Tierisch erfolgreich im E-Commerce

Interview mit Rafael Menke, Geschäftsführer der Lyra Pet GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Menke, wie sind Sie zur Lyra Pet GmbH gekommen – und was hat Sie an der Branche gehalten?

Rafael Menke: Ich bin seit 1993 in der Branche unterwegs. Angefangen habe ich über eine Handelsvertretung und bin so in den Zoofachhandel hineingewachsen – erst im Außendienst, später auch selbstständig mit Futtermitteln. Den Gründer der Lyra Pet habe ich schon Jahre vorher kennengelernt. 2012 bin ich dann eingestiegen, damals waren wir zu zweit plus Aushilfe – Aufträge ausdrucken, Paketscheine schreiben, selbst packen, Ware abladen, E-Mails beantworten. Dieses ‘Machen’ hat mich geprägt – und bis heute motiviert.

Wirtschaftsforum: Lyra Pet wurde 2009 gegründet. Was waren die wichtigsten Entwicklungsschritte?

Rafael Menke: Am Anfang war es tatsächlich ein reines Handelsgeschäft: einkaufen, über Plattformen – damals vor allem eBay – verkaufen. Irgendwann standen wir vor der Frage: Wie differenzieren wir uns? Nur Handelsware bedeutet, man ist immer vergleichbar. 2017/2018 haben wir deshalb umgestellt und konsequent eine Eigenmarke aufgebaut: weg von Handelsprodukten, hin zu ‘Lyra Pet’. Seitdem haben wir die Eigenmarke ausgebaut – erst stark im Wildvogelfutter, später deutlich breiter Richtung Hund und Katze, zusätzlich Katzenstreu, Snacks, inzwischen auch Pferde- und Fischfutter.

Wirtschaftsforum: Was ist heute Ihr Anspruch an Sortiment und Positionierung?

Rafael Menke: Unser Leitsatz ist „Einfach tierisch gut“. Das heißt: Wir bieten das an, was der Kunde wirklich braucht – in dem Gebinde, das er möchte. Also eher Großgebinde statt Mini-Packungen. Dazu kommen schnelle Lieferung und eine Qualität, hinter der wir stehen. Preis und Leistung müssen stimmen – ich verkaufe lieber einen Artikel zehnmal am Tag zu einem vernünftigen Preis als dreimal zu teuer. Und alles, was wir verkaufen, würden wir auch unseren eigenen Tieren geben.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen oft über Geschwindigkeit und Prozesse. Was macht hier den Unterschied?

Rafael Menke: In unserem Geschäft ist Automatisierung das A und O. Alles, was wiederkehrend ist, muss automatisiert werden – sonst ist man zu langsam. Wir haben ein starkes IT-Setup, arbeiten mit Schnittstellen und integrieren Marktplätze technisch ins System. So läuft vieles vollautomatisch, auch wenn einzelne Plattformen unterschiedliche Anforderungen an Texte, SEO oder Artikelattribute haben. Und beim Sortiment sind wir klar: Ein Artikel sollte sich mindestens einmal am Tag verkaufen, sonst passt der Lagerumschlag nicht.

Wirtschaftsforum: Welche Vertriebskanäle sind für Sie entscheidend?

Rafael Menke: Unsere Devise lautet: so breit wie möglich. Der Kunde soll uns dort finden, wo er gern einkauft – Amazon, eBay, eigener Shop, Kaufland, weitere Marktplätze wie ManoMano, aber auch Partner wie Fressnapf oder Zooplus. Wir gehen zudem auf weitere Marktplatzwelten, zum Beispiel Baumärkte. Zusätzlich haben wir eine B2B-Registrierungsmöglichkeit auf der Website – das ist spannend, braucht aber mehr Personal, um es konsequent auszubauen.

Wirtschaftsforum: Neben Wachstum gab es auch Krisen. Was hat das Unternehmen besonders gefordert?

Rafael Menke: Der größte Einschnitt war ein Vollbrand Anfang 2020 – Lagerhalle und Büros waren komplett weg, inklusive Daten. Am nächsten Tag ging es aus dem Homeoffice weiter, wir haben kurzfristig wieder Büros organisiert und Ware nachbeschafft. Das hat wehgetan, aber auch gezeigt, wie resilient wir sind. Heute arbeiten wir mit externem Lager, was die Versorgung deutlich stabiler macht.

Wirtschaftsforum: Welche He­rausforderungen sehen Sie aktuell im Markt?

Rafael Menke: Stark sind gerade regulatorische Themen: Verpackungsverordnungen, europäische und nationale Vorgaben – jedes Land ‘kocht sein Süppchen’. Rezyklat ist ein Riesenthema, wir stellen Kunststoffverpackungen schrittweise auf hohe Rezyklatanteile um. Dazu kommt Qualitätsmanagement: Wir importieren aus vielen Ländern und sind als Inverkehrbringer in der Verantwortung, die Qualität dauerhaft hochzuhalten.

Wirtschaftsforum: Wohin soll sich Lyra Pet in den nächsten Jahren entwickeln?

Rafael Menke: Wir sehen uns als Grundversorger: Kernprodukte für Tierhalter – in guter Qualität und zu vernünftigem Preis. Gleichzeitig profitieren wir von einer starken Mutter: Nach Eigentümerwechseln gehören wir heute zur The Platform Group. Per­spektivisch sind Zukäufe möglich, außerdem denken wir über einen eigenen Store nach – auch als Franchise oder Shop-in-Shop. Und langfristig wollen wir eine eigene Plattform aufbauen, an die sich weitere Hersteller anbinden können. Für mich ist das mehr als ein Job: Ich habe das Unternehmen vom kleinen Umsatzniveau an mit aufgebaut – es ist ein Stück weit mein ‘Baby’, und ich möchte es weiterwachsen sehen.

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