Der Motor läuft weiter

Interview mit Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Schnell, Geschäftsführer der HJS Motoren GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schnell, Sie sind Geschäftsführer der HJS Motoren, seit über 30 Jahren in der Branche tätig und damit ein Kenner des Marktes. Wie stellt sich der Markt aktuell dar? 

Hans-Jürgen Schnell: Ich bin seit 33 Jahren in der Biogasbranche tätig und habe einige Höhen und Tiefen miterlebt. Nicht nur für Unternehmen der Biogasbranche, sondern für alle Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien ist das von der jeweiligen Regierung abhängige Hin und Her schwierig. Insbesondere Firmen, die neue Technologien entwickeln, brauchen Planungssicherheit. Weil Entwicklungen kosten- und zeitintensiv sind, sollte auf europäischer Ebene eine klare Marschrichtung, ein Leitfaden vorgegeben werden. Betreiber von Biogasanlagen, also Landwirte, brauchen diese Sicherheiten, andernfalls werden Investitionen ausbleiben. 

Wirtschaftsforum: Wie hat sich die HJS vor diesem Hintergrund entwickelt? 

Hans-Jürgen Schnell: Ich habe 1992 die Schnell Anlagenbau gegründet, aus der 2011 die Schnell Motoren AG und 2017 die HJS Motoren hervorgingen. In den vergangenen 34 Jahren habe ich damit viele grundlegende Veränderungen miterlebt. In der Blütezeit unseres Unternehmens haben wir mit 600 Mitarbeitern Blockheizkraftwerke für Biogasanlagen produziert. Aufgrund der unvorhersehbaren Marktsituation wollte ich irgendwann nicht länger die Verantwortung und die damit verbundenen Risiken eines Unternehmers tragen. Zu oft wurden meine Erwartungen enttäuscht. Bei der HJS Motoren beschäftigen wir heute 60 Mitarbeiter und setzen rund 14 Millionen EUR um. Die vergangenen Jahre waren relativ konstant, da wir unseren Schwerpunkt auf den Service legen. Allerdings fehlen auch hier die entsprechenden Rahmenbedingungen. Wenn das EEG für Landwirte ausläuft, werden diese nicht länger in Biogasanlagen investieren, weil sie keine Perspektiven sehen. 

Wirtschaftsforum: Wie beurteilen Sie die weitere Entwicklung der HJS? 

Hans-Jürgen Schnell: Ich gehe davon aus, das Niveau der letzten Jahre halten zu können. Die Inflation auszugleichen wäre bereits ein großer Erfolg. Seit 2021 sind wir ein Tochterunternehmen des Herstellers von Blockheizkraftwerken, der 2G Energy AG. Der international tätige Konzern sieht insbesondere in den Vereinigten Staaten vielversprechendes Potenzial, da dort Blockheizkraftwerke für große Rechenzentren eingesetzt werden. In Deutschland konzentrieren wir uns dagegen auf den Biogassektor, der sich momentan eher rückläufig entwickelt. Banken halten sich mit Finanzierungen zurück, da die Entwicklung zu unsicher ist. 

Wirtschaftsforum: Welche Aufgabe sehen Sie als Geschäftsführer angesichts dieser schwierigen Marktentwicklung? 

Hans-Jürgen Schnell: Ich bin seit langer Zeit im Geschäft und bereite allmählich die Übergabe vor. Daneben lege ich einen Schwerpunkt auf die Produktentwicklung. Durch die politischen Rahmenbedingungen entstehen oft Mehrkosten, die durch innovative Technologien kompensiert werden können. Es geht nicht darum, neue Technologien zu entwickeln, die mehr kosten, sondern um bezahlbare Technologien. Beispielhaft ist eine von uns entwickelte Technologie, mit der sich Gasmotoren mit alter BlueRail-Technologie von einer aktiven auf eine passive Vorkammer umrüsten lassen. Innermotorisch arbeiten wir mit anderen Geometrien, Temperaturen und Drücken, um die Emissionswerte zu verringern – ohne SCR-Katalysator. So ergeben sich für den Kunden deutliche Kosteneinsparungen. Dank dieser Technologien eröffnen sich Betreibern von Biogasanlagen wieder neue Perspektiven.

Wirtschaftsforum: Sind diese neuen Technologien der Grund dafür, dass sich die HJS auch in einem schwierigen Marktumfeld erfolgreich behauptet? 

Hans-Jürgen Schnell: Unser entscheidender Vorteil ist, dass wir vom Service, von den Aggregaten leben. In unseren Hochzeiten haben wir 3.000 bis 5.000 Aggregate gebaut; sie bieten nach wie vor ein gewisses Potenzial. Der Markt teilt sich inzwischen auf verschiedene Player auf, die im Servicebereich tätig sind; man lebt im Prinzip von der Substanz und von dem, was zusätzlich dazukommt. Da die Betriebsstunden für Aggregate jedoch deutlich reduziert wurden, verlängern sich auch die Serviceintervalle. Es ist daher strategisch sinnvoll, in neue Märkte zu gehen. 

Wirtschaftsforum: An welche Märkte denken Sie dabei? 

Hans-Jürgen Schnell: Der Fokus liegt primär auf Blockheizkraftwerken im Erdgasbereich. In der Ukraine gibt es kriegsbedingt einen großen Bedarf im Infrastrukturbereich. Weil dort die Strom- und Wärmeversorgung neu aufgebaut werden muss, ist es sinnvoll, dezentral mit Blockheizkraftwerken zu arbeiten. Großes Potenzial sehen wir zudem bei Infrastrukturen für IT-Center. Wir werden unsere Erfahrungen aus der Biogasbranche nutzen, um das Wachstum in anderen Märkten anzukurbeln. 

Wirtschaftsforum: Welche persönliche Motivation steckt hinter Ihrem Engagement für erneuerbare Energien? 

Hans-Jürgen Schnell: Ich habe immer an das Potenzial erneuerbarer Energien, insbesondere von Biogas, geglaubt. Dafür wurde ich vor 30 Jahren oft für verrückt gehalten. In den vergangenen 30 Jahren habe ich viel im Ausland gearbeitet. Dort kann man es sich auf Dauer gar nicht leisten, auf Biogas oder Biomasse zu verzichten. Auch deshalb muss die Branche weiter gefördert werden. Ich nehme meine Verantwortung
ernst und möchte weder Kunden noch Mitarbeiter im Stich lassen. 

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