Qualität, Lieferfähigkeit – und Fairness

Interview mit Markus Jäger, Geschäftsführer der HABA PlattenService GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Jäger, HABA gibt es seit mehr als 30 Jahren in Deutschland, die Firmengruppe existiert aber schon länger.

Markus Jäger: Ja, das Unternehmen wurde im Jahr 1966 in der Schweiz gegründet. Heute hat die Gruppe neben Deutschland Niederlassungen in Italien, Österreich und Tschechien, über 250 Mitarbeiter und einen Umsatz von 70 Millionen EUR. Deutschland ist mit mehr als 50 Mitarbeitern und 22 Millionen EUR Umsatz mit die größte Tochtergesellschaft.

Wirtschaftsforum: Sie haben gerade ein neues Werk in Betrieb genommen. Steigt die Nachfrage nach Stahl- und Aluminiumplatten?

Markus Jäger: Wir haben hier in Herrenberg über 50.000 m² Land dazugekauft. Das neue Werk 1 bietet zusätzlich rund 6.000 m² Produktionsfläche. Ende 2023 wird Werk 2 hinzukommen mit nochmal etwa der gleichen Fläche. Wir wachsen kontinuierlich. Unsere Kunden in Deutschland legen immer mehr Wert auf die Reduzierung von CO2-Emissionen und kaufen zunehmend regional ein, und nicht mehr in Asien oder anderen Regionen mit günstigeren Löhnen. Das wirkt sich auf die Endpreise aus, aber dafür ist die Produktion nachhaltiger. Der Trend geht Richtung Qualität und Nachhaltigkeit anstelle der reinen Fokussierung auf die Kosten. Hier findet eindeutig ein Umdenken statt, von dem wir profitieren. Wir arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen, um hochwertige, hochfeste Produkte zu liefern, die exakt auf ihre Anforderungen zugeschnitten sind.

Wirtschaftsforum: Das heißt, Sie liefern hauptsächlich kundenindividuelle Erzeugnisse.

Markus Jäger: Wir sind spezialisiert auf die Veredelung von walzrohen Stahl- und Aluminiumplatten. Unser Ziel ist es, unsere Kunden mit dem richtigen Material zum richtigen Zeitpunkt zu beliefern. Wir haben ein sehr großes Halbfabrikatelager, das es uns ermöglicht, innerhalb von 24 bis maximal 48 Stunden das gewünschte Produkt zu liefern. Binnen 24 Stunden fertigen und liefern, das ist extrem selten in unserer Nische. Wir sind nicht umsatzgetrieben, sondern arbeiten präferenzorientiert. Qualität und Lieferfähigkeit stehen für uns ganz oben.

Wirtschaftsforum: Welche Märkte beliefern Sie mir Ihren maßgeschneiderten Platten?

Markus Jäger: Die HABA-Gruppe hat rund 7.000 aktive Kunden aus der Automobilindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau, der Pharmaindustrie, der Lebensmittelproduktion und vielen weiteren Segmenten. Vor allem im Bereich Pharma und Lebensmittel werden sehr hochwertige Materialien benötigt. Unsere Produkte werden zum Beispiel in der Herstellung und Verpackung von Impfstoffen eingesetzt. Diesen Bereich wollen wir weiter ausbauen.

Wirtschaftsforum: Als Allein-Geschäftsführer müssen Sie alle Verantwortungsbereiche abdecken, operativ wie strategisch. Welche Veränderungen hat es in den drei Jahren, seit Sie bei HABA sind, gegeben?

Markus Jäger: Neben der Entwicklung neuer Märkte haben wir vor allem die internen Abläufe optimiert und den Vertrieb umstrukturiert. Außerdem haben wir sehr erfolgreich eine Edelstahlkampagne gestartet: mit hochlegiertem, hochfestem Edelstahl mit hohen Reinheitsgraden für die Verpackungs- und Lebensmittelindustrie.

Wirtschaftsforum: Gibt es einen Bereich, der Ihnen besonders am Herzen liegt?

Markus Jäger: Ganz klar der Personalbereich und die Mitarbeiterführung. Ich binde alle Mitarbeiter ein in allen Belangen, die sie betreffen. Wir legen großen Wert auf einen partnerschaftlichen, ehrlichen und fairen Umgang miteinander. Das Gleiche gilt auch für den Umgang mit unseren Kunden. Ängste haben wir genug, davon brauchen wir nicht noch mehr. Wenn das Umfeld stimmt und man sich wohlfühlt, kann man auch die optimale Leistung bringen. Eine familiäre Atmosphäre, kurze Wege, ein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl, das ist, was mich antreibt.

Wirtschaftsforum: Welche Pläne haben Sie für den Standort Herrenberg?

Markus Jäger: Wir wollen die Niederlassung in Deutschland weiter ausbauen, um auf die steigende Nachfrage nach regional gefertigten Platten zu reagieren. Ziel ist es, die gesamte Wertschöpfungskette hier am Standort abzubilden. Auf der Produktseite wird Aluminiumguss an Bedeutung gewinnen. Neben hochwertigem Stahl wird immer mehr Aluminium aus heimischer Produktion nachgefragt. Entsprechend werden wir unsere Lagerkapazitäten weiter steigern, um entsprechende Halbfabrikate so schnell wie möglich kundenspezifisch zu veredeln. Darüber hinaus planen wir, das komplette PPS-System zu erneuern und sämtliche Unternehmensprozesse zu digitalisieren.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Industrielle Zulieferer

Präzision aus Metall – Wertschöpfung in Perfektion

Interview mit Rob Paulissen, Managing Director der Doesburg Components B.V.

Präzision aus Metall – Wertschöpfung in Perfektion

Vom Guss bis zum einbaufertigen Bauteil: Die Doesburg Components B.V. steht für metallurgisches Know-how, moderne Fertigung und enge Kundenbeziehungen. Das Unternehmen produziert präzise bearbeitete Gusskomponenten für Motoren, Getriebe und Fahrwerke.…

Mit Spezialwissen zum ­Erfolg

Interview mit Christian Brazda, Geschäftsführer der Flexitallic GmbH

Mit Spezialwissen zum ­Erfolg

Während viele Industrieunternehmen mit dem schwierigen Marktumfeld kämpfen, wächst Flexitallic Deutschland Jahr für Jahr um mehr als 10%. Der Dichtungsspezialist aus Willich hat seinen Umsatz seit 2018 von 2,8 auf…

„Wir denken mit und liefern Lösungen“

Interview mit Christian Hofmann, Vertriebsleiter der Alfred Kron GmbH

„Wir denken mit und liefern Lösungen“

Die Metallverarbeitungsbranche steht unter Druck: Digitalisierung, Fachkräftemangel und globale Lieferketten stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Wer heute erfolgreich sein will, muss flexibel agieren und Prozesse durchdenken. Ein Beispiel für diese…

Spannendes aus der Region Landkreis Böblingen

IT-Komplettanbieter mit familiären Werten

Interview mit Dr. Benjamin Strehl, Geschäftsführer der USU GmbH

IT-Komplettanbieter mit familiären Werten

Wer als Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig bleiben will, muss die digitale Transformation aktiv gestalten. Dabei geht es um mehr als ein technologisches Update; es geht um einen tiefgreifenden Wandel, der alle…

Innovation aus der zweiten Reihe

Interview mit Maxim Theiss, Geschäftsführer der Scala Design Technische Produktentwicklung GmbH

Innovation aus der zweiten Reihe

Während viele Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten stagnieren, hat Scala Design aus dem baden-württembergischen Gärtringen seinen Umsatz in vier Jahren mehr als verdoppelt. Das Geheimnis des 39 Jahre alten Familienunternehmens…

Ein Motor ist nur so gut wie seine Bauteile

Interview mit Oliver Schöttle, Geschäftsführer der SM Motorenteile GmbH

Ein Motor ist nur so gut wie seine Bauteile

Seit über 40 Jahren steht die SM Motorenteile GmbH aus dem Großraum Stuttgart nicht nur für technische Exzellenz, sondern auch für starke persönliche Werte in ihren gewachsenen Geschäftsbeziehungen entlang der…

Das könnte Sie auch interessieren

Verpackung.de – Next-Level für moderne Verpackungen

Interview mit Sören Hadeler, CEO der Gustav Schramm GmbH

Verpackung.de – Next-Level für moderne Verpackungen

Nachhaltigkeit prägt die Verpackungsindustrie mehr denn je. Für die Gustav Schramm GmbH, ein Familienunternehmen mit über 100 Jahren Erfahrung, steht auch ein einfacher Karton für Innovation und umweltfreundliche Lösungen. Mit…

„Der persönliche Kontakt bleibt trotz Digitalisierung wichtig!“

Interview mit Birgit Häussler, Geschäftsführerin der Manfred Häussler GmbH

„Der persönliche Kontakt bleibt trotz Digitalisierung wichtig!“

Seit über 40 Jahren setzen Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen aus dem Bausektor aus dem süddeutschen Raum auf die Materialkompetenz und beständige Verlässlichkeit des Baustoffgroßhändlers Manfred Häussler GmbH aus Winnenden. Im Interview…

Tradition trifft Innovation im Kiesgeschäft

Interview mit Caroline Held, Geschäftsführerin und Otto-Wilhelm Held, Geschäftsführer der Kändler-Held GmbH

Tradition trifft Innovation im Kiesgeschäft

Die Kändler-Held GmbH, ein traditionsreiches Unternehmen aus Petershagen, wird heute in 3. und 4. Generation von Otto-Wilhelm Held und seiner Tochter Caroline Held geleitet. Das Unternehmen hat sich als führender…

TOP