Ein Green Champion der Verpackungsbranche

Interview mit Axel Kühner, CEO der Greiner AG

Wirtschaftsforum: Herr Kühner, Sie sind mit Greiner in verschiedenen Sparten tätig. Was sind die wichtigen Bereiche, die Säulen des Geschäfts?

Axel Kühner: Mit unserem Bereich Greiner Packaging decken wir Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff und technische Kunststofflösungen ab. Unser Joghurtbecher ist hier sicherlich international unser Signature-Produkt. Mit Greiner Bio-One sind wir im medizintechnischen Bereich aufgestellt. Hier sind unsere Blutabnahmeröhrchen unser Flaggschiff. Wir waren der erste Anbieter, der die Röhrchen aus Kunststoff hergestellt hat. Unsere Sparte NEVEON, ehemals Greiner Foam, ist spezialisiert auf Schaumstoff, insbesondere auf Polyurethan Weich- und Verbundschäume. Diese werden in unterschiedlichsten Branchen und Gebieten eingesetzt, zum Beispiel in der Möbel- und Matratzenindustrie, im Automotive-Segment oder in der Luftfahrt. Ein weiterer Geschäftsbereich ist Greiner Extrusion mit Extrusionslinien, Werkzeugen und kompletten Anlagen für die Profilextrusion.

Wirtschaftsforum: In welcher Marktposition sehen Sie Greiner, im Vergleich zum Wettbewerb?

Axel Kühner: Das kommt auf die jeweiligen Marktsegmente an. Im Verpackungsbereich sind wir im Segment der Molkereiprodukte in Europa der größte Anbieter. In der Medizintechnik zählen wir zu den beiden führenden Playern am Markt. Im Schaumstoffbereich gibt es noch Luft nach oben. Hier zählen wir aktuell zu den drei führenden Anbietern, haben es uns aber zum erklärten Ziel gesetzt, die Nummer 1 europaweit zu werden.

Wirtschaftsforum: Welche Innovationen und Neuentwicklungen gibt es zurzeit bei Greiner?

Axel Kühner: Eine aktuelle Innovation, auf die ich besonders stolz bin, betrifft unseren K3-Becher. Normalerweise bestehen Joghurtbecher aus Plastik. Unser K3-Becher besteht jedoch innen aus Plastik und außen aus Papier. Die beiden Materialien kann man getrennt entsorgen und dann auch recyceln. Viele Konsumenten trennen aber nicht entsprechend. Unser K3-Becher trennt die Materialien nun automatisch in den Müllentsorgungsanlagen. Damit haben wir ein erfolgreiches Produkt kreislauffähig und somit zukunftsfähig gemacht. Mit Blick in die Zukunft sind hier mit Sicherheit auch unsere Bemühungen zu nennen, unsere Schaumstoffkompetenz auszubauen. Wir haben vor wenigen Monaten einen Anteil am belgischen Schaumstoffproduzenten Recticel übernommen. Mit der Übernahme der Recticel wollen wir im Schaumstoffbereich zur Nummer 1 in Europa aufsteigen. Unabhängig von der Industrie wird das Thema Recycling immer wichtiger. Hier forschen wir in unterschiedlichen Bereichen sowohl an mechanischen als auch chemischen Lösugen.

Wirtschaftsforum: Das heißt, das Thema Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung?

Axel Kühner: Nachhaltigkeit ist die zentrale Herausforderung und in all unseren Sparten ein großes Thema. Für uns war eine nachhaltige Geschäftsausrichtung schon wichtig, lange ehe der Begriff zum geflügelten Wort und zum politischen Instrument wurde. Wir waren einer der ersten Anbieter, die das Thema transparent kommuniziert haben. Bereits 2015 haben wir eine Nachhaltigkeitsstrategie für unser Unternehmen entwickelt. 2020 – mitten in der Krise – haben wir diese angepasst und unsere Nachhaltigkeitsstrategie Blue Plan genannt. Der Greiner Blue Plan steht auf drei Säulen: Zum einen möchten wir über Müllvermeidung, Steigerung der Energieeffizienz und den Einsatz erneuerbarer Energien dem Klimawandel entgegenwirken. Zweitens möchten wir ein zirkuläres Unternehmen werden und alle Produkte in einen Kreislauf führen. Drittens stellen wir unsere Mitarbeiter in den Mittelpunkt unseres unternehmerischen Tuns. Wir erhöhen den Anteil der Frauen in unserem Management, bauen unser Angebot an Schulungen und Weiterbildungen aus und steigern die Sicherheit unserer Arbeitsplätze.

Wirtschaftsforum: Greiner ist seit über 150 Jahren erfolgreich am Markt. Wie gelingt es Ihnen, Ihren Erfolg so langfristig zu sichern?

Axel Kühner: Wir haben uns über alle Jahrzehnte hinweg unseren Pioniergeist erhalten. Immer wieder suchen wir nach Verbesserungen oder Innovationen, auch wenn das ‘Alte’ bewährt und erfolgreich ist. In den 1950er-Jahren, als Kork durch Polyurethan-Weichschaum ersetzt wurde, mussten wir erfahren, wie schnell etwas vorbei sein kann. Wir gehen mit offenen Augen durch die Welt und beschäftigen uns immer wieder mit neuen Themen. Dabei lassen wir selbstverständlich Fehler zu. Diese Kultur wird von unseren Eigentümern unterstützt und gepflegt.

Wirtschaftsforum: Der Verpackungsmarkt ist in allen Bereichen hart umkämpft. Was unterscheidet Greiner von anderen Anbietern?

Axel Kühner: Wir verbinden das Beste aus zwei Welten, eines Konzerns und eines kleineren Unternehmens. Dadurch sichern wir ein Höchstmaß an Flexibilität, Kreativität, Professionalität und auch Geschwindigkeit. Durch unsere dezentrale Aufstellung genießen wir die Vorteile eines Großunternehmens, wie zum Beispiel Prozess- oder IT-Standards und eine zentrale Strategie zu Themen wie Nachhaltigkeit oder Mitarbeiterführung. Gleichzeitig sind wir in der Lage, dezentral zu handeln, Entscheidungen aufgrund kurzer Wege schnell zu treffen zu können und flexibel zu agieren. Wir sind schnell wie ein Familienunternehmen und professionell wie ein Konzern.

Wirtschaftsforum: Was werden in den nächsten Monaten die wichtigsten Themen auf Ihrer Agenda sein?

Axel Kühner: Nach wie vor ist die Akquisition von Recticel ein großes Thema. Daneben ist auch weiterhin die angespannte Situation durch Corona ein Thema, das uns weiter beschäftigt. Wir werden uns zudem noch konsequenter auf das Thema Nachhaltigkeit ausrichten, zum Beispiel das Recycling im Verpackungsbereich stärken. Wir erwarten für die kommenden Jahre eine steigende Nachfrage nach recycelbaren Produkten und sehen hier vielversprechende Wachstumsperspektiven.

Wirtschaftsforum: Welche Vision verfolgen Sie mit Greiner?

Axel Kühner: Wir möchten im Bereich der Kunststoffverarbeitung das nachhaltigste Unternehmen werden und in den Branchen, in denen wir aktiv sind, das Thema Nachhaltigkeit revolutionieren. Dafür sollen uns unsere Mitarbeiter und Kunden schätzen.

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