Medikamente managen, Fachkräfte entlasten

Interview mit Dr. Michael Felski, Head of Sales der i-meds GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Felski, wie würden Sie i-meds in zwei Sätzen beschreiben?

Dr. Michael Felski: i-meds ist ein spezialisierter Anbieter von Verbrauchsmaterialien für die patientenindividuelle Verblisterung von Medikamenten. Wir liefern Apotheken die Becherblister und Siegelmaterialien, mit denen sie Medikamente sicher, strukturiert und nachvollziehbar für Pflegeheime und zu Hause lebende Patienten vorbereiten können.

Wirtschaftsforum: Wie kann man sich einen Becherblister vorstellen?

Dr. Michael Felski: Ein Rahmen mit mehreren kleinen Kunststoffbechern, jeder Becher steht für einen konkreten Einnahmezeitpunkt – etwa ‘morgens’ oder ‘abends’. Die Apotheke füllt die passenden Tabletten ein und versiegelt das Ganze mit einer Folie, auf der Name, Einnahmezeitpunkt und Medikamente stehen. Der

Becher wird erst unmittelbar vor der Einnahme geöffnet. Es gibt kein Umfüllen mehr, das reduziert Fehler, spart Zeit und erhöht die Hygiene.

Wirtschaftsforum: Welche Pro­bleme in der Praxis lösen Sie damit konkret?

Dr. Michael Felski: In der klassischen Pflege stellt das Personal die Medikamente oft selbst – früher nicht selten nachts zwischen drei und fünf Uhr. Da sind Konzentration und Personaldecke erfahrungsgemäß nicht ideal. Internationale Studien sprechen von Fehlerquoten beim Stellen zwischen 10 und 30%. In Apotheken, die nach festen Abläufen verblistern und mit Vier-Augen-Kontrolle arbeiten, liegen diese Quoten bei nur etwa 0,5 bis 1% – und dabei geht es meist um ‘falsches Fach’, nicht um das falsche Medikament für die falsche Person. Gleichzeitig reduzieren wir Risiken wie Herausfallen von Tabletten, hygienische Probleme oder unrechtmäßige Entnahme von Medikamenten, weil jeder Becher versiegelt und eindeutig zugeordnet ist.

Wirtschaftsforum: Sie beliefern aber nicht die Pflegeheime direkt, sondern die Apotheken. Warum dieser Fokus?

Dr. Michael Felski: In Deutschland ist die Versorgung klar geregelt: Ein Pflegeheim kann nur mit einer versorgenden Apotheke arbeiten, wenn ein Heimversorgungsvertrag besteht. Und die Apotheke darf das Heim nur auf dieser Grundlage beliefern. Wir positionieren uns daher bewusst als Partner der Apotheken – sie bestellen bei uns das Material, richten die Blister und liefern sie an Pflegeeinrichtungen oder ambulante Pflegekunden aus. Zusätzlich kontrollieren die Apotheker Medikationspläne auf Wechselwirkungen und sprechen bei Bedarf mit den verordnenden Ärzten. Diese pharmazeutische Kompetenz ist ein zentraler Mehrwert, den wir mit unserem System überhaupt erst effektiv nutzbar machen.

Wirtschaftsforum: Wie stark entlastet dieses Modell die Pflegeeinrichtungen tatsächlich?

Dr. Michael Felski: Ein einfaches Rechenbeispiel: Bei rund 100 Bewohnern im Heim sprechen wir von etwa 25 Arbeitsstunden pro Woche, die das Pflegepersonal sonst für das Stellen von Medikamenten aufwenden würde. Diese Zeit wird in die Apotheke ausgelagert. Für das Heim bedeutet das: pro Wohnbereich sechs bis acht Stunden, die nicht mehr in Tablettenstellen, sondern in direkte Pflege, Dokumentation oder einfach ins Gespräch mit den Bewohnern fließen können. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist das ein enormer Hebel, um den Beruf wieder attraktiver zu machen.

Wirtschaftsforum: Wodurch unterscheidet sich i-meds vom Wettbewerb?

Dr. Michael Felski: Ein zentrales Merkmal ist unser Material: Wir setzen auf recyceltes PET, also rPET, und nutzen den erlaubten Recyclinganteil sehr weit aus. Das schont Ressourcen, ohne Abstriche bei Qualität und Sicherheit. Außerdem ist der Einstieg für Apotheken vergleichsweise kostengünstig, das Endprodukt robust, und Prozesse lassen sich gut standardisieren. Im Preis-Leistungs-Verhältnis bewegen wir uns im Mittelfeld – bei hoher Effizienz im Alltag.

Wirtschaftsforum: Wohin entwickelt sich i-meds in den nächsten Jahren?

Dr. Michael Felski: Zum einen wollen wir gemeinsam mit engagierten Apotheken weiter wachsen – in der Heim- wie in der ambulanten Versorgung. Zum anderen wird Automatisierung wichtiger: Ab einer bestimmten Größenordnung lohnen sich Automaten oder Roboter, die die Becherblister befüllen. Unsere Aufgabe ist es, Apotheken auf diesem Weg zu begleiten – vom ersten manuellen Blister bis zur hoch automatisierten Versorgungslösung.

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