In Systemen denken

Interview

"Wir sind ein Komponentenlieferant, der sich in Zukunft noch stärker als globaler Systempartner für ganzheitliche Antriebslösungen profilieren wird", betont Ralf Lutter, Mitglied der Geschäftsführung. Der Systemgedanke werde bei KEB großgeschrieben, weil da die Zukunft des weltweit erfolgreichen Unternehmens liege.

Mit modernster elektronischer und elektromechanischer Antriebs- und Steuerungstechnik zählt KEB zu den international führenden Anbietern, die nicht zuletzt eine Vielzahl eigener Patente vorweisen können.

Bescheidene Anfänge

Wie so oft bei namhaften Firmen hat auch die Geschichte des heutigen Weltunternehmens KEB recht bescheiden begonnen. Gegründet wurde KEB bereits 1972 von Karl Ernst Brinkmann. Der Unternehmensgründer begann damals mit gerade fünf Mitarbeitern. "Das ursprüngliche Geschäftsfeld war zu Beginn die Entwicklung und Produktion von Elektromagnetkupplungen und -bremsen" erklärt Ralf Lutter.

Seit Anfang der 1980er Jahre entwickelt und produziert KEB für elektrische Antriebe. Seit den 1990er Jahren werden bei KEB auch Getriebetechnik und Motoren realisiert. Gegenwärtig umfasst das Produktportfolio über die traditionellen elektromagnetischen Kupplungen und Bremsen hinaus vor allem auch Frequenzumrichter, Servosysteme und die Steuerungstechnik. Starten, Stoppen, Positionieren, Steuern und Regeln, so heißt es bei KEB, seien die Aufgaben, für die die KEB-Produkte entwickelt werden.

Vielfältige Anwendungen

Angewendet werden die Produkte des Unternehmens zum Beispiel in Textilmaschinen, in der Kunststofftechnik, bei Holzbearbeitungsmaschinen, Rolltreppen, Aufzügen oder bei Pumpen, Lüftern und Kompressoren. Auch in der Verpackungs- und Nahrungsmittelindustrie sowie bei der Windenergie kommt die Steuerungs- und Antriebstechnik von KEB zum Einsatz.

„Wir sind ein Komponentenlieferant, der sich in Zukunft noch stärker als globaler Systempartner für ganzheitliche Antriebslösungen profilieren wird.“ Ralf Lutter

Ein gutes Beispiel für die intelligenten Lösungen ist die neue Produktreihe KEB COMBIVERT H6. Bei dem modular aufgebauten Antriebssystem für Synchron- und Asynchronmotoren handelt es sich um ein Multi-Achssystem, das über eine Versorgungseinheit eine Vielzahl von Antrieben zentral speist.

Die Servosysteme der Reihe KEB COMBIVERT erfüllen alle Anforderungen, die moderne geregelte Systeme in den führenden Produkten des Maschinen- oder Anlagenbaus heute an Antriebe stellen. Ferner umfasst H6 eine IEC Steuerung, 24V-DC-Versorgung, Einspeisung/Rückspeisung und spiegelt konkret den Systemgedanken wider, den KEB zunehmend in den Mittelpunkt seiner Entwicklungen stelle.

Große Investitionen in Know-how

"Um unser hohes Know-how, unsere Qualität und unsere Innovationskraft zu bewahren, sind wir ein besonders kunden- und technikorientiertes Unternehmen" fasst Ralf Lutter zusammen. Bei KEB seien daher ausschließlich Ingenieure und Techniker in der Kundenbetreuung beschäftigt.

Als Systempartner investiert KEB regelmäßig mehr als zehn Prozent des Umsatzes in die eigene Forschung und Entwicklung. Zudem stellt das Unternehmen durch die hohe Ausbildungstätigkeit sicher, dass KEB auch in Zukunft qualifizierter Nachwuchs zur Verfügung steht.

Als familiengeführtes Unternehmen lege KEB zudem viel Wert auf seine soziale Verantwortung und die entsprechende Unternehmenskultur. Diese Werte machten sich auch bei den Mitarbeitern positiv bemerkbar, sagt Ralf Lutter. "Die Leute arbeiten gern bei uns in der Region. Wir haben bei den Beschäftigten einen guten Ruf."

Exportstärke mit zukunftweisenden Produkten

Mittlerweile sind es weltweit rund 1.200 Mitarbeiter, die für KEB in etwa 30 Ländern arbeiten. Die Internationalisierung des Unternehmens hat schon früh begonnen und setzt sich erfolgreich weiter fort. Der Exportanteil von KEB liegt derzeit bei 65 Prozent. Ralf Lutter beobachtet hier eine steigende Tendenz.

Das Auslandgeschäft findet hauptsächlich auf den westeuropäischen Märkten in Italien, Frankreich, Großbritannien, Belgien und Österreich statt. Doch auch in China und Nordamerika ist KEB stark. Eigene Produktionsstätten unterhält KEB im japanischen Shinjo, in Shakopee in Minnesota (USA) und in der Nähe von Shanghai in Songjiang.

Entsprechend international fällt auch die Messe-Präsenz der Ostwestfalen aus: KEB tritt zum Beispiel auf den deutschen Messen SPS/IPC/DRIVES und Hannover Messe auf, war aber zuletzt noch bei der Windpower im amerikanischen Atlanta zu sehen. Hinzu kommen Fachmessen von Brasilien bis Tokyo.

Ein wiederkehrendes Thema bei diesen Messen: die praktische Umsetzung der Energiewende. "Bei den erneuerbaren Energien werden unsere Frequenzumrichter, Servomotoren und Steuerungssysteme für Windkraftanlagen sicher eine wichtige Rolle spielen", prophezeit Ralf Lutter.

Blick nach vorn

"Es gehört zu unseren Erfolgsfaktoren, dass sich unsere Unternehmensstrategie an zukunftweisenden Projekten ausrichtet", unterstreicht Ralf Lutter. Den elektrischen Antrieben gehöre in den kommenden Jahrzehnten ein wachsender Markt.

So hofft Ralf Lutter denn auch, dass es KEB gelingen werde, in Zukunft ein organisches Wachstum zu realisieren. Denn: "Wir stehen noch in einer Nische – aber mit individuellen Produkten nach Kundenvorgabe und mit unserem Portfolio können wir hier eine umfassende Palette anbieten."

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