Schutz für die Retter

Interview mit Anne-Lise Artaud, Marketing Managerin der LION EMEA BV

Wirtschaftsforum: Frau Artaud, LION EMEA verfolgt die klare Mission, Feuerwehrleute im Dienst bestmöglich zu schützen – wie sorgen Sie dafür, dieses Ziel im gelebten Alltag auch zu erreichen?

Anne-Lise Artaud: LION stammt ursprünglich aus den USA und blickt in seinem Heimatmarkt bereits auf eine über 125 Jahre währende Geschichte zurück – der klare Fokus liegt dort auf der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von persönlicher Schutz­ausrüstung. Diese gewährleistet nicht nur unter den extremen Bedingungen außer Kontrolle geratener Brände die Sicherheit der Ersthelfer, sondern bietet ihnen gleichermaßen die Freiräume, die sie benötigen, um sich in ihrer Kleidung und mit ihrem Equipment frei bewegen und sich voll auf den Einsatz konzentrieren zu können. Unsere Tochtergesellschaft LION EMEA fokussiert sich mit ihren Aktivitäten in Europa, Asien, dem Nahen Osten sowie dem Pazifikraum hauptsächlich auf den Bereich Schulung und Weiterbildung. 

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen bestehen in diesem Kontext genau – und wie kann LION ihnen begegnen? 

Anne-Lise Artaud: Egal ob Sie eine Freiwillige Feuerwehr, staatliche Rettungskräfte oder die Werksfeuerwehr einer Chemiefabrik fragen: Jeder wird der Behauptung zustimmen, dass der konsequenten Vorbereitung auf den Ernstfall eine Schlüsselrolle zukommt, damit alle Beteiligten richtig reagieren können, wenn es darauf ankommt: Denn dann stehen im Zweifel Menschenleben auf dem Spiel und jeder Handgriff muss sitzen. Dazu muss man diese Einsatzsituation jedoch regelmäßig üben – eingespielte Routinen sind schließlich entscheidend, damit niemand in eine Schockstarre verfällt, wenn es einmal ernst wird. Doch eine Übung unter realen Bedingungen ist nicht nur aufwendig, kostspielig und im Zweifel gesundheitsschädlich, sondern auch im Hinblick auf die Umweltauswirkungen nicht unproblematisch. Schließlich werden giftige Dämpfe freigesetzt, wenn etwa Holz oder Gas verbrannt wird, um einen Brand zu simulieren. Inzwischen hat LION EMEA jedoch ein Konzept entwickelt, bei dem es auch anders geht. 

Wirtschaftsforum: Welche Alternativen stehen dabei zur Verfügung? 

Anne-Lise Artaud: Mit einer digitalen Schulungstechnologie, die Feuer weitgehend realistisch simuliert, lassen sich bereits etwa drei Viertel des Übungsbedarfs abdecken. Hier können die Teams einstudieren, welche Techniken sie im Ernstfall wie anwenden würden, und sie können das, was sie in der Theorie schon verstanden haben, in die Praxis umsetzen – zu einem Bruchteil der Kosten. Im nächsten Schritt kann dann eine Feuersimulation mithilfe von Gas erfolgen – damit rücken wir schon deutlich näher an die realen Brandumstände heran, allerdings ohne die mit der Verbrennung anderer Stoffe einhergehenden Gesundheits- und Umweltrisiken. Am Schluss kann immer noch eine letzte Übung unter realen Bedingungen erfolgen – bei deutlichen Kosteneinsparungen und wesentlich niedrigeren Gesundheits- und Umweltrisiken. 

Wirtschaftsforum: Müssen Sie mit Ihren Lösungen auch den verschiedenartigen Anforderungen von Feuerwehrleuten in Europa und Amerika Rechnung tragen? 

Anne-Lise Artaud: Es gibt durchaus Unterschiede: Amerikanische Ersthelfer neigen eher dazu, zügig in ein betroffenes Gebäude einzudringen und die Brände dann sehr schnell und entschlossen zu bekämpfen. Dazu benötigen sie robustes Equipment, das auch über längere Zeit hohen Temperaturen standhält. Ihre europäischen Kollegen sind dagegen eher dafür bekannt, zuerst einmal genau zu analysieren, um was für einen Brand es sich handelt und ob überhaupt jemand das entsprechende Gebäude betreten muss, um das Feuer zu löschen, bevor sie schließlich sehr planvoll, teilweise richtiggehend akrobatisch vorgehen. Hier muss die Schutzkleidung also vor allem auch auf eine größtmögliche Beweglichkeit ausgelegt sein. 

Wirtschaftsforum: Inwiefern engagiert sich LION EMEA auch über den reinen Schulungsbedarf hinaus? 

Anne-Lise Artaud: Wir möchten Feuerwehrleute vor, während und nach dem Einsatz so ganzheitlich wie möglich unterstützen – zum Beispiel auch bei der Reinigung und Wiederaufbereitung des Equipments, damit es anschließend für den nächsten Ernstfall bereit ist. Auch diese Arbeiten sind alles andere als trivial oder ungefährlich. Perspektivisch werden wir unser Produktportfolio noch deutlich ausweiten, um auch in Europa sämtliche Lösungen anbieten zu können, die LION hierzu im Heimatmarkt USA entwickelt hat. Ferner bieten wir inzwischen auch entsprechende Miet- und Leasing-Lösungen an, wenn etwa die Beschaffung eines Übungssystems für eine bestimmte Feuerwehreinheit wirtschaftlich nicht vertretbar wäre – zum Beispiel für Schulungen für besondere Brandarten, die im jeweiligen Einsatzgebiet nur selten bekämpft werden müssen. Wer sich ein detailliertes Bild von unserem Portfolio machen möchte, sei im Juni 2026 herzlich zur Interschutz in Hannover eingeladen, wo wir uns über jeden Kontakt freuen.

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