Frische braucht Konzept
Interview mit Adrian Karl, Geschäftsführer der GSK Kältetechnik Fachgroßhandel GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Karl, der Lebensmitteleinzelhandel steht unter hohem Kostendruck und muss zugleich in neue Konzepte investieren. Sie selbst haben die Geschäftsführung in einer wirtschaftlich besonders schwierigen Phase übernommen. Wie haben Sie diesen Einstieg erlebt?
Adrian Karl: Rückblickend hätte der Zeitpunkt kaum anspruchsvoller sein können. Ich bin 2023 noch während meines Studiums als Assistenz der Geschäftsleitung eingestiegen und musste mich im Eilverfahren in viele Themen parallel einarbeiten. Dies war auch mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Kurz nach der offiziellen Übernahme mussten wir jedoch die Insolvenz eines wichtigen Lieferanten, den Wechsel unserer ausliefernden Spedition zum Endkunden sowie ein insgesamt schwieriges Marktumfeld bewältigen. Das war eine mehr als ‘kalte Dusche’, zugleich aber auch eine Chance, eigene Ideen einzubringen und das Unternehmen weiterzuentwickeln. Gerade in solchen Zeiten zeigt sich, wie wichtig verlässliche Partnerschaften sind. Unsere Kunden erwarten keine Standardlösungen, sondern Ansprechpartner, die ihre Anforderungen verstehen und schnell reagieren können. Deshalb sind Verlässlichkeit, schnelle Reaktionen und eine langfristige Zusammenarbeit für uns besonders wichtig.
Wirtschaftsforum: Ihr Vater hat GSK 1991 gegründet. Wie hat sich das Unternehmen seitdem entwickelt?
Adrian Karl: Die ersten Jahre waren alles andere als einfach und mit vielen Rückschlägen verbunden. Der Durchbruch gelang um das Jahr 2000 mit einem ersten Großauftrag für Kaiser’s Tengelmann. Danach ist GSK kontinuierlich und organisch gewachsen, unter anderem mit Konzepten wie Salatbars, Getränkekühlungen sowie Lösungen für Beeren, Pilze und regionale Frischeprodukte. Heute beschäftigen wir mehr als 25 Mitarbeiter, betreuen mehrere tausend Kunden und liefern unsere Kühlmöbel auch in verschiedene europäische Länder. Gleichzeitig hat sich der Handel stark verändert. Convenience, Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und neue gesetzliche Vorgaben gewinnen immer mehr an Bedeutung. Unsere Dienstleistung beschränkt sich nicht nur auf die einfache Lieferung und Marktausstattung mit Geräten, sondern umfasst auch die individuelle Beratung sowie die standortspezifische Planung und beinhaltet alle für den Endverbraucher relevanten Aspekte, wie beispielsweise die optimale Warenpräsentation, die Maximierung der Display-Fläche und vieles mehr.
Wirtschaftsforum: Sie bezeichnen GSK als Fachgroßhandel. Reicht diese Beschreibung angesichts Ihres Leistungsspektrums überhaupt noch aus?
Adrian Karl: Der Fachgroßhandel bildet unsere Basis, aber wir verstehen uns vor allem als Projektpartner. Wir verkaufen nicht einfach ein Kühlmöbel, sondern begleiten unsere Kunden von der Beratung und Planung über die Produktauswahl bis zur Lieferung und Montage. Auch Umbauten bestehender Anlagen, die Ersatzteilversorgung und der Service im laufenden Betrieb gehören dazu. Durch unser breites europäisches Lieferantennetzwerk können wir unterschiedliche Hersteller und Produkte kombinieren und für nahezu jede Anforderung eine passende Lösung entwickeln beziehungsweise bereitstellen. Viele Kühlmöbel bieten wir zudem unter eigenen Serienbezeichnungen an. Sehr wichtig für uns ist auch der Bereich Aftersales-Service, in den wir aktuell unsere größte Energie stecken, um uns dadurch von den Mitbewerbern abzugrenzen und einen USP zu generieren. Mithilfe von Fotos, Typenschildern und Seriennummern können wir Störungen häufig schnell einordnen, während unser Ersatzteillager dabei hilft, benötigte Komponenten kurzfristig bereitzustellen. Gerade im Lebensmittelhandel, wo eine ausgefallene Kühlung schnell erhebliche Folgen haben kann, sind Erreichbarkeit und kurze Reaktionszeiten entscheidend.
Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit und Digitalisierung tragen zur Veränderung der Branche bei. Wie gehen Sie damit um?
Adrian Karl: Nachhaltigkeit ist heute nicht nur eine Frage der Haltung, sondern zunehmend auch wirtschaftlich und gesetzlich relevant. Neue gesetzliche Vorgaben, etwa bei Kältemitteln oder kundenseitig bei Energieeffizienz, beeinflussen Investitionsentscheidungen erheblich. Zugleich liegt energieeffiziente Kühltechnik im Interesse unserer Kunden, weil sie Betriebskosten senken und Investitionen langfristig absichern kann. Beim zweiten großen Zukunftsthema, der Digitalisierung, entwickeln wir unsere eigenen Prozesse kontinuierlich weiter – sei es eine grundlegend überarbeitete Website, neues CI und Produktflyer oder die stetige Entwicklung unseres Warenwirtschaftssystem mit Features wie zum Beispiel einem digitalen Dokumentenmanagementsystem. Allerdings sind wir bei vielen Prozessen ein wenig limitiert, da hierzu Schnittstellen mit entweder Kunden oder Lieferanten notwendig sind. Da diese ihre hauseigenen Systeme und Prozesse haben, kann leider nicht immer eine Synergie geschaffen werden, ansonsten wäre unsererseits der Grad an Digitalisierung nochmals höher. Dabei gilt: Digitalisierung funktioniert nur, wenn alle Partner entlang der Wertschöpfungskette mitziehen.
Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die größten Chancen für GSK – und was braucht der Mittelstand, um sie nutzen zu können?
Adrian Karl: Convenience wird weiter wachsen, ebenso der Bedarf an individuellen Konzepten für Tankstellen, Hotellerie oder regionale Direktvermarkter. Damit dieses Potenzial ausgeschöpft werden kann, braucht es jedoch neue Investitionsimpulse im Lebensmitteleinzelhandel sowie klare Signale aus der Politik in Form von Zugeständnissen an die Industrie und Investitionen in den Standort Deutschland sowie dessen Dienstleistungssektor. Wir wollen unsere Kunden weiterhin als verlässlicher Partner begleiten und gemeinsam mit ihnen zukunftsfähige Lösungen entwickeln, und damit sind wir keineswegs allein. Gerade mittelständische und familiengeführte Unternehmen können dabei ihre Stärken ausspielen: unternehmerische Beweglichkeit, hohe Innovationskraft und die enge Bindung an Kunden und Mitarbeiter. Dafür brauchen sie allerdings verlässliche Rahmenbedingungen und wieder mehr Luft zum Atmen. Wir verfügen in Deutschland über enormes Know-how und engagierte Menschen – wir müssen ihnen nur die Möglichkeit geben, dieses Potenzial auch entfalten zu dürfen.












