Versicherung mit Purpose

Interview mit Michel Höftmann, Geschäftsführer der IC Verzekeringen NV

Wirtschaftsforum: Herr Höftmann, IC Verzekeringen hat sich auf die Versicherung von Einrichtungen im Non-Profit-Sektor in Belgien spezialisiert: von Schulen über Pflegeheime bis hin zu religiösen, staatlichen und gemeinnützigen Institutionen. Wie umfangreich fällt dabei Ihr Leistungsspektrum aus?

Michel Höftmann: Prinzipiell treten wir als klassischer unabhängiger Versicherungsmakler auf, wie man das auch aus Deutschland kennt. Im Zuge unserer besonderen Ausrichtung auf den Social-Profit-Bereich steht für uns jedoch weniger der Versicherungsverkauf als vielmehr der Versicherungseinkauf im Fokus: So bieten wir unseren Kunden – ausgehend von unserem jahrzehntelang gewachsenen Know-how – maßgeschneiderte Lösungen für ihre konkreten und oftmals recht speziellen Bedürfnisse an.

Wirtschaftsforum: Damit hört Ihr Engagement jedoch noch nicht auf.

Michel Höftmann: Jenseits der Vermittlung entsprechender Policen regulieren wir bis zu einer bestimmten Schwelle als Bevollmächtigter der Versicherungen auch selbst Schäden, beziehungsweise stellen in umfangreicheren Fällen konsequent sicher, dass das einmal gegebene Leistungsversprechen des Versicherers auch eingehalten wird. Wir sehen uns somit grundsätzlich als starker Interessenvertreter unserer Kunden und unterstützen sie in diesem Zuge bisweilen auch bei der Ausgestaltung des öffentlichen Ausschreibungsverfahrens – denn dieses ist in Belgien bereits ab einem Volumen von 30.000 EUR verpflichtend vorgesehen.

Wirtschaftsforum: Worin liegt letztlich die Besonderheit Ihrer Versicherungslösungen?

Michel Höftmann: Die besonderen Anforderungen unserer Kunden sind im Endeffekt in ihren Risiken und Aktivitäten begründet. Deshalb ist unser Unternehmen auch nicht entlang von Sparten – Haftpflicht-, Wohngebäude- oder Unfallversicherung – organisiert, sondern mit Blick auf unsere konkreten Zielgruppen wie Schulen, Pflegeheime, religiöse oder staatliche Einrichtungen. Uns ist es wichtig, dass wir die Sprache unserer Kunden sprechen, dass wir ihre Aktivitäten und Herausforderungen wirklich im Detail verstehen, um sie bei ihren Herausforderungen bestmöglich unterstützen zu können. Denn wir wollen, dass sie sich voll und ganz auf ihr Kerngeschäft, auf ihre wichtige Mission, konzentrieren können, nicht um die Risiken außenherum – darum kümmern wir uns.

Wirtschaftsforum: Die deutliche Zunahme der Schadensereignisse ist – gerade mit Blick auf den Klimawandel – inzwischen ein Brandthema für die gesamte Versicherungsbranche.

Michel Höftmann: Auch in Belgien hat es in jüngerer Vergangenheit Großschäden gegeben, bei denen über uns versicherte Schulen betroffen waren. Eine nicht minder große Herausforderung stellt jedoch das Thema Cybersicherheit dar – denn die damit verbundenen Risiken können gerade im Non-Profit-Bereich schnell existenzielle Ausmaße annehmen, für die bei gemeinnützigen Institutionen am Ende oft die Vorsitzenden haftbar gemacht werden können.

Wirtschaftsforum: Von diesen Gefahren kann auch IC Verzekeringen ein Lied singen.

Michel Höftmann: Pünktlich am Heiligabend 2019, einem Moment von Ruhe und Besinnlichkeit, wurden wir selbst Opfer eines Angriffs, der uns vor große Herausforderungen stellte. Am ersten Tag wollte man von uns ein Lösegeld in Höhe von 2 Millionen EUR erpressen, drei Tage später forderte man schon 4 Millionen EUR, bis man uns drohte, uns die verschlüsselten Daten gar nicht mehr zu übergeben. Wir haben nicht gezahlt und konnten glücklicherweise als Versicherungsunternehmen auf ein eingespieltes Team setzen, das die Situation gut managte – doch viele Schulen, Kliniken oder gemeinnützige Einrichtungen haben dazu verständlicherweise keine internen Ressourcen. Deswegen geht es uns nicht allein um die Versicherung der entsprechenden Risiken, sondern auch um eine konsequente Begleitung im Schadensfall – denn wir können unseren Kunden sofort Experten an die Hand geben, die diese Prozesse aus ihrem Tagesgeschäft kennen.

Wirtschaftsforum: Sie möchten damit auch mehr Awareness schaffen?

Michel Höftmann: Natürlich, und gerade Prävention lohnt sich hier besonders, damit es gar nicht erst zu einem Schadensfall kommt. Deswegen eruieren wir mit unseren Kunden detailliert, welche Risiken ausgehend von ihrem konkreten Tätigkeitsfeld versichert werden sollten und wo sich darüber hinaus noch sinnvolle technologische und administrative Vorkehrungen treffen lassen.

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie in die Zukunft von IC Verzekeringen?

Michel Höftmann: Wir investieren derzeit enorm in die Digitalisierung – auch wenn ‘KI’ inzwischen wohl schon zu einem Buzzword geworden ist. Doch ungefähr die Hälfte unseres Tagesgeschäfts entfällt wohl noch auf Low-Value-Tasks: also Berichtspflichten oder administrative Vorgänge, die insgesamt wenig wertschöpfend sind. Wir würden uns freuen, diese Zeit in Zukunft in den Dialog mit unseren Kunden zu investieren, denn trotz KI und Automatisierungslösungen steht der menschliche Kontakt für uns unverzichtbar an erster Stelle. Der Personalmangel macht natürlich auch vor der belgischen Versicherungswirtschaft nicht Halt – derzeit sind in der gesamten Branche etwa 1.000 Stellen nicht besetzt.

Wirtschaftsforum: Wie kann Ihr Unternehmen da überzeugen?

Michel Höftmann: Vor allem durch unseren Purpose! Denn für unsere Kunden ist Versicherung kein Daily Business. Diese Beratungsintensität wird uns mit einer hohen Wertschätzung vergolten, auf die wir sehr stolz sind. Gleichzeitig können wir so Anteil an der Mission von Schulen, Pflegeheimen, religiösen oder gemeinnützigen Organisationen nehmen – die unverrückbar im Dienst an der Gesellschaft stehen!

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