Digitale Entscheidungsintelligenz für optimierte Geschäftsprozesse

Interview mit Peter Frerichs, Mitglied der Geschäftsleitung der INFORM - Institut für Operations Research und Management GmbH

Wirtschaftsforum: INFORM hat sieben Geschäftsbereiche, die unabhängig unter Ihrer Dachmarke agieren. Was sind aktuell sehr wichtige oder wachsende Bereiche?

Peter Frerichs: Es ist in der Tat eine unserer Besonderheiten, dass wir so breit aufgestellt sind. Dabei verfügen wir, bedingt durch unsere Technologie, über tiefes Expertenwissen für die vielen verschiedenen Branchen und ihre Anforderungen. Letztendlich nehmen wir sehr komplexe Entscheidungsmodellierungen vor, auf deren Basis unsere Systeme dann betriebliche Planungsprozesse optimieren. Dies ist nur in Form eigenständiger Geschäftsbereiche mit der entsprechenden Branchenkenntnis möglich. Ein sehr großer Bereich ist sicherlich Aviation, welcher die Anforderungen rund um die Logistikprozesse der Flughäfen bedient. Auch im Segment der Betrugsprävention, also Risk & Fraud, stellen wir eine wachsende Nachfrage fest. Hier entwickeln wir Systeme, die transaktionale Daten klassifizieren und Betrugsverhalten erkennen. Wir haben hier früh auf regelbasierte Systeme gesetzt. Dies ist jetzt ein entscheidender Vorteil bei der schnellen Erkennung von Betrugsmustern. Insgesamt ist das Thema der hybriden künstlichen Intelligenz ein immer wichtiger werdendes Thema. Hier kombinieren wir dies sehr erfolgreich mit Maschine Learning Ansätzen. Das übergreifende Thema aber mit dem wir uns beschäftigen ist die Logistik. Dabei bieten wir Lösungen im Bereich der Produktion, des Transport, der Lagerhaltung und Beschaffung.

Wirtschaftsforum: Bieten Sie Standardlösungen oder auch individuelle Systeme an?

Peter Frerichs: Wir sind im Standardbereich stark aufgestellt und decken hier rund 90% aller Funktionalitäten ab, die gebraucht werden, von der intelligenten Absatzplanung und Bestandsoptimierung für Industrie und Handel über marktsynchrone Produktionsplanung oder Personal- und Ressourcenoptimierung bis hin zur Risikobewertung und Betrugsprävention oder zur Optimierung und Synchronisierung aller logistischen Abläufe in Echtzeit. Aber es gibt eigentlich immer einen Bereich, für den individualisiert werden muss. Hier sind unsere Weiterentwicklungen dann anforderungsgetrieben.

Wirtschaftsforum: Können Sie uns ein Beispiel für ein konkretes Projekt geben?

Peter Frerichs: Wir haben unter anderem ein sehr erfolgreiches Projekt mit dem führenden KFZ-Teilehändler A.-W. HEIL & SOHN durchgeführt. Rund 10.000 Artikel verlassen täglich das Zentrallager des Unternehmens in Hannover und versorgen 22 Standortläger in verschiedenen Bundesländern. Mit dem Einsatz unseres intelligenten Planungssystems ADD*ONE hat sich das Unternehmen jetzt für die steigende Komplexität im Ersatzteilgeschäft gerüstet, seine Teileverfügbarkeit maximiert und zugleich die Bestände optimiert. Das System dient also der Serviceverbesserung und der Senkung der Prozesskosten. Gleichzeitig versorgt es Lieferanten mit zuverlässigeren Forecasts über zukünftige Bestellungen. Die Mitarbeiter in Disposition und Einkauf haben künftig mehr Weitsicht und Transparenz über die Bestandssituation und die Entwicklung jedes einzelnen Artikels. Die Workflows werden also deutlich verbessert.

Wirtschaftsforum: Welche Pläne haben Sie für das Jahr 2021?

Peter Frerichs: Der Megatrend zur Digitalisierung ist für uns eine ideale Basis für weiteres Wachstum. Die Bereitschaft, zum Beispiel künstliche Intelligenz nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu sehen, steigt, ebenso für eine flexible und innovative Herangehensweise. Die Unternehmen müssen immer schneller werden und sich anpassen. Gleichzeitig werden Prozesse immer komplexer, so dass auch agile Optimierungsprozesse stärker nachgefragt werden. All dies spielt uns in die Karten, denn wir können unseren Kunden Methoden und Ansätze zur Verfügung stellen, mit denen sie sich immer wieder an neue Situationen anpassen können. Angeregt durch die Innovationsfeuerwerke, die in diesem Jahr losgetreten wurden, stellen wir fest, dass wir schon gut positioniert sind. Darüber hinaus möchten wir aber noch mehr erreichen. So starten wir zum Beispiel übergreifende Initiativen, schaffen Inkubatoren und Rahmenbedingungen, die das Thema Innovation noch stärker vorantreiben können.

Wirtschaftsforum: Gibt es eine Vision für INFORM? Falls ja, was sind die wichtigsten Eckpunkte?

Peter Frerichs: Hätten wir einen Claim, dann würde der sicherlich darauf aufbauen, dass wir digitale Entscheidungsintelligenz für eine bessere Welt machen möchten. Wir streben nicht zuerst nach Gewinnmaximierung, sondern möchten mit unseren Entscheidungssystemen einen nachhaltigen und relevanten Unterschied machen. Unsere wirtschaftlicheren Ergebnisse sind letztendlich die Ergebnisse unserer Tätigkeit. Diese Denkweise zieht sich durch alle unsere Aktivitäten und Entscheidungen wie ein roter Faden durch. Wir möchten auch in 50 Jahren noch existieren und als guter Arbeitgeber wahrgenommen werden. Deshalb brauchen wir immer Innovationen und werden weiterhin auf eine „Explore and Exploit“ Strategie setzen.

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