Das Optimum im Flugmanagement

Interview mit Frank Köhne, Geschäftsführer der Harris Orthogon GmbH

Arrival Management, Departure Management, Pre-Departure Sequencing, Demand Capacity Balancing – um Verkehr und Logistik auf Großflughäfen zu steuern, reicht die gute alte Strichliste bei Weitem nicht aus. Hunderte Flüge müssen jeden Tag abgefertigt, ebenso viele Starts und Landungen koordiniert und Zigtausende Passagiere durchgeschleust werden – ein Planungsaufwand, der nur mit sehr guten, leistungsfähigen und genau auf den jeweiligen Bedarf zugeschnittenen Flugmanagementsystemen gestemmt werden kann.

Zusätzlich gilt es, die Effizienz zu steigern und Ressourcen bestmöglich zu nutzen, indem durch langfristige Vorausplanung beispielsweise unnötiges Warten in der Luft vermieden wird. Die Harris Orthogon GmbH ist seit mehr als 30 Jahren ein Experte auf dem Gebiet der Flugmanagementsysteme und der Flugsicherung. Ihre Produkte und Lösungen sorgen seit vielen Jahren auf den größten Flughäfen der Welt für reibungslose Abläufe.

Software für den europäischen Luftraum

Gegründet 1987, startete das Unternehmen schnell durch: Bereits Anfang der 1990er-Jahre landete Harris Orthogon mit der Entwicklung und Einführung der ODS Toolbox einen ersten großen Erfolg. Das System wurde zu einem neuen De-facto-Standard im Bereich der Flugsicherung.

Fast von Anfang an dabei ist Geschäftsführer Frank Köhne, der 1992 noch als Student zum Unternehmen kam, sich im Laufe der Zeit zuerst zum Leiter des Bereichs Flugsicherung hocharbeitete und 2009 schließlich Geschäftsführer wurde.

Er erinnert sich gut an etliche weitere Meilensteine, die sein Unternehmen zu einem der führenden seiner Branche gemacht haben: „1995 stattete Harris Orthogon gemeinsam mit Siemens und dem französischen Unternehmen Thompson CFF das UACC der Eurocontrol – der Kontrollzone für den oberen Luftraum in Benelux und Norddeutschland – mit Software aus. Im Rahmen dieses Projektes haben wir zusammen mit der heutigen Firma Thales den europäischen Standard definiert und in vielen europäischen Ländern eingeführt“, erzählt er. „Ende der 1990er-Jahre haben wir dann in die Entwicklung und Spezifizierung einer ganzen Produktfamilie für das Queue Management investiert; dazu gehören unter anderem Systeme wie AMAN, das den anfliegenden Verkehr auf dem Flughafen optimiert, oder DMAN, das das Gleiche für den abfliegenden Verkehr leistet. Das sind quasi ‘gebrauchsfertige’ Systeme, auf denen die Software läuft und die nur noch angeschlossen werden müssen.“

Stark ist das Unternehmen seit jeher auch im Bereich der Flugsicherung: Früher mit der ODS Toolbox, einem ‘Werkzeugkasten’, mit dem sich Software für die Displays von Fluglotsen erstellen ließ, und heute mit einem verbesserten Produkt, der ODS Open Platform, auf der außer mit den eigenen Systemen auch mit denen anderer Anbieter gearbeitet werden kann. „Unser Fokus lag an sich auf dem Gebiet der Flugsicherung, aber wir haben unser Portfolio auf das Flughafensegment ausgedehnt“, beschreibt Frank Köhne den aktuellen Stand der Entwicklung.

Frank Köhne Geschäftsführer
„Der englische Luftraum ist der komplizierteste der Welt. Wir liefern die Arrival Management-Systeme – das ist schon ein großer Erfolg für ein relativ kleines Unternehmen.“ Frank KöhneGeschäftsführer

Erfolgsprojekte weltweit

Mit NATS, der Flugsicherungsbehörde des Vereinten Königreichs Großbritannien, sowie mit dessen kanadischem Pendant NAV Canada und dem italienischen ENAV realisiert Harris Orthogon weltweit einmalige Großprojekte. Auch für die Flugsicherungsbehörden an Hotspot-Flughäfen wie Singapur, Hongkong und Istanbul lieferte das Unternehmen die AMAN- und DMAN-Systeme für das Flugsicherheitsmanagement.

London-Heathrow, einer der Flughäfen mit dem weltweit größten Flugverkehrsaufkommen, wurde von Harris Orthogon mit DCB (Demand Capacity Balancing) ausgestattet, einem System, das die optimale Nutzung von Kapazitäten ermöglicht. „Damit sind wir ein aktuelles Problem unserer Kunden angegangen“, erläutert Frank Köhne. „Weil der Flugverkehr immer mehr zunimmt, stoßen große Hubs wie beispielsweise London und Singapur an ihre Kapazitätsgrenzen. Durch eine sehr frühe Planung kann die Verschwendung von Kerosin vermieden werden. Wir haben etwa in London ein erweitertes AMAN-System, das 500 nautische Meilen weit planen kann. Dadurch können wir Geschwindigkeit von Flugzeugen reduzieren und dafür sorgen, dass die Flieger erst ankommen, wenn sie auch direkt landen können. Dadurch vermeiden wir Warteschleifen, die Lärm verursachen und Treibstoff verschwenden.“

Im Bereich Queue Management ist der Nischenplayer ein Hidden Champion. „Der englische Luftraum ist der komplizierteste der Welt, und wir liefern dafür die Systeme für das Arrival Management. Das ist schon ein großer Erfolg für ein relativ kleines Unternehmen aus Bremen“, unterstreicht der Geschäftsführer. Er selbst fühlt sich seinem Unternehmen innig verbunden, ebenso wie alle Mitarbeiter: „Die Firma voranzubringen und zu gestalten, motiviert mich jeden Tag. Wir haben praktisch keine Fluktuation, wer zu uns kommt, der bleibt. Ich finde, wir tun etwas Gutes, indem wir unseren Teil dazu beitragen, Flugverkehr so nachhaltig wie möglich zu gestalten.“

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