Vom Hof auf den Tisch

Interview mit Jörgen Hemme, Geschäftsführer der Hemme Milch GmbH & Co. Vertriebs KG

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Wirtschaftsforum: Herr Hemme, Ihr Betrieb vereint über 400 Jahre Milchtradition. Was waren die wichtigsten Meilensteine in dieser langen Zeit?

Jörgen Hemme: Die Basis für unser heutiges Unternehmen wurde im Jahr 1589 gelegt. Ich selbst habe den Betrieb vor 30 Jahren in der 18. Generation von meinem Vater übernommen. Bis dahin waren wir ein landwirtschaftlicher Gemischtbetrieb mit Tierhaltung und Ackerbau sowie Forstwirtschaft. Heute konzentrieren wir uns ganz auf die Milchtierhaltung und Herstellung von Milchprodukten im eigenen Werk. 1992 haben wir damit begonnen, Milchflaschen an die Türen von bis zu 4.000 privaten Haushalten zu bringen. Dann kam die Umstellung auf den Lebensmitteleinzelhandel, das ist heute unser Kerngeschäft.

Wirtschaftsforum: Bedeutet das, dass Sie nur direkt an den Handel verkaufen, und nicht an die weiterverarbeitende Industrie?

Jörgen Hemme: Genau, das ist nahezu einzigartig in Deutschland. Es gibt 57.000 Höfe mit Milchtieren in Deutschland, aber die beliefern zu 98% die Molkereiindustrie. Das war eine sehr bewusste Entscheidung von uns, unser Herz hängt an der direkten Verarbeitung im hofeigenen Werk, das unterscheidet uns maßgeblich von anderen Landwirten.

Wirtschaftsforum: Das heißt, Sie decken die gesamte Wertschöpfungskette im eigenen Betrieb ab?

Jörgen Hemme: Ja, wir verarbeiten die Rohmilch direkt auf dem Hof und können so jeden einzelnen Schritt eigenständig kontrollieren, von der Aufzucht der Kälber über den eigenen Futteranbau und die hofeigene Molkerei bis zum frischen, verkaufsfertigen Molkereiprodukt. Tierwohl und Tiergesundheit stehen dabei für uns an erster Stelle. Wir nutzen ausschließlich eigenes, ökologisch erzeugtes Futter, das zu 100% gentechnikfrei ist. Die Tiefe der Herstellung bei uns ist einzigartig. Es gibt seit einigen Jahren wieder einen Trend zur Regionalisierung, wir gehörten zu den ersten, die das aufgenommen haben.

Wirtschaftsforum: Ihre Verbundenheit mit der Region Wedemark zahlt sich also aus?

Jörgen Hemme: Ja, auf jeden Fall. In unserem Einzugsbereich finden Sie keinen anderen Betrieb, der so eine große Produktionstiefe mit hohem Tierwohl und modernster Weiterverarbeitung kombiniert. Aufgrund der kurzen Wege haben wir eine Woche Vorsprung vor größeren Konkurrenten. So schaffen wir es, uns gegen industrielle Anbieter durchzusetzen. Mit uns verbinden die Menschen eine positive Einstellung zur regionalen Landwirtschaft und zu Tier und Umwelt.

Wirtschaftsforum: Was würden Sie als die Hauptfaktoren für Ihren Erfolg bezeichnen?

Jörgen Hemme: Unsere Branche hat eine lange Tradition, wir denken in Generationen. Gleichzeitig nutzen wir moderne Managementtechniken, inklusive digitaler Tools. Wir haben zum Beispiel ein Online-Buchungstool für Hofbesichtigungen und Events am Hof entwickelt. Darüber hinaus haben wir quasi die gesamte Herde digitalisiert; die Gesundheitsdaten jeder einzelnen Kuh werden in Echtzeit überwacht: Herzschlag, Temperatur, Verdauung, Bewegungsverhalten. Bei Abweichungen ploppt das Tier auf dem Monitor auf.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele haben Sie für Hemme Milch?

Jörgen Hemme: Ich habe mir damals gewünscht, eine starke norddeutsche Marke zu werden, das habe ich geschafft und meine Vision erreicht. Die Zukunft ist in jeder Weise herausfordernd, aber wir gestalten sie mit einer aktiven Grundhaltung zur regionalen Landwirtschaft und einer positiven Einstellung zu Mensch, Tier und Natur.

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