Die Art zu sein: Möbel mit Individualität

Interview mit Stefano Magagnin, Sales Manager DACH, FR, GB der Kristalia Srl

Wirtschaftsforum: Herr Magagnin, woher kommt der Name Kristalia?

Stefano Magagnin: Er verbindet das Wort ‘Kristall’ mit ‘Italia’ für ‘made in Italy’. Denn in ihren Anfängen war die Firma auf Einrichtungselemente aus Glas spezialisiert. Gegründet wurde sie 1994 von einer Gruppe junger Leute aus dem Friaul, der hiesigen Region, die eine große Leidenschaft für Jazz hatten.

Wirtschaftsforum: Jazz verbindet man nicht unbedingt mit Einrichtungsgegenständen ...

Stefano Magagnin: Stimmt. Trotzdem gehört das Thema Jazz zu unserer Art des Seins. Innerhalb des Unternehmens gibt es einen ‘Club Kristalia’. Er veranstaltet Jazzkonzerte, aber auch Buchpräsentationen und andere Veranstaltungen, und zwar gratis. Damit wollen wir unserer Region etwas zurückgeben für die Vorteile, die wir durch sie haben, zum Beispiel dadurch, dass wir auf die Kompetenzen der Mitarbeiter von hier zurückgreifen können. Uns ist es aber auch wichtig, Teil des sozialen Gefüges zu sein. Wir möchten etwas zur Kultur beitragen.

Wirtschaftsforum: Kommen wir zurück zur Historie. Wie hat sich Kristalia zu dem Unternehmen entwickelt, das es heute ist?

Stefano Magagnin: Bis Anfang der 2000er-Jahre hat die Firma danach gesucht, was eigentlich ihre Art des Seins war. Dann kam der Erfolg. Wir haben damals ein sehr innovatives System für Ausziehtische entwickelt und auf den Markt gebracht, das später von vielen kopiert wurde. Dieses Produkt war ästhetisch und entsprach genau dem, was wir sein wollten. Der Tisch hatte eine sehr dünne Tischplatte von nur 1 cm Dicke. Er wurde aus Avantgarde-Materialien hergestellt, die eine Nutzung in allen Bereichen ermöglichten. Das Verlängerungssystem war unter dem Tisch versteckt und die Bedienung sehr einfach. Mit diesem Produkt begann unser großes Wachstum, vor allem auf den anspruchsvollen Märkten wie Deutschland, unserem heutigen Hauptmarkt mit einem Anteil von 20%. Mit unserer Kombination aus Technik und Design konnten wir auf internationalen Märkten überzeugen. Die Produktpalette wurde zunehmend erweitert. Bis vor Kurzem war der Minimalismus vorherrschend, den wir mit frischen, fröhlichen Elementen kombiniert haben, um uns als junges, lebhaftes Team zu präsentieren.

Wirtschaftsforum: Wo stehen Sie mit Ihrem Angebot heute?

Stefano Magagnin: In der jetzigen Phase verschieben wir die Aufmerksamkeit vom Angebot eines Produkts zu einem Angebot von Lifestyle-Einrichtungslösungen. Wir haben die Kategorie Polstermöbel aufgenommen und die Anwendungsgebiete um den Outdoorbereich erweitert. Dadurch konnten wir den Bereich Contract einführen. Wir mussten allerdings unsere gesamten Produktentwicklungsprozesse überarbeiten, denn wir wollten Produkte fertigen, die wir in allen Kanälen, in denen wir aktiv waren, also Home, Outdoor und Contract, anbieten konnten. All unsere Produkte werden von externen Designern entworfen, darunter viele internationale und bekannte Namen. Wir wählen sie speziell für die jeweilige Produkttypologie aus. Das ist charakteristisch für unsere Produkte. Sie sind nie gleich, sondern jedes hat seine Besonderheiten, und zwar nicht nur materieller Art. Sie alle haben das Privileg, eine Geschichte zu erzählen.

Wirtschaftsforum: Was ist noch symptomatisch für Ihre Art des Seins?

Stefano Magagnin: Unser Firmensitz, den wir 2015 bezogen haben. Wir haben bewusst nicht neu gebaut, sondern ein altes, verlassenes Gebäude gekauft, um nicht unbebautes Land zu zerstören. Nachhaltigkeit war immer Teil unserer DNA. Eine Fotovoltaikanlage versorgt das Gebäude und einen Teil der Produktion. Bei unseren Produkten legen wir Wert auf eine lange Lebensdauer, sowohl in ästhetischer als auch technischer Hinsicht. 90% unseres Rohmaterials beziehen wir inzwischen aus Italien, vor allem von Zulieferern in der Nähe. Für das Packaging verwenden wir keinen Kunststoff mehr. Und wir holen umweltschädliche Bearbeitungsschritte zurück ins Unternehmen, so etwa die Lackierarbeiten. Wir verwenden dafür Pulverlacke, die weniger umweltbelastend sind. Für unsere Produkte nutzen wir recycelfähigen Kunststoff.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an, und welche Impulse können Sie der Firma geben?

Stefano Magagnin: Das Geheimnis, etwas gut zu machen, ist, es mit Leidenschaft zu machen. Das ist bei mir der Fall, denn hier gibt es immer etwas Neues und Interessantes. Ich bin seit drei Jahren im Unternehmen. Vorher war ich bereits in der Möbelbranche tätig und habe daran mitgewirkt, ein inhabergeführtes Unternehmen in ein managergeführtes umzuwandeln. Bei Kristalia habe ich die Qualität der Produkte und die Umweltfreundlichkeit von Produkten und Prozessen im Fokus. Dahinter steht das Ziel, den anderen immer ein Stück voraus zu sein.

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie in die Zukunft?

Stefano Magagnin: Trotz aller Unsicherheiten, was die Pandemieentwicklung betrifft, sind wir moderat optimistisch. Wir haben auch vom Umsatzwachstum des E-Commerce profitiert und wir haben investiert. Dadurch können wir jetzt virtuelle Besuche unserer Showrooms ermöglichen. Außerdem starten wir demnächst mit einer Van Tour quer durch Europa, um den Kunden unsere Neuheiten ʻins Hausʼ  zu bringen.

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