Geprüft auf Herz und Nieren

Interview mit Dr.-Ing. Toni Ehrig, Geschäftsführer der IMA Materialforschung und Anwendungstechnik GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Ehrig, die IMA Materialforschung und Anwendungstechnik GmbH hat eine lange Geschichte – fast 70 Jahre. Welche Meilensteine sind darin aus Ihrer heutigen Sicht wichtig?

Toni Ehrig: Die IMA Dresden ist aus den 1954 gegründeten VEB Elbe Flugzeugwerken hervorgegangen. Nachdem der Flugzeugbau in der DDR eingestellt worden war, wurde das Unternehmen zum Institut für Leichtbau (IfL) umfirmiert. Schon damals haben wir bereits vieles von dem getan, was wir heute noch machen, nämlich im Rahmen von Produktentwicklung und -zertifizierung in den Bereichen Automobil und Schienenfahrzeuge prüfen. Nach der Wende wurde 1993 aus dem IfL per Management-Buy-out die IMA Dresden. Nach wie vor prüfen wir Schienenfahrzeuge und Automobile, vom Material bis zum fertigen Produkt, aber auch die Luftfahrt ist wieder hinzugekommen; wir testen im Rahmen der Herstellung und Zertifizierung auch Flugzeuge und Raumfahrzeuge. Seit der Wende haben wir uns kontinuierlich weiterentwickelt und an wirtschaftlicher Stärke gewonnen. Seit diesem Jahr sind wir Teil der Applus-Gruppe, einem weltweit operierenden Laborkonzern, der aber auch in vielen anderen Sparten tätig ist. Dadurch haben wir stark an Größe und Internationalität zugenommen.

Wirtschaftsforum: Erläutern Sie uns diese Entwicklung doch bitte.

Toni Ehrig: Wir verzeichnen in Dresden für fast alle unsere Branchen ein kontinuierliches Wachstum. Der einzige Bereich, in dem es in den letzten fünf Jahren keine steigende Tendenz gab, ist die Luftfahrt, weil die europäische Luftfahrt sich mit größeren Entwicklungsprojekten leider zurückgehalten hat. Allerdings haben wir im Bereich Raumfahrt interessante neue Projekte gewinnen können.

Wirtschaftsforum: Wird dieses Wachstum von Dauer sein? Wie sind Ihre diesbezüglichen Prognosen?

Toni Ehrig: Momentan sind wir mit Blick auf alle unsere Branchen sehr optimistisch. Aktuell muss die Automobilbranche als Folge von Corona zwar noch einige Einschläge verkraften, aber wir sind sicher, dass dies als Auswirkung der Pandemie bald vom Tisch sein wird.

Wirtschaftsforum: Wir nehmen Wirtschaft persönlich – im wahrsten Sinne des Wortes. Insofern die Frage: Seit wann sind Sie bei der IIMA Dresden? Erzählen Sie uns doch etwas über Ihre Aufgaben.

Toni Ehrig: Ich bin seit mehr als 15 Jahren im Unternehmen. Angefangen habe ich bei unserem IT- und Digitalisierungsdepartment mit den Bereichen Material- und Prüfinformationssysteme. Innerhalb dieser Abteilung habe ich mich zum Abteilungsleiter entwickelt. Meine Wurzeln liegen in der IT. So habe ich im Bereich ʻKünstliche Intelligenzʼ promoviert. Nachdem wir die Abteilung erfolgreich weiterentwickeln konnten, haben wir mit WIAM eine unserer Tochterfirmen etabliert. Diese kümmert sich um das Lizenzgeschäft für die Softwareprodukte. Seit 2019 bin ich einer der drei Geschäftsführer der IMA Dresden. Die operativen Aufgaben teilen wir uns und was die strategischen Aufgaben betrifft, hat jeder von uns seinen Schwerpunkt. Mein Zuständigkeitsbereich liegt vor allem in der digitalen Infrastruktur und den digitalen Prozessen im Unternehmen: Mein Steckenpferd ist das Vorantreiben der Digitalisierung in Form digitaler und sicherer Datenaustauschprozesse sowie Prüf- und Standardisierungsinformationen – und das in der Industrie mit allen großen Playern wie VW, BMW oder Airbus. Das ist ein sehr spannendes Thema.

Wirtschaftsforum: Welches sind die Schwerpunkte und Leistungen, die im Portfolio der IMA Dresden besonders wichtig sind?

Toni Ehrig: Wir sehen uns für unsere Kunden in deren Produktentwicklungs- und -zulassungsprozessen als der Full Service-Partner im Bereich Prüfung. Unsere Kundensegmente sind der Bereich Green Mobility, der Medizin- und Bauprodukte- sowie der Windenergiebereich. Bei den Produkten aus diesen Branchen sind wir entwicklungs- und zulassungsbegleitend dabei und unterstützen auch im Bereich der Digitalisierung.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihre Vision von Ihrem Unternehmen und wo möchten Sie es in den nächsten drei bis fünf Jahren sehen?

Toni Ehrig: Als Teil der Applus-Gruppe wollen wir das Prüfportfolio für unsere Zielbranchen noch weiter ausbauen. Wir möchten für egal welches Produkt ein passendes Prüfangebot bieten können. Dies ist seit jeher unser Ziel, das durch die Zusammenarbeit mit Applus für uns in greifbare Nähe rückt. Für unsere Kunden ist es eine Herausforderung, die Sicherheit ihrer Produkte zu belegen. Dass wir als Partner gesehen werden, der dies in jedem Fall ermöglicht, ist meine Vision.

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