Humaner Milchzucker bringt Durchbruch

Interview mit Dr. Stefan Jennewein, Geschäftsführender Gesellschafter der Jennewein Biotechnologie GmbH

Das zugleich wissenschaftlich und ökonomisch orientierte Unternehmen forscht seit seiner Gründung 2005 an der biotechnologischen Herstellung humaner Milchzucker, wie der Geschäftsführende Gesellschafter Dr. Stefan Jennewein erläutert: „Diese Oligosaccharide sind einzigartige Bestandteile in der Muttermilch und für deren infektionsvorbeugende Wirkung verantwortlich. Humane Milchzucker imitieren ihre Molekülstruktur. 70% aller Humanpathogene verwenden zellständige Zuckerstrukturen als Rezeptor oder Co-Rezeptor. Wie ein Köder ziehen sie deshalb Krankheitserreger wie Salmonellen oder Kolibakterien an, binden sie und machen sie dadurch schadlos.“

Diese schon seit einigen Jahrzehnten wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung hat nicht nur die Renaissance des Stillens befördert, sondern auch tatkräftige Forscher wie Dr. Stefan Jennewein motiviert, den zugrundeliegenden Mechanismus allgemein nutzbar zu machen.

Skalierbares Verfahren patentiert

Doch obwohl die wesentlichen funktionalen Gruppen der Zucker bereits identifiziert waren, blieb die Entwicklung eines rentablen Herstellungsprozesses beileibe keine leichte Aufgabe, weiß der Biochemiker zu berichten, der bereits an zahlreichen renommierten Universitäten und Einrichtungen gearbeitet hat: „Da eine chemische Synthese viel zu teuer und aufwendig wäre, haben wir uns von Anfang an auf die biotechnologische Herstellung von Oligosacchariden konzentriert. Aber erst 2015 konnten wir ein biotechnologisch basiertes Fermentationsverfahren für die Lebensmittelproduktion zugelassen bekommen.“

„Wir sind die einzigen Hersteller humaner Milchzucker, die weltweit liefern können.“ Dr. Stefan JenneweinGeschäftsführender Gesellschafter

Damit ist die Jennewein Biotechnologie das weltweit führende Unternehmen in der Produktion seltener Monosaccharide und Oligosaccharide und ist daher für die Nahrungsmittelindustrie, die Pharmabranche sowie die Kosmetikindustrie interessant.

10 Jahre Marktvorsprung

Die unter dem Markennamen ‘Mum‘s Sweet Secret’ vermarkteten Milchzucker sind bereits für den US-amerikanischen Markt zugelassen, weitere Anträge in aller Welt, darunter China und Eruopa, laufen. Dr. Stefan Jennewein beobachtet, dass diese Prozesse außerhalb Europas deutlich schneller ablaufen: „Babynahrung ist nicht gerade unterreguliert. Für ein Biotechnologieunternehmen haben wir zwar schon relativ früh Umsatzerlöse erzielt, doch jetzt geht der Umsatz durch die Decke.“

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