„Häuser so individuell wie die Menschen“

Interview mit Josef Haas, Geschäftsführender Gesellschafter der KAMPA GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Haas, seit wann existiert Ihr Unternehmen und wie ist es heute aufgestellt?

Josef Haas: Die KAMPA GmbH wurde am 1. Juli 2009 neu gegründet, nachdem die KAMPA AG insolvent war. Wir haben mit neun Mitarbeitern angefangen. Heute produzieren wir in drei Fertighausfabriken, haben ein Holzhochhaus mit Backoffice und 26 Musterhäuser in Deutschland. Unser Auftragsbestand liegt aktuell bei über 350 Millionen EUR. Das stemmen wir mit 500 Mitarbeitern. Unser Jahresumsatz liegt bei 150 Millionen EUR.

Wirtschaftsforum: Eine stattliche Größenordnung. Welche Faktoren haben denn dazu geführt, dass KAMPA so gewachsen ist?

Josef Haas: Wir sind Marktführer bei Plusenergiehäusern. Das bedeutet, wir bauen energieeffiziente Häuser, die weniger Energie verbrauchen, als sie produzieren. Durch die Förderungen aus Berlin – die KfW fördert ja immer mehr – ist die Attraktivität unserer Häuser stark gestiegen. Dazu kommt, dass, wenn man den künftigen Ansprüchen der Bundesregierung gerecht werden möchte, man unbedingt heute schon ein Plusenergiehaus bauen muss. Das GEG fordert, dass der selbst produzierte Strom eines Plusenergiehauses lediglich für Heizung beziehungsweise Kühlung und Warmwasser ausreichen muss. Dies ist uns bei KAMPA zu wenig. Wir beziehen auch die Hausgeräte und die Beleuchtung in unser energieeffizientes Gesamtkonzept ein. Und wir setzen auf Holz und sind damit auf der Sonnenseite des zukünftigen Bauens. Das Holzhaus boomt in Deutschland. Für unsere Kunden ist aber noch etwas ganz wichtig: unsere Menschlichkeit. Wir sind ein Team und möchten gemeinsam etwas erreichen.

Wirtschaftsforum: Corona hat viel verändert – auch die Vorlieben, was das Bauen angeht?

Josef Haas: Definitiv. Die Pandemie hat eine regelrechte Stadtflucht ausgelöst, vor allem bei Familien. Das ländliche Wohnen mit Garten hat einen höheren Stellenwert bekommen. Bis vor einem Jahr hatten wir vor allem junge Familien als Kunden. Seit Corona kommen auch viele ältere Menschen zu uns, die raus aus der Stadt wollen. Außerdem ist das Wohnen im Garten sehr wichtig geworden: Viele Leute wollen Whirlpools, überdachte Terrassen oder Sonnensegel – das bedeutet für uns Bauen 360 Grad. In den letzten zwölf Monaten haben wir unsere Produktpalette enorm erweitert und Wohnkonzepte entwickelt, die den Garten miteinbeziehen.

Wirtschaftsforum: Gibt es noch weitere Trends im Hausbau?

Josef Haas: Ja, die Menschen möchten unabhängig leben. Energie ist natürlich ein großes Thema. Hier bieten wir mit unseren Plusenergiehäusern eine ausgezeichnete Lösung. Das System funktioniert so: Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach wird Energie produziert. Diese wird gespeichert. Ein Teil wird verbraucht durch die Haushaltsgeräte, Licht und die zentrale Lüftungsanlage. Was nicht verbraucht wird, geht in eine Batterie, in E-Mobilität oder ins öffentliche Netz. Niemand bietet ein so geschlossenes System wie wir. Alles aus einer Hand, von einem Hersteller statt dem oft üblichen Fabrikate-Mix. Wir realisieren es zusammen mit der Firma Viessmann in Allendorf. Inklusive dem Viessmann-Systemzertifikat, welches diesen hohen Anspruch an Energieeffizienz, Wartungsfreundlichkeit sowie Service bestätigt.

Wirtschaftsforum: Spielt das Thema Smart Home für Ihre Kunden eine große Rolle?

Josef Haas: Ja, die Digitalisierung im Haus spielt heute eine extrem große Rolle. Familien möchten zum Beispiel die Energieproduktion und den Energieverbrauch visualisieren. Licht- und Heizungssteuerungen erhöhen den Wohnkomfort. Ganz wichtig sind Alarmsysteme – Sicherheit wird immer wichtiger.

Wirtschaftsforum: Wie sieht das typische KAMPA-Haus aus?

Josef Haas: Typisch gibt es bei uns nicht. Jedes Ein- und Zweifamilienhaus wird individuell geplant und vom Architekten umgesetzt. Unsere Häuser sind so individuell wie die Menschen. Unser Slogan lautet: ‘Wir bauen Häuser für Menschen mit Werten’. Es geht um Verantwortung. Jedes Jahr bauen wir mehr als 500 Einfamilienhäuser – und über 100.000 m² Wohnfläche aus Holz. Wir bauen schlüsselfertig in 25 Wochen und mit Festpreisgarantie. Die haben wir auch trotz der nicht kalkulierten Rohstoffpreiserhöhung gehalten. 

Wirtschaftsforum: Welche Pläne und welche Vision haben Sie für KAMPA?

Josef Haas: Im November stellen wir bei einem Jahresausklang mit über 350 Gästen im Fußballstadion in Heidenheim neue Produktentwicklungen vor. Unsere Vision ist, dass alle Ein- und Zweifamilienhäuser und Wohnungen in Holz gebaut werden. Bisher sind es nur 23%, aber der Anteil wächst stetig. Wenn wir den Klimawandel schaffen wollen, werden wir Holz brauchen.

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