Gut und sicher verpacken geht auch nachhaltig

Interview mit Dott. Anselmo Pagani, Vorstandsmitglied, Sales Manager, 2. Generation der Limea-Fisma SPA

Wirtschaftsforum: Herr Pagani, die Limea-Fisma SPA ist ein Familienunternehmen, das auf die Nachkriegsjahre zurückgeht.

Anselmo Pagani: Das ist richtig. Mein Vater und Onkel, Luigi und Domenico Pagani, gründeten 1947 eine kleine Fabrik für Metallteile. In den 1970er-Jahre entwickelten sie konische Eimer, die man besser stapeln und transportieren konnte als die zylindrische Form. Dank dieser Pionierleistung konnte das Unternehmen – damals noch unter dem Namen Limea – früh auch in entfernte Länder verkaufen und rasant wachsen. Mit dem Kauf von Fisma in den 1980er-Jahre firmierten wir zu Limea-Fisma. Dank weiterer Zukäufe, besonders von Ferlatta, einem der wichtigsten Player für Lackierung und Offsetdruck auf Metall, beherrschen wir heute den gesamten Produktionsprozess. Insgesamt beschäftigen wir an drei Firmensitzen 150 Mitarbeiter und exportieren unsere Produkte erfolgreich in etwa 25 Länder, vor allem in Europa, Osteuropa, Afrika und die Karibik. Unsere Exportquote beträgt 75%.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich die Coronakrise für Limea-Fisma ausgewirkt?

Anselmo Pagani: Im letzten Jahr haben wir trotz der Krise einen Umsatz von 46 Millionen EUR erzielt. In diesem Jahr halten wir ein Jahresergebnis von 60 Millionen EUR für realistisch, das entspricht einem 30%-igen Zuwachs im Vergleich zu vorher. Die Nachfrage ist enorm. Wir investieren in Qualität und Nachhaltigkeit. Nach ISO 9001 streben wir nun ISO 14000 an. Metallverpackungen sind wieder voll im Trend, da man erkannt hat, dass die billigeren Kunststoffverpackungen ein großes Problem für die Umwelt und die Welt als solche darstellen. Unser Rohstoff ist zu 100% recycelbar, eine bleibende Ressource.

Wirtschaftsforum: Ihr Produktsortiment richtet sich ausschließlich an die Industrie?

Anselmo Pagani: Unser Kerngeschäft sind Metallverpackungen für chemische Produkte wie Farben, Lacke, Lösungsmittel und ähnliche Produkte. Mit unserer Spezialisierung auf die chemische Branche sind wir heute einer der drei wichtigsten Player in Italien. Wir liefern eine breite Palette für den Gefahrguttransport zugelassener Verpackungen. Unser Sortiment umfasst Füllmengen von 0,5 l bis 30 l. Zur Auswahl stehen Verpackungen mit konischem, zylindrischem oder rechteckigem Querschnitt und teilweiser oder vollständiger Öffnung. Außerdem bieten wie Stahlfässer bis zu einer Füllmenge von 70 l an.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die Gründe für den Erfolg von Limea-Fisma?

Anselmo Pagani: Wir verfügen über langjährige Erfahrung und hohe Kompetenz. Das, was wir machen, machen wir gut. Dank unserer hochwertigen Qualität haben wir zum Beispiel Erfolg in Afrika, obwohl lokale Hersteller dort preisgünstigere Produkte anbieten. Wir sind sehr präsent in den sozialen Medien. Wir legen Wert darauf, uns als eine italienische Firma mit Passion zu präsentieren, die mit derselben Präzision und Pünktlichkeit arbeitet wie ein deutsches Unternehmen. Zugleich sind wir sehr flexibel. Wir sind ein gutes Team und können als mittleres Familienunternehmen schnelle Entscheidungen treffen, exakt auf Bedürfnisse eingehen und Lieferzeiten verkürzen. Die Kunden wissen das sehr zu schätzen.

Wirtschaftsforum: Herr Pagani, welche Strategie verfolgen Sie im Hinblick auf die Zukunft?

Anselmo Pagani: Wir investieren viel in die Digitalisierung und Industrie 4.0, zum Beispiel in neue digitale Produktionslinien. Dafür sind in den nächsten Jahren zehn Millionen EUR vorgesehen. Unser Ziel ist es immer kostengünstiger, aber auch immer ʻgrünerʼ zu produzieren und negative Auswirkungen auf die Umwelt gen null zu fahren. Dank unserer Fotovoltaikanlagen sind wir energieunabhängig. Im Export sehen wir Afrika als Kontinent der Zukunft: Es gibt eine junge Bevölkerung und Quellen für Rohmaterial. Dort wie auch in jedem anderen Gebiet, in das wir exportieren, stellen wir uns auf die lokale Mentalität und Kundenwünsche ein. Dennoch bleibt die zentrale Botschaft, dass es um italienische Produkte in hochwertiger Qualität und Gestaltung geht. Seit 1947 ist unser Unternehmen in der Hand derselben Familie. Meine Arbeit erfüllt mich seit 30 Jahren mit großem Enthusiasmus. Für das, was ich verkaufe, stehe ich mit meinem Namen. In diesem Zusammenhang möchte ich auf ein zehnminütiges Interview hinweisen, das ich dem Sender Sky Business 24 gemeinsam mit meiner Schwester Lucia gegeben habe. Hier geht es um die Vorstellung historischer italienischer Firmen. Den Link zum Interview findet man auf unserer Website.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Kunststoff, Metall, Holz & Co.

Kunststofftechnik als Spezialdisziplin

Interview mit Nils Krüger, Geschäftsführer der Arthur Krüger GmbH

Kunststofftechnik als Spezialdisziplin

Kunststoffe sind aus modernen Industrieprozessen nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an individuelle Lösungen, Materialkompetenz und Verarbeitung. Die Arthur Krüger GmbH hat sich deshalb vom klassischen Halbzeughändler zum Spezialisten…

Vom Handwerk zur inter­nationalen Hochbaustrategie

Interview mit DI (FH) Michael Schranz, Geschäftsführer der Handler Bau GmbH

Vom Handwerk zur inter­nationalen Hochbaustrategie

Vom regionalen Zimmereibetrieb zum innovativen Totalunternehmer: Die Handler Bau GmbH hat sich in mehr als 160 Jahren zu einem führenden Player im großvolumigen Wohn- und Hochbau entwickelt. Im Gespräch erläutert…

„Unsere Produkte sind exotisch  und hochkomplex!“

Interview mit Dr. Sandro Silverio, Geschäftsführer der GAPI Technische Produkte GmbH

„Unsere Produkte sind exotisch und hochkomplex!“

Als Teil der GAPI-Gruppe stellt die GAPI Technische Produkte GmbH hochkomplexe Produkte aus dem Kunststoff Torlon® PAI (Brand GAPI PAI GLon™) her, mit denen sie anschließend vornehmlich große Fahrzeug-OEMs und…

Spannendes aus der Region Marcallo con Casone (MI)

Innovative Schmiedetechnik für höchste Ansprüche

Interview mit Giuseppe Pons, Head of Sales und Pietro Solarino, Technical Sales Manager sowie Susanna Ripamonti, Marketing Managerin der MasperoTech S.r.l.

Innovative Schmiedetechnik für höchste Ansprüche

Die Metallverarbeitung hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Während traditionelle Verfahren weiterhin gefragt sind, setzen moderne Unternehmen zunehmend auf technologische Innovationen und nachhaltige Prozesse. MasperoTech S.r.l., mit Sitz…

Reibungslos bei extremen Einsätzen – Schmierung mit Präzision

Interview mit Patrick Meyer, Geschäftsführer der Meyerlub s.r.l.

Reibungslos bei extremen Einsätzen – Schmierung mit Präzision

Während sich viele Branchen mit Digitalisierung, Automatisierung oder KI-Lösungen beschäftigen, bleibt eine technische Grundvoraussetzung für nahezu alle Prozesse unverändert: Maschinen brauchen Schmierung. Ohne sie steht alles still – ob in…

Kreativität trifft Markenstrategie

Interview mit Koici Tschang, CEO der Osama S.p.A.

Kreativität trifft Markenstrategie

Ob Schreibwaren, Kreativprodukte oder Designobjekte für den Wohnbereich – der italienische Markenanbieter Osama S.p.A. hat sich in fast sechs Jahrzehnten vom Importeur japanischer Schreibgeräte zu einem diversifizierten, internationalen Unternehmen entwickelt.…

Das könnte Sie auch interessieren

Schmierstoffkompetenz, die Prozesse besser macht

Interview mit Dipl.-Ing. Andreas Pawlik, Geschäftsführer der Jokisch GmbH

Schmierstoffkompetenz, die Prozesse besser macht

Schmier- und Kühlschmierstoffe sind in der Metallbearbeitung ein entscheidender Prozessfaktor: Sie kühlen und schmieren beim Zerspanen, verbessern Oberflächen, verlängern Werkzeugstandzeiten und helfen, Qualität sowie Taktzeiten stabil zu halten. Gleichzeitig steigen…

Wenn Technik Kultur berührt

Interview mit Franca Borzaga, Gründungspartnerin und Mitglied des Verwaltungsrats Metal Working S.r.l.

Wenn Technik Kultur berührt

Aufzüge sind Alltagsinfrastruktur – bis sie plötzlich zum Prestigeprojekt werden: etwa dann, wenn ein Lift ins Kolosseum integriert werden soll, ohne jahrtausendealte Mauern anzutasten. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich…

Handwerk mit Weitblick

Interview mit Ralf Rohwer, Geschäftsführer der ROHWER STAHL & METALLBAU GmbH

Handwerk mit Weitblick

Der Metallbau steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Steigende Anforderungen an Ergonomie, Fachkräftegewinnung und digitale Abläufe verändern die Arbeit auf der Baustelle und in der Werkstatt. Unternehmen, die diese Entwicklungen aktiv gestalten,…

TOP