihrer Nische. Im Gespräch mit Geschäftsführer…

Das könnte Sie auch interessieren

Energie neu denken: Wie Kölns Uni­klinik Effizienz und Zukunft sichert

Interview mit Prof. Dr. Peter Heinen, Geschäftsführer der medfacilities Energie GmbH und Dipl.-Ing. Bernd Oerder, Bereichsleiter Energie- und Produktmanagement der Uniklinik Köln

Energie neu denken: Wie Kölns Uni­klinik Effizienz und Zukunft sichert

Steigende Energiekosten, Klimawandel und eine hochkomplexe technische Infrastruktur stellen Krankenhäuser vor enorme He­rausforderungen. Die medfacilities Energie GmbH geht sie mit einer Energie- und Technologieoffensive an. Wirtschaftsforum sprach mit Prof. Dr.…

Den Netzausbau weiter vorantreiben

Interview mit Dr. Thomas Schoenemann, Geschäftsführer der IMD Infrastruktur GmbH

Den Netzausbau weiter vorantreiben

Was haben die Gas-, Wasser-, Strom- und Fernwärmenetze in Deutschland gemeinsam? Bei allen besteht deutlicher Ausbau- und Sanierungsbedarf – und genau an dieser Stelle engagiert sich die IMD Infrastruktur GmbH…

„Die Zeitarbeit muss ihr Schattendasein hinter sich lassen!“

Interview mit Dr. Eckart Gaude, CEO der ZAG Zeitarbeits-Gesellschaft GmbH

„Die Zeitarbeit muss ihr Schattendasein hinter sich lassen!“

Seit 1984 tritt ZAG als schlagkräftiges Zeitarbeitsunternehmen im Markt auf – und setzt dabei auf einen dezidiert menschlichen Ansatz. Im Interview mit Wirtschaftsforum sprach CEO Dr. Eckart Gaude darüber, wie…

TOP