Digitale Kliniken: Zum Wohle der Patienten bestens vernetzt

Interview mit Prof. Dr. Sebastian Heumüller, Regionalgeschäftsführer Ost bei der Helios Kliniken GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Prof. Heumüller, Sie haben Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaft studiert und umfangreiche Erfahrungen im Consulting gesammelt. Seit zwölf Jahren sind Sie nun im Gesundheitswesen tätig. Was sind die besonderen Unterschiede?

Prof. Sebastian Heumüller: Krankenhäuser haben sehr komplexe Strukturen. Hier reicht die Bandbreite von der Reinigung über die Speisenversorgung bis hin zu innovativer Hightech-Medizin. Alle Fachbereiche müssen unter einem Dach funktionieren. Das ist herausfordernd und hat Charme zugleich. Ich verstehe Krankenhäuser auch als Gesundheitsstädte, die autark und vernetzt zugleich aufgestellt sein müssen.

Wirtschaftsforum: Beschreiben Sie uns bitte kurz die Tätigkeit der Helios Kliniken.

Prof. Sebastian Heumüller: Wir betreiben mit rund 66.000 Beschäftigten knapp 90 Kliniken, Reha- Einrichtungen und Pflegeheime in Deutschland. Darüber hinaus sind wir in der ambulanten Versorgung tätig. Unsere Größe gibt uns die Möglichkeit, im Netzwerk zu agieren und unser medizinisches Angebot gleichmäßig bundesweit anzubieten. Wir haben viel Expertenwissen und zahlreiche interne Vergleichsmöglichkeiten. Wir lernen von den Besten und wenden das auf andere Bereiche an. Jedes unserer Krankenhäuser ist spezialisiert, worauf alle anderen Häuser zurückgreifen können. So wird der Patient immer optimal versorgt. Selbst wenn die Klinik, in der er behandelt wird, das nötige Wissen nicht hat, kann es ganz einfach über unser Netzwerk abgerufen werden.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich das Krankenhauswesen in den zurückliegenden Jahren verändert?

Prof. Sebastian Heumüller: Ein massiver Umbruch war die Umstellung des Vergütungssystems 2003/2004. Vorher wurde der Aufwand für jeden Patienten pro Belegungstag aufwandsbezogen vergütet. Seinerzeit wurde ein einheitlicher Vergütungsmaßstab eingerichtet, sodass jedes Klinikum für die gleiche Leistung das gleiche Geld bekam. Dadurch konnten die effizient arbeitenden Kliniken Gewinn machen. Darauf folgte eine lange Phase des Wachstums. Es gab Jahr für Jahr mehr stationäre Patienten und die Kapazitäten wurden erweitert. Aktuell beobachten wir einen Rückgang der stationären Behandlungen in ganz Deutschland. Dies ist vor allem in der Ambulantisierung der Versorgung begründet. Therapien, die bislang eines stationären Aufenthaltes bedurften, werden tagesgleich erbracht. Ein weiterer Trend ist der in allen Bereichen zu findende Fachkräftemangel. In der Presse ist vor allem von einem Pflegemangel zu lesen, in der Realität betrifft dies aber nahezu alle Bereiche, von der Reinigungskraft bis zum Chefarzt. Um im veränderten Wettbewerbsumfeld erfolgreich zu agieren, legen wir den Fokus auf den Ausbau kompetitiver Konkurrenzvorteile und setzen stark auf Mitarbeiterattraktivität. Weiterhin möchten wir dem Patienten ein Mehr an Service bieten. Wir engagieren mittlerweile Sterneköche, die mit uns gemeinsam ein neues Speisenkonzept entwickeln.

Wirtschaftsforum: Die Digitalisierung hält Einzug in nahezu alle Lebensbereiche. Wie sieht es damit in Ihrem Unternehmen aus?

Prof. Sebastian Heumüller: Ich möchte in den kommenden zwei Jahren viel mehr digitalisieren, das Papier soll strukturiert in den PC überführt werden. Systeme können zum Beispiel viel besser prüfen, ob Medikamente miteinander verträglich sind. Gewisse menschliche Tätigkeiten können durch Roboter automatisiert werden. So kann die Bereitstellung von Medikamenten zukünftig automatisch erfolgen, das Pflegepersonal wird entlastet. Auch in der Diagnostik setzen wir mittlerweile auf digitale Werkzeuge. In der Radiologie beispielsweise helfen Computer bei der Analyse von Strukturen, unterstützen den Arzt bei der Diagnosefindung und machen Lösungsvorschläge. Hier setzen wir auf künstliche Intelligenz und sind nicht mehr weit von der Umsetzung entfernt.

Wirtschaftsforum: Wie begegnen die Helios Kliniken dem allseits beklagten Mangel an Pflegekräften?

Prof. Sebastian Heumüller: Für uns ist es das Wichtigste, den vorhandenen Fachkräften unsere Wertschätzung zu zeigen. Wir arbeiten an der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, etwa durch Betriebskindergärten und flexible Schichtsysteme, aber auch mittels einfacher Lösungen wie Dienstfahrräder. Wir bieten außerdem Pflegekräften aus dem Ausland bei entsprechender Eignung die Chance, bei uns einzusteigen und versuchen, ehemalige Fachkräfte, die den Beruf gewechselt haben, zurückzuholen.

Wirtschaftsforum: Zum Abschluss die Frage nach Ihren Vorstellungen für die Zukunft der Helios Kliniken.

Prof. Sebastian Heumüller: Wir haben zwei Fokusthemen: Personal und Service. Zudem werden wir verstärkt auf die Chancen der Digitalisierung setzen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Gesundheit, Medizin & Pharma

Ein Leben für die Spagyrik

Interview mit Dr. Balmahnaden Gopalsamy Naidu, Geschäftsführer und Barbara Gopalsamy Naidu, Geschäftsführerin der PHYLAK Sachsen GmbH

Ein Leben für die Spagyrik

Von homöopathischen Essenzen bis hin zu Kosmetikartikeln widmet sich die PHYLAK Sachsen GmbH seit vielen Jahrzehnten der Herstellung alternativmedizinischer Produkte mit ausschließlichem Fokus auf die Spagyrik. Das Ehepaar Gopalsamy Naidu…

Wohin Verantwortung führt

Interview mit Eva-Marie Torhorst, Geschäftsführerin der ReAL gGmbH

Wohin Verantwortung führt

Die ReAL gGmbH begleitet seit Jahrzehnten Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen – getragen von einer familiären Tradition und weiterentwickelt durch klare Werte, Mut zu neuen Wegen und eine Unternehmenskultur, die…

Näher am Leben

Interview mit Markus Frenzer, Geschäftsführer der Nanz medico GmbH & Co. KG

Näher am Leben

Wenn der Rücken operiert ist und die Reha ansteht, denken viele an ferne Kurorte und Kurparkspaziergänge. Doch die Zukunft der Rehabilitation sieht anders aus: wohnortnah, intensiv und mit direkter Rückkopplung…

Spannendes aus der Region Berlin

Drei Standorte, eine Vision: Moderne Medizin mit System

Interview mit Florian Köhn, Geschäftsführer der Policum Berlin MVZ GmbH

Drei Standorte, eine Vision: Moderne Medizin mit System

Wenn Berliner Patienten künftig per Terminal einchecken, KI die Arztbriefe schreibt und ein Telefonassistent rund um die Uhr erreichbar ist, ist das kein Blick in die Zukunft – sondern der…

Zeitenwende für Europas Sicherheit

Interview mit Anders Sjöberg, Geschäftsführer der Saab Deutschland GmbH

Zeitenwende für Europas Sicherheit

Softwaregesteuerte Systeme, künstliche Intelligenz und autonome Plattformen definieren die Zukunft der Sicherheitstechnologie neu. Gleichzeitig zwingt die veränderte geopolitische Lage Europa, mehr Verantwortung für die eigene Verteidigung zu übernehmen. Die Saab…

Boutique statt Behäbigkeit

Interview mit Christian Saxenhammer, CEO der Saxenhammer Corporate Finance GmbH

Boutique statt Behäbigkeit

Wenn Übernahmen, Nachfolge oder Finanzierung anstehen, brauchen mittelständische Unternehmen vor allem eines: Orientierung – und eine Beratung, die Tempo mit Präzision verbindet. Die Saxenhammer Corporate Finance GmbH positioniert sich als…

Das könnte Sie auch interessieren

„Neu heißt nicht gleich gut.“

Interview mit Dr. med. Sonja Sattler, Geschäftsführerin der Rosenparkklinik GmbH

„Neu heißt nicht gleich gut.“

Die Rosenparkklinik GmbH in Darmstadt ist eine Fachklinik für ästhetisch-operative Dermatologie und eine der ersten Adressen für minimalinvasive Gesichtsverjüngung, Fettabsaugung und Plastische Chirurgie in Deutschland. Geschäftsführerin Dr. med. Sonja Sattler…

Wo Technik auf Verantwortung trifft

Interview mit Tobias Krüer, Geschäftsführer der FACT GmbH

Wo Technik auf Verantwortung trifft

Die wirtschaftliche Lage vieler Krankenhäuser in Deutschland ist angespannt wie selten zuvor. Steigende Kosten, Reformdruck und der Wandel zur ambulanten Versorgung erhöhen den Handlungsbedarf. Gefragt sind Lösungen, die weit über…

Patientenversorgung aus einer Hand

Interview mit Andreas Schlüter, Erster Hauptgeschäftsführer (CEO) der Knappschaft Kliniken GmbH

Patientenversorgung aus einer Hand

„Wir glauben, dass die beste Patientenversorgung aus einer Hand kommt.“ Mit diesen Worten beschreibt An­dreas Schlüter, der Erste Hauptgeschäftsführer (CEO) der Knappschaft Kliniken GmbH mit Sitz in Recklinghausen, die Philosophie…

TOP