Pionier der Lidar-Technologie

Interview mit Dipl.-Ing. (FH) Mario Brumm, Gesellschafter und Head of Marketing & Sales der Ibeo Automotive Systems GmbH

‘Lidar’ steht für ‘Light detection and ranging’. „Wir sind Spezialisten in Sachen Laserscanner für den Bereich Automotive“, beschreibt Mario Brumm das Geschäftsfeld. Dabei kombiniert Ibeo Automotive Systems die Lidar-Technologie mit speziellen Softwaresystemen für Fahrerassistenzsysteme sowie autonom fahrende Fahrzeuge.

Level 5 als Ziel

„Derzeit arbeiten wir an den Leveln 2 bis 4. Wobei Level 4 bedeutet: höchstmögliches, aber nicht vollständig automatisiertes Fahren. Der Fahrer bleibt verantwortlich für alles“, sagt Mario Brumm. „Das Umschalten auf Level 5 wird daher eines Tages ganz einfach per Knopfdruck erfolgen können, sobald alle Voraussetzungen gegeben sind.“

Da Ibeo Automotive Systems weltweit führend in diesem Segment ist, stieg ZF im vergangenen Jahr ein. 2016 erwarb ZF eine 40%-Beteiligung an Ibeo Automotive Systems und entpuppte sich dank seiner System- und Produktionskompetenz als idealer Partner für das Entwicklungsunternehmen. Denn ZF rundet das Portfolio um Kamera- und Radartechnologie ab.

Noch 2017 plant Ibeo Automotive Systems, in Kooperation mit dem französischen Zulierer Valeo ein Laserscannersystem für Audi in Serie zu bringen. Konkret geht ein mechanisch drehender Spiegelsensor in Großserie.

„Das ist jetzt der Beginn der Technologie im Markt“, schwärmt Mario Brumm. Entsprechend groß ist der Bedarf an neuen Mitarbeitern. Deren Zahl soll noch in diesem Jahr von derzeit 88 auf 120 wachsen. Der Gesellschafter ist zuversichtlich, dass sein Unternehmen geeignetes Personal finden wird.

„Unser Thema ist hochinteressant für Ingenieure“, weiß Mario Brumm aus Erfahrung. „Und Hamburg ist eine attraktive Stadt. Dort gibt es kaum Arbeitgeberkonkurrenz im Bereich Automotive, wie das etwa in München der Fall ist.“

Die 10-Millionen- EUR-Grenze beim Umsatz knackte Ibeo Automotive Systems erstmals im Jahr 2015. „Die Entwicklung zeigt mehr als 20% Plus in den vergangenen Jahren“, so Mario Brumm. Kunden findet Ibeo Automotive Systems rund um den Globus. In Deutschland, USA, Japan, China und Singapur befinden sich die wichtigsten Partner. Die große Stärke von Ibeo Automotive Systems ist die Kompetenz zur Datenfusion.

Mario Brumm
„Wir brauchen ein hohes Innovationstempo, um diese Technologie für die breite Großserie weiterzuentwickeln.“ Mario BrummGesellschafter und Head of Marketing & Sales

„Die verschiedenen System- und Komponentenhersteller haben oft immer noch unterschiedliche Datenstrukturen, die es kompatibel zu machen gilt“, beschreibt der Ingenieur die Herausforderung. Zudem gelinge bei Ibeo Automotive Systems die Kombination von Software und Hardware. „Wir haben früh angefangen und daher heute ein tiefes Verständnis für die Technologie und den Markt“, so Mario Brumm.

Auch wenn das Unternehmen aktuell rasant wächst, bleibt die Marschrichtung für die kommenden Jahre klar. „Aktuell sind wir Tier-2-Lieferant im Automotive-Sektor. Im nächsten Schritt wollen wir Tier-1-Lieferant für die OEM der Automobilindustrie werden“, skizziert Mario Brumm.

Im Kontakt mit diversen Autoherstellern ist ein Großserienstart ab etwa 2020/2021 im Gespräch. „Wir bleiben auch dann noch ein Enginieering-Unternehmen, übernehmen aber die Gesamtverantwortung für das Produkt.“ Und auch dann soll sich die Partnerschaft mit ZF einmal mehr bezahlt machen. „Produktionspartner ist dann in erster Linie natürlich ZF.“

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