Schutz für Produkt und Mensch
Interview mit Dr. Michael Bungert, Leiter Produktmanagement und Jan Schultealbert, Geschäftsführer und Sebastian Heumüller, Vertriebsleiter der Jung Gummitechnik GmbH

Seit ihrer Gründung ist die Jung Gummitechnik GmbH auf die Fertigung technischer Gummiwaren spezialisiert. Mit maßgeschneiderten Produkten bedient das Unternehmen Märkte wie den Sonderfahrzeug-, Sondermaschinen- und Anlagenbau. Gefragt sind hier meist Speziallösungen, daher ist die Produktentwicklung oft eng mit den Anwendungen der Kunden verzahnt. „Wir bedienen fast ausschließlich individuelle Anforderungen“, sagt Sebastian Heumüller, Vertriebsleiter und Business Development-Verantwortlicher, und erklärt den Stellenwert des Unternehmens auf dem Markt: „Wenn alle anderen ablehnen, kommt man zur Firma Jung – und wir bekommen das hin.“ Mit diesem Anspruch hat sich das Unternehmen neben technischen Gummiwaren ein zweites starkes Standbein aufgebaut: hoch spezialisierte Handschuhsysteme für pharmazeutische Anwendungen.
Sicherheit durch Spezialhandschuhe
Pharmazeutische Handschuhsysteme sind eine saubere Sache: Langarmige Glovebox-Handschuhe ermöglichen Eingriffe in Isolatoren und Reinräumen, ohne Prozesse oder Produkte zu kontaminieren. „Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, das keinerlei Kontamination zulässt“, erklärt Dr. Michael Bungert, Leiter Produktmanagement und Regulatorik. Diese Anforderungen sind so hoch, dass für die Herstellung ausschließlich hochwertige synthetische Polymere infrage kommen. Auch Geschäftsführer Jan Schultealbert betont den Stellenwert der Qualität: „Wir schützen nicht nur das Produkt, sondern auch den Menschen. Ähnlich hohen Standards müssen unsere internen Prozesse entsprechen.“ Um die Kapazitäten auszubauen, investierte das Unternehmen 2018 in einen weiteren Standort in Warstein, an dem heute kurzarmige Chemikalienschutzhandschuhe für den Arbeitsschutz entstehen. Sie werden überwiegend im Private Label-Geschäft produziert und basieren auf Spezialmaterialien, die nur wenige Unternehmen verarbeiten können.
„Für große Hersteller ist das eine Nische, für uns ist es ein zentraler Bereich“, sagt Michael Bungert. Eine wichtige Neuentwicklung ist der Elektrikerhandschuh Jugitec E, der besonders präzises Arbeiten ermöglicht. „Gerade beim Montieren von Elektromotoren ist es entscheidend, dass ein Handschuh Präzision zulässt“, erklärt Sebastian Heumüller. Das Produkt ist frei von latexbedingten Allergenen und perspektivisch recycelbar – ein Aspekt, der zunehmend wichtiger wird. Auf dem französischen Markt ist die Resonanz auf das Produkt bereits sehr positiv, während der deutsche Markt bisher noch von etablierten Herstellern geprägt ist. „Wir sind aktiv in der Normung, um diese Innovation langfristig zu etablieren“, sagt Michael Bungert.
Zukunftsmärkte erschließen
Die Exportquote ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und liegt im Handschuhbereich inzwischen bei rund 50%. Neben der DACH-Region zählen die USA, China und Indien zu den wichtigsten Märkten. Der internationale Vertrieb ist jedoch anspruchsvoll, vor allem im Umgang mit Dual-Use-Regelungen. „In manchen Fällen warten wir bis zu einem halben Jahr auf Genehmigungen“, erklärt Jan Schultealbert. Das erschwere eine dynamische Marktbearbeitung, insbesondere in Ländern, in denen die Nachfrage stark wächst. Neben regulatorischen Hürden spürt Jung Gummitechnik die Nachwirkungen der Coronapandemie wie vollgelaufene Lager, veränderte Beschaffungsstrategien und eine schwache Industriekonjunktur. Das Unternehmen reagiert darauf mit einer konsequenten Erschließung neuer Anwendungen, etwa im Bereich Wasserstoff oder erneuerbare Energien. „Wir arbeiten fortlaufend an Zukunftsmärkten, um unser Portfolio den technologischen Entwicklungen anzupassen“, so Sebastian Heumüller. Ein weiteres Thema ist die PFAS-Diskussion, erklärt Michael Bungert: „Wir haben unsere Handschuhe prüfen lassen und nachgewiesen, dass sie keine kritischen Substanzen abgeben.“ Für Kunden aus hoch regulierten Branchen sei die belastbare Datenlage inzwischen ein wichtiges Argument.
Vom Manufakturcharakter geprägt
Trotz hoher Spezialisierung versteht sich Jung Gummitechnik nicht als reiner Hersteller. Der Beratungsanteil ist erheblich, sowohl bei technischen Gummiwaren als auch im Handschuhbereich. Der Vertrieb arbeitet eng mit den Entwicklungsteams der Kunden zusammen, um optimale Lösungen zu realisieren. „Wir verkaufen keine Katalogartikel, sondern begleiten die Anwendungen unserer Kunden“, sagt Sebastian Heumüller. Messen bleiben für das Unternehmen unverzichtbar, da dort sämtliche relevanten Ansprechpartner an einem Ort erreichbar sind. „Diese Termine sind für unsere strategische Planung essenziell“, betont Jan Schultealbert. Parallel spielt die Unternehmenskultur eine wichtige Rolle. Feste und interne Veranstaltungen fördern den Austausch und Zusammenhalt.
„Unsere Mitarbeiter sind stolz auf das, was sie mit ihren Händen erschaffen“, macht Sebastian Heumüller deutlich. Der Manufakturcharakter sei ein wesentliches Element der Identität des Unternehmens. Für Jan Schultealbert steht dabei die gemeinsame Weiterentwicklung im Mittelpunkt: „Wir wollen uns an veränderte Marktbedingungen anpassen, unsere Stärken gezielt einsetzen und kreative Lösungen fördern.“ Voraussetzung dafür ist, die Herausforderungen des Fachkräftemangels zu meistern – mit intensiver Ausbildung und einem klaren Werteverständnis.










