Soziale und wirtschaftliche Stabilität durch bezahlbaren Wohnraum

Interview mit Frank Vierkötter, Vorstandsvorsitzender der INTERHOMES AG

Wirtschaftsforum: Herr Vierkötter, was ist das Kerngeschäft von INTERHOMES?

Frank Vierkötter: Wir sind ein überregionaler Wohnungsbauträger und betreiben Wohnungsbau auf eigenen Grundstücken. Wir konzentrieren uns meist auf mehrere Wohneinheiten, in der Regel sind dies mindestens 20 bis 30 Einheiten. Unser größtes Projekt, das wir bislang realisiert haben, ist ein Projekt in Berlin mit 1.239 Einheiten. Wir decken mit einem interdisziplinären Team, zu dem unter anderem eigene Architekten, Ingenieure und Betriebswirte gehören, im Grunde alles rund ums Thema nicht-gewerbliches Wohnen, vom kleinen Reihenhaus bis zum Geschosswohnungsbau und Doppelhaushälften ab. In der Regel sind dies Projekte mit einem Volumen von bis zu einer Million EUR, in B-Lagen oder außerhalb.

Wirtschaftsforum: Bitte geben Sie uns doch einige Beispiele für aktuelle Projekte.

Frank Vierkötter: Wir bauen zum Beispiel in Bremen die ‘Gartenstadt Werdersee’ mit 300 Reihen- und Doppelhäuser und knapp 100 Wohnungen. Viele der Einheiten haben einen tollen Blick auf das Weserstadion und den Werdersee, im Volksmund die ‘kleine Weser’ genannt. Das Projekt ist ein sehr schöner Produktmix aus Häusern und Wohnungen. Ein weiteres Beispiel ist ein Vielgeschosswohnungsbau in Berlin, den wir im Auftrag der Stadt ausführen. Hier bewegen wir uns im sehr preiswerten Segment und schaffen um die 400 Reihenhäuser und 700 Wohnungen. In Ratingen bei Düsseldorf sind wir aktuell in ein Projekt mit 148 Häuser und 129 Wohnungen involviert.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit im Wohnungsbau? Steigen hier die Anforderungen der Kunden?

Frank Vierkötter: Die Häuser müssen energetisch top sein, insbesondere jetzt in Zeiten von Homeschooling und Homeoffice. Wir nutzen Fernwärme, Erdwärme und Blockheizkraftwerke. Das Thema Wärmedämmung wird immer wichtiger und im Bereich der Baustoffe sehen wir eine Entwicklung hin zu nachwachsenden Rohstoffen. Aktuell beschäftigen wir uns deshalb mit dem Thema Holzbau. Wir bauen zum Beispiel eine städtische Schule, die komplett in Holzbauweise geplant ist.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Kunden?

Frank Vierkötter: Früher haben wir uns ausschließlich an Endkunden gewendet. Inzwischen gehören auch institutionelle Investoren zu unserer Klientel, das können auch städtische Wohnungsbaugesellschaften sein.

Wirtschaftsforum: Die Konkurrenz schläft nicht. Warum entscheiden sich die Kunden am Ende des Tages für INTERHOMES?

Frank Vierkötter: In unserem Geschäft ist Verlässlichkeit extrem wichtig. Das gebe ich immer wieder an unsere Mitarbeiter weiter, dies gilt sowohl für den Grundstückankauf durch uns wie auch die Beziehung zu unseren Endkunden. Wir stehen zu unseren Zusagen und versprechen nichts, was wir nicht halten können. Manchmal sind unsere Kunden einfach von unserem Produkt begeistert, manchmal sind wir der einzige Anbieter. Sicher spielt auch unser sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis eine Rolle. Zudem sind wir deutschlandweit einer der wenigen Bauträger mit eigenen Bemusterungszentren – in mehreren Städten deutschlandweit.

Frank Vierkötter
„Jetzt ist bezahlbarer Wohnraum gefragt. Vor einigen Jahren noch wurden wir für unseren preisbewussten Ansatz belächelt.“ Frank VierkötterVorstandsvorsitzender

Wirtschaftsforum: Seit wann gibt es INTERHOMES und was waren rückblickend die wichtigsten Entwicklungsschritte?

Frank Vierkötter: Das Unternehmen gibt es bereits seit 53 Jahren. Wir haben uns von Anfang an auf bezahlbaren Wohnungsbau konzentriert. Viele Jahre war das Thema ‘bezahlbares Wohnen’ in Deutschland nicht existent, deshalb hat man uns häufig für unseren kostenbewussten Ansatz belächelt. Inzwischen ist dies wieder ein ganz wichtiges Thema geworden. De facto wird es immer schwieriger, bezahlbares Wohnen zu realisieren. Viele Menschen können sich die berühmten eigenen vier Wände gar nicht mehr leisten. Ich betrachte das als ungute Entwicklung, denn die eigenen vier Wände geben den Menschen soziale und wirtschaftliche Stabilität.

Wirtschaftsforum: Sie sind einer der großen Wohnungsbauträger in Deutschland, das heißt, Sie sind trotz Ihres kostenbewussten Ansatzes über die Jahrzehnte gewachsen?

Frank Vierkötter: Ich selbst bin seit 25 Jahren bereits im Unternehmen. Ja, wir sind über die Jahre stark gewachsen, obwohl, oder vielleicht, weil wir unserem Grundprinzip treu geblieben sind. Aber wir haben uns im Laufe der Jahre auch weiterentwickelt, bieten jetzt, wie bereits beschrieben, nicht nur preiswerte Reihenhäuser, sondern auch Geschoss-Wohnungsbau und Häuser im gehobenen Marktsegment an. Bis auf den Luxus-Bereich decken wir inzwischen den gesamten Wohnungsbaumarkt ab. Mit verschiedenen Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sind wir inzwischen zudem auch im Bereich der Verwaltung und Vermietung von Wohnimmobilien aktiv.

Wirtschaftsforum: Was erwarten Sie für das Jahr 2021?

Frank Vierkötter: Wir sind dankbar, dass die COVID-19-Krise uns bislang nicht zu sehr geschadet hat. Allerdings haben sich durch die Krise die Genehmigungszeiten noch einmal verlängert. Grundsätzlich aber ist die Nachfrage nach eigenem Wohnraum ungebrochen hoch. Allerdings ist häufig die Finanzierung ein Problem. Die Preise sind exorbitant gestiegen und durch die Krise sind die Banken zögerlicher in der Kreditvergabe.

Wirtschaftsforum: Welche Pläne haben Sie langfristig für INTERHOMES?

Frank Vierkötter: Wir werden unserer Philosophie treu bleiben, unseren Kunden ein tolles Produkt mit einem erstklassigen Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten. Wir möchten, dass Menschen in einer schönen Umgebung wohnen und Platz genug für ihre Kinder haben. Wir hoffen, dass die Preisspirale nicht noch schlimmer wird, die Baukosten und Grundstückspreise haben bereits eine kritische Grenze erreicht. Die zunehmende Regulatorik treibt die Preise zusätzlich an. Allerdings wird es hier keine Immobilienblase geben, da wir anders finanzieren, als die USA es tut. Zudem ist die Eigentumsquote in Deutschland im internationalen Vergleich nach wie vor niedrig. Wir liegen in Deutschland bei rund 20%. In Spanien beträgt sie 80%. Deshalb bin ich insgesamt zuversichtlich, dass wir auch langfristig unser Ziel der Schaffung von bezahlbarem wertigen Wohnraum umsetzen können.

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