„Es gibt spannende Märkte jenseits der LED“

Interview mit Dr. Stefan Tews, Geschäftsführer der Litec-LLL GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Tews, schon seit über zwei Jahrzehnten tritt Litec-LLL mit einer breiten Expertise im LED-Markt auf – welche Innovationen standen in dieser Zeit für Sie im Vordergrund?

Dr. Stefan Tews: Um die Jahrtausendwende wurde bekanntermaßen der erste blaue LED-Chip entwickelt, mit dem weißes Licht erzeugt werden konnte – ein technisch durchaus komplexer Vorgang, denn das geht eben nur durch eine energiereiche Anregungsstrahlung und ein passendes Leuchtstoffsystem, da sich weißes Licht immer additiv aus den verschiedenen spektralen Anteilen zusammensetzt. In diesen Weißlicht-LED-Markt sind dann auch wir ziemlich schnell eingestiegen. Als wir damit um die Jahrtausendwende anfingen, lag die Leistung noch bei 20 bis 30 Lumen/Watt. Inzwischen erreichen wir die zehnfachen Werte und sind somit zur effizientesten Lichtquelle avanciert, die es überhaupt gibt – weit vor der bekannten Leuchtstoffröhre. 

Wirtschaftsforum: Welche Innovationen stehen heute im Fokus Ihrer Aufmerksamkeit? 

Dr. Stefan Tews: Gerade in unserem Marktsegment steigen die Anforderungen an qualitativ hochwertiges Licht – also einen möglichst hohen Color Rendering Index – unentwegt. Gleichzeitig werden Vollspektrum-LEDs immer interessanter, mit denen wir uns dem Sonnenlichtspektrum immer weiter annähern. Inzwischen wurde ja eine Vielzahl an Studien über den Einfluss des Lichts auf den menschlichen Körper veröffentlicht – auch wir haben an einer Forschungsarbeit zum Thema Human-Centric Light mitgewirkt, die an der Berliner Charité entstand. Heute wissen wir, dass sich zu viel blaues Licht am Abend negativ auf die Qualität des Schlafes auswirkt; morgens hingegen löst es unseren Awareness-Modus aus und steigert zudem unsere Lese- und Lernleistung wie auch unsere Produktivität am Tag. Darüber hinaus konnte die LED-Beleuchtung in den letzten Jahren maßgeblich zur Effizienzsteigerung in Elek­tronikprodukten beitragen – man denke etwa an die Akkulaufzeit von Laptops, die maßgeblich von der deutlich effizienteren Hintergrundbeleuchtung der Displays getrieben wurde. 

Wirtschaftsforum: Auf welche Märkte zielen Sie mit Ihren Produkten ab – und wie eng arbeiten Sie dabei mit Ihren B2B-Kunden zusammen? 

Dr. Stefan Tews: Generell ist unser Markt sehr preisgetrieben – das muss man anerkennen. In diesem Zuge ist auch ein Großteil der LED-Industrie nach China abgewandert. Bei Massenprodukten, wie sie etwa in der Straßenbeleuchtung zum Einsatz kommen, könnten wir somit kaum im Wettbewerb bestehen. Stattdessen fokussieren wir uns auf Nischenmärkte, in denen wirklich hochwertige Erzeugnisse verlangt werden, wo dann verlässliche Partner auf unsere Expertise bauen – unter anderem in der Automobilindustrie oder in anderen Segmenten der Hochtechnologie. Grundsätzlich gehen wir mit unseren Kunden dabei zunächst in ein offenes Brainstorming, um die bestmögliche Lösung für den gegebenen Anwendungsfall zu ermitteln. Darauf folgen dann bisweilen noch ein paar iterative Verbesserungsrunden, bis am Schluss ein schönes und langlebiges Produkt steht. 

Wirtschaftsforum: Welche Veränderungen hält die Zukunft für Litec-LLL bereit? 

Dr. Stefan Tews: Es gibt spannende Märkte für Leuchtstoffe jenseits der LED – etwa bei der Brand Protection, denn gerade die Pharmaindustrie hat viel mit Produktpiraterie zu kämpfen, bei der optische Track-and-Trace-Lösungen eine wichtige Innovation darstellen, um zu gewährleisten, dass Patienten bisweilen lebenswichtige Präparate auch tatsächlich erhalten. Gleichzeitig können Leuchtstoffe auch im Recycling effizientere Prozesse ermöglichen – etwa bei der Trennung der beiden Kunststoffarten LDPE und HDPE: Hier kann bei der Verarbeitung etwa ein Marker beigemischt werden, der sich bei der Wiederaufbereitung am Ende des Produktlebenszyklus mittels Leuchtstoffen identifizieren lässt, wodurch sich der Aufwand bei der Vorsortierung beträchtlich verringert. 

Wirtschaftsforum: Welche Vision treibt Sie für die Zukunft an? 

Dr. Stefan Tews: Ich würde mich freuen, wenn wir unsere starke Leuchtstoffchemie in Europa erhalten könnten. Die Leuchtstoffforschung an der hiesigen Universität Greifswald wurde ja einst 1940 aufgenommen – bis zum verdienten 100-jährigen Jubiläum muss also noch einige Zeit vergehen. Allgemein sehe ich die Abwanderung immer weiterer Industriezweige skeptisch – denn allein mit Dienstleistungen wird sich der Wohlstand in Deutschland wohl kaum halten lassen, auch wenn bei manchen Industrien, etwa der Produktion von LCD-Fernsehern, eine gewisse Zentralisierung durchaus sinnvoll sein kann. Zur Stärkung unseres Standorts müssen jedoch alle – von der Regierung bis zur Indus­trie – an einem Strang ziehen. Nur so können wir uns auch Alternativen zu den seltenen Erden aus China erschließen, um dadurch auch geopolitisch resilienter zu werden. Subventionen machen als Anschubhilfe für neue Technologien zudem wahrscheinlich deutlich mehr Sinn als etwa beim altbekannten Kohlepfennig.

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