Der Zahn der Zeit

Interview mit Christoph Stark, Gründer und Geschäftsführer der imes-icore GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Stark, welche Schritte haben imes-icore zu dem gemacht, was das Unternehmen heute ist?

Christoph Stark: Es gibt nicht den einen Step, sondern der Weg war entscheidend. Der wichtigste Schritt war die Gründung vor 23 Jahren. Ich hatte bereits zwei Dentalsysteme auf privater Basis entwickelt und sah, dass es am Markt keine kompletten CAD/CAM-Systeme für den Laboreinsatz gab, die Dentalrestaurationen herstellen. Also entwickelten wir ein solches Komplettsystem. Das Entscheidende ist unsere Innovationskraft. Wir haben in diesen 23 Jahren sehr viele Standards gesetzt, die heute weltweit genutzt werden. Diese ständigen Innovationen haben uns immer wieder wachsen lassen.

Wirtschaftsforum: Wie ist imes-icore heute aufgestellt?

Christoph Stark: Der Haupt­standort ist hier in Eiterfeld mit etwa 270 Mitarbeitern. Wir haben zwei Tochterfirmen in Deutschland: eine in Hanau für komplexe Fräsdienstleistungen und eine in Leinfelden für die Produktion keramischer Materialien. Zusätzlich haben wir Töchter in Las Vegas und Singapur für Service und Support. Wir sind in etwa 100 Ländern vertreten und verkaufen an rund 120 spezialisierte Händler. Die komplette Entwicklung von Mechanik, Elektronik und Software, mit dem optimalen Workflow, geschieht bei uns im Haus.

Wirtschaftsforum: Wie war die Entwicklung in den letzten Jahren?

Christoph Stark: Bis 2023 sind wir immer gewachsen. 2024 und 2025 waren herausfordernder. Das Wachstum ist derzeit ausgesetzt, die ganze Welt befindet sich in einem Krisenmodus. Wir nutzen diese Zeit jedoch, um neue Entwicklungen umzusetzen und mit einem großen Innovationsschub 2026 wieder zu wachsen. Die Chinesen werden immer Komponenten günstiger zusammenbauen können als wir. Aber die Innovationskraft ist das, was uns früher immer wachsen ließ und uns auch heute einen Vorsprung verschaffen soll. Etwas Besonderes lässt sich immer verkaufen, nur wenn ich einer von vielen bin, ist das in schwierigen Zeiten ein Problem.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen von revolutionären Entwicklungen. Was kommt da auf den Markt?

Christoph Stark: Wir haben eine neue Hybridtechnologie entwickelt, die es am Markt noch nicht gibt. Sie kombiniert additive und subtraktive Fertigungsverfahren in einem System. Der große Vorteil ist, dass wir die Stärken beider Technologien nutzen und die Schwächen der jeweils anderen ausgleichen. Wir sind weitgehend materialunabhängig, können Keramiken und Kunststoffe verarbeiten, das Gerüst im gleichen Maschinensystem zum Beispiel aus Titan fräsen und die komplette Verblendung der Zähne aus Keramik additiv aufbringen. Wir wollen nicht nur den weltweit schönsten Zahnersatz herstellen, sondern auch den funktional besten. 

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bei imes-icore?

Christoph Stark: Die Digitalisierung haben wir vor sechs, sieben Jahren schon begonnen. Alle unsere Maschinen der letzten Jahre sind über das Internet vernetzt und registriert. Wir haben dafür den ‘DentalSmartMarket’ entwickelt – eine umfängliche und prämierte Plattform, die Endkunden, Händler, uns, den Webshop und alle IoT-Daten aus den Maschinen vernetzt. Wenn die Maschine eine Meldungen gibt, bekommt der Anwender direkt auf seiner Maschine eine digitale Support-Message: „Achtung, folgende Schritte ausführen“. Das System zählt auch mit, wann Material und Werkzeuge fast verbraucht sind und fragt automatisch nach, ob nachbestellt werden soll. Jetzt bauen wir noch verschiedene KI-Bausteine mit speziellen Funktionen ein. Zum Beispiel muss Zahnersatz dann nicht mehr von einem Zahntechniker aufwendig designt werden. Die Software macht in Sekunden durch KI-unterstützte Funktionen einen fast perfekten Vorschlag, der höchstens noch geringfügig bearbeitet werden muss.

Wirtschaftsforum: Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für den Erfolg von imes-icore?

Christoph Stark: Unsere Stärke ist ganz klar, die eigene Mechanik-, Elektronik- und Softwareentwicklung komplett im eigenen Haus zu haben. In den ersten 15 Jahren haben wir nicht nur Dentalmaschinen gebaut, sondern auch Spezialmaschinen im Industriebereich – Maschinen, die keiner bauen wollte, weil es sehr spezielle Applikationen waren. Diese DNA – dass eine Herausforderung kommt und wir sofort über eine Lösung nachdenken und diese auch schnell umsetzen können – das ist unsere Stärke. Das kann man aber nur, wenn man auf die eigene, komplette Entwicklungsmannschaft zugreifen kann und unabhängig von Know-how-Einkauf ist. Hier sehe ich aber auch ein strukturelles Problem: Es ist schade, dass es immer weniger gute Techniker gibt oder solche, die interessante Technik erlernen wollen. Die jungen Leute sitzen heute leider nicht mehr im Keller und bauen oder löten etwas zusammen, kreieren also etwas neues. Dadurch verlieren wir in Deutschland an Innovationskraft für neue Entwicklungen.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihre Vision für imes-icore aus?

Christoph Stark: Natürlich uns weiterzuentwickeln und der technische Leader weltweit zu bleiben, mit den besten Dentalsystemen. Damit einhergehend wollen wir wachsen und gerne die 100-Millionen-EUR-Umsatz-Grenze erreichen. Das hoffen wir in den nächsten Jahren zu schaffen mit neuen, innovativen Produkten und digitaler Automatisierung. Man muss nicht der Größte sein mit dem höchstem Umsatz. Aber wir wollen die besten Produkte anbieten in dieser Branche, welche weltweit den besten Zahnersatz herstellen können.

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