„Menschen ein Lächeln schenken und in diesem Sinne forschen“

Interview mit Dr. Kirsten Wittling, Cluster General Manager DACH Dr. Holger Storcks, Cluster Public Affairs & Patient Advocacy Director der Kyowa Kirin GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Dr. Wittling, wie ist das Unternehmen entstanden und wie ist es heute aufgestellt?

Dr. Kirsten Wittling: 1907 wude die Kirin Brauerei gegründet. In 1949 gründete sich mit der Kyowa Hakko die erste Pharmasparte des Unternehmens, die sich durch mehrere Zukäufe zu dem Unternehmen entwickelte, das es heute ist: ein globales Spezialpharmaunternehmen. In Europa und dem Mittleren Osten sind wir in 20 Märkten tätig und seit mehr als zehn Jahren in Deutschland vertreten. Als Unternehmen mit japanischen Wurzeln lag es nahe, sich in der ʻgeheimen japanischen Hauptstadtʼ Düsseldorf anzusiedeln. Von hier aus betreuen wir auch Österreich und die Schweiz. Weltweit beschäftigen wir rund 5.400 Mitarbeiter, davon über 100 in Deutschland, mit steigender Tendenz. Mit unseren Therapien unterstützen wir derzeit vor allem Patienten in den Bereichen Onkologie und Nephrologie, mit einem starken Fokus auf seltene Erkrankungen.

Wirtschaftsforum: Warum ist die Forschung im Bereich der seltenen Erkrankungen so wichtig?

Dr. Kirsten Wittling: Es gibt weltweit etwa 6.000 bis 8.000 seltene Erkrankungen, von denen bisher nur ein Bruchteil behandelbar ist. Deshalb ist es so wichtig, dass Firmen auch in diese Nischenerkrankungen investieren und auf diesem Gebiet forschen. Bei den seltenen Erkrankungen kann es gemäß einer Umfrage der EURODIS viele Jahre und manchmal sogar Jahrzente dauern, bis ein Patient seine endgültige Diag-nose bekommt. Ein Beispiel für eine solche Erkrankung ist der genetisch vererbte Phosphatdiabetes (XLH). Viele Erwachsene mit XLH leiden unter dieser Erkrankung, ohne die richtige Diagnose erhalten zu haben. Wenn sie dann endlich mitgeteilt bekommen, woran sie leiden, ist das für sie eine unglaubliche Erleichterung. Wir möchten durch unsere Arbeit die Diagnosezeit verkürzen und die Therapie verbessern.

Dr. Holger Storcks: Dabei sind Partnerschaft und Vernetzung für uns sehr wichtig. Wir sehen uns nicht nur als Lieferant von Medikamenten, sondern als Partner innerhalb des Gesundheitssystems. Wir möchten dazu beitragen, die Versorgung der betroffenen Menschen zu verbessern und bringen uns hierzu in entsprechende Diskussionen ein. Um eine Vorstellung von der Häufigkeit der seltenen Erkrankungen zu bekommen: An dem kutanen T-Zell-Lymphom erkrankt jährlich einer von 100.000 Menschen neu, das wären etwa 830 in Deutschland. Die Diagnosezeit liegt hier bei zwei bis sieben Jahren.

Wirtschaftsforum: Sind die seltenen Erkrankungen im Bewusstsein der Menschen und der Pharmabranche angekommen?

Dr. Kirsten Wittling: Den Betroffenen und deren Anghörigen stehen mehr und mehr Informationen zur Verfügung. Dies ist nicht zuletzt das Verdienst der vielen extrem engagierten Selbsthilfeorganisationen. Aber es gibt weiterhin viel zu tun. Auch wir setzen uns aktiv für eine breite Aufklärung ein. Ebenso natürlich für die Entwicklung neuer Therapien. Bis zur Marktreife eines Wirkstoffes kann es dabei bis zu 20 Jahre dauern. In dieser Zeit wird viel investiert, um einer kleinen Gruppe betroffener Patienten zu helfen. Bei Markteinführung sind die Therapien dann häufig teurer als Medikamente für häufigere Erkrankungen. Dafür fehlt oft das Verständnis.

Wirtschaftsforum: Kyowa Kirin ist ein japanisches Unternehmen. Wie japanisch ist Ihre Unternehmenskultur?

Dr. Kirsten Wittling: Kyowa Kirin steht für ein hohes Maß an Diversität. In der DACH-Region beschäftigen wir 23 Nationalitäten und versuchen, von den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zu profitieren. Daneben pflegen wir japanische Werte wie Teamwork, Innovation und Integrität. Über all dem steht unser Einsatz für das wertvollste Gut auf unserem Planeten – das Leben. Unser Ansporn ist es dabei, den Menschen in allem was wir tun ein Lächeln zu schenken.Das ist meines Erachtens eine sehr universelle und kulturübergreifende Vision, die auch über Japan hinaus greift.

Dr. Holger Storcks: Kyowa Kirin versteht sich als globales Unternehmen, das die Vielfalt sämtlicher Kulturen zum Wohle der Patienten nutzen möchte, ohne dabei die japanischen Wurzeln aus den Augen zu verlieren. Wir vereinen sozusagen das Beste aus mehreren Welten.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich jeden Tag an?

Dr. Kirsten Wittling: Für mich ist es unheimlich motivierend zu sehen, wir viel besser es den Patienten gehen kann, nachdem sie die richtige Diagnose und Zugang zu einer adäquaten Therapie erhalten haben. Das ist es, was mich und unsere Mitarbeiter täglich antreibt.

Dr. Holger Storcks: Absolut. Der Wunsch nach Sinnstiftung war für mich einer der zentralen Gründe, beruflich im Gesundheitswesen tätig zu werden. In meiner Rolle bei Kyowa Kirin kann ich mich für Themen einsetzen, die eine hohe und nachhaltige soziale Relevanz haben. Das empfinde ich als extrem motivierend.

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